27.10.2020 07:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/mge
Forschung
Variable Landschaften als Schlüssel
Intensive Land- und Forstwirtschaft untergräbt die Biodiversität und beeinträchtigt spezialisierte Wechselwirkungen in Ökosystemen. Das zeigt ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Bern auf.

Die Forschenden untersuchten auf 300 Parzellen in deutschen Wiesen und Wäldern, wie sich die Intensität der Landnutzung auf die Biodiversität, Ökosystemfunktionen und Dienstleistungen auswirkt. Resultat: Land- und Forstwirtschaft mit geringer Intensität bieten sowohl materielle Vorteile und erhalten gleichzeitig die biologische Vielfalt, wie sie im Fachmagazin «PNAS» berichten.

Materieller Nutzen bremst Biodiversität

Demgegenüber erhöhe eine hohe Intensität zwar den materiellen Nutzen, beeinträchtigte aber die Biodiversität und spezialisierte Wechselwirkungen gingen verloren. «Intensivierung führt dazu, die Beziehungen zwischen Biodiversität und funktionierenden Dienstleistungen zu homogenisieren und zu einem System mit weniger starken Synergien und Integration innerhalb der einzelnen Bereiche zu führen», sagte Mitautor Eric Allan von der Uni Bern gemäss einer Mitteilung der Hochschule.

Weniger, dafür bessere Waren

Die Autoren ziehen einen Vergleich zu Megastores und spezialisierten Fachgeschäften: Während in Megastores allerhand Waren mit geringerer Qualität zu finden sind, bieten spezialisierte Fachgeschäfte weniger, dafür qualitativ bessere Dienstleistungen. «Wie in jeder Stadt ist es in Ordnung, ein paar Megastores zu haben, aber wir können auch die kleineren hochwertigen Geschäfte nicht vernachlässigen», sagte Allen. Um Landnutzungskonflikte zu lösen, eine breitere Palette von Dienstleistungen zu erbringen und gleichzeitig die biologische Vielfalt zu erhalten, sieht er einen möglichen Schlüssel in multifunktionalen Landschaftsansätzen.

Ökosysteme nützen dem Menschen in vielerlei Hinsicht. Sie reinigen etwa Luft und Wasser, produzieren Biomasse und bieten Erholungsraum. In verschiedenen Studien haben Schweizer und internationale Forschende nachweisen können, dass Ökosysteme diese Dienstleistungen besser erbringen, wenn ihre Artengemeinschaft vielfältiger ist.

Mulitfunktionaler Ansatz könnte Lösung sein

«Intensivierung führt dazu, die Beziehungen zwischen Biodiversität und funktionierenden Dienstleistungen zu homogenisieren und zu einem System mit weniger starken Synergien und Integration innerhalb der einzelnen Bereiche zu führen», betont Allan. «Diverse Systeme mit geringer Intensität können verschiedene Arten von Dienstleistungen erbringen. Daher könnte ein multifunktionaler Landschaftsansatz der Schlüssel sein, um konfliktträchtige Landnutzungen zu lösen und eine breitere Palette von Dienstleistungen zu erbringen – und gleichzeitig die biologische Vielfalt zu erhalten.»

Grad der Bewirtschaftungsintensität ermittelt


«Wir haben auch den Grad der Bewirtschaftungsintensität ermittelt, der das normale Funktionieren der Landschaft stört – also ab wann das Ökosystem stärker vom menschlichen Input als von seiner eigenen Regulierung abhängig wird», sagt Maria Felipe-Lucia vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Deutsches Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv).

Analysen als Frühwarnsignal

Die neuen Analysen können dazu beitragen, den Verlust von Beziehungen zwischen der biologischen Vielfalt und den Ökosystemleistungen zu erkennen, was als Frühwarnsignal für Veränderungen im Ökosystem verstanden werden könnte. «Unser Ansatz bietet einen umfassenden Überblick über die Funktionsweise von Ökosystemen und kann die wichtigsten Ökosystemattribute identifizieren, die überwacht werden müssen, um kritische Verschiebungen in Ökosystemen zu verhindern», sagt Allan. Dieser Ansatz könne gemäss den Forschenden auch angewandt werden, um die Auswirkungen anderer Triebkräfte des globalen Wandels zu analysieren.

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