10.03.2014 14:30
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Biodiversität
Weidende Tiere können Artenverlust verringern
Das Düngen von Wiesen lässt die Pflanzenvielfalt drastisch schwinden, wie aus zahlreichen Studien bekannt ist. Nun weist ein internationales Forscherkonsortium nach, dass Weidetiere diesen Verlust stoppen können. Die Daten zur Studie stammen auch aus dem Val Müstair und vom Zugerberg.

Düngemittel (absichtlich und unabsichtlich zugeführt) führen weltweit in Wiesen- und Weideökosystemen zu einer Abnahme der Artenvielfalt, schreiben die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL und die Universität Zürich am Montag in einer Mitteilung. In gedüngten Wiesen- und Weideökosystemen stehen den Pflanzen Nährstoffe praktisch unbeschränkt zur Verfügung. Schnell- und hochwüchsige Kräuter und Gräser überleben so auf Kosten sämtlicher anderen Pflanzen.

Pflanzenfresser wie Steinböcke oder Gemsen verspeisen aber vorwiegend in die Höhe wachsende Pflanzen. Damit fördern sie indirekt niedrigwüchsige Pflanzen, die das zusätzliche Licht ausnützen können und die Artenvielfalt bereichern, erklären die Forscher. 

41 Versuchsflächen in der ganzen Welt

Der Mechanismus gilt weltweit, ob in afrikanischen Savannen, der nordamerikanischen Prärie oder hochalpinen Weiden. Auf 41 Versuchsflächen auf fünf Kontinenten haben die Forschenden die Zusammenhänge zwischen Düngung und Weidefrass untersucht. Die Resultate stellen sie nun im Fachjournal «Nature» vor.

Zwei der fünf in Europa gelegenen Versuchsflächen liegen in der Schweiz. Anita Risch und Martin Schütz von der WSL erhoben ihre Daten im Val Müstair, Yann Hautier von der Universität Zürich am Zugerberg.

Konkurrenz zwischen Pflanzen findet meist unterirdisch um Nährstoffe wie Stickstoff oder Phosphor statt. Wenn aber dank Düngung mehr als genug Nährstoffe vorhanden sind, verlagert sich die Konkurrenz zwischen den Pflanzen von den Wurzeln zum Licht. Schnell- und hochwüchsige Pflanzenarten können dieses besser nutzen. Das Sonnenlicht wird damit zum limitierenden Faktor für das Pflanzenwachstum.

Eisenhut im Val Müstair

Auf der WSL-Forschungsfläche im Val Müstair sei das beispielsweise der Blaue Eisenhut, der kleinere Pflanzen beschattet und zum Absterben bringt, wie Anita Risch von der WSL in der Mitteilung erklärte. «Dadurch nimmt die Artenvielfalt dramatisch ab», sagte sie. Weidetiere können dies verhindern - ähnlich wie das Mähen von Naturwiesen durch den Menschen deren Verbuschung aufhalten kann. Auch durch das Verringern der Nährstoffverfügbarkeit, beispielsweise in Trockenperioden, können die hochwüchsigen Arten eingedämmt werden, schreiben die Forscher. Diese können sich nämlich nicht an die veränderten Umweltbedingungen anpassen. Im Extremfall kümmern oder gehen die hochwüchsigen Pflanzen ein.

Die Daten wurden im Rahmen des so genannten «Nutrient Network» erhoben. Dadurch sind nun global gültige Aussagen über den Einfluss von Nährstoffeinträgen in Wiesen möglich. Diese Nährstoffe fügt der Mensch entweder absichtlich zu, etwa um den Ertrag von Nahrungs- und Futtermitteln zu steigern.

Oder die Düngung geschieht unabsichtlich, indem Nährstoffe aus Landwirtschaft, Industrie und der Verbrennung von fossilen Brennstoffen in die Atmosphäre gelangen. Sie werden weltweit verfrachtet und wieder deponiert.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE