2.02.2016 09:02
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Getreide
Potenzial für alte Weizenarten
Alte Weizenarten wie Einkorn, Emmer und Dinkel könnten aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe in Zukunft wieder stärker gefragt sein. Ein hohes Marktpotential für die alten Klassiker sieht zumindest der Getreideexperte der Universität Hohenheim, Friedrich Longin.

Nach seiner Ansicht geht der Trend unter den Konsumenten zurück zum Ursprünglichen und Gesunden und genau dies sei bei den alten Arten der Fall. Zusammen mit seinen Hohenheimer Kollegen Reinhold Carle und Jochen Ziegler hat Longin Vorteile, Probleme und Möglichkeiten von alten Weizenarten untersucht und die Ergebnisse nun in wissenschaftlichen Artikeln publiziert.

Hohe Resistenz gegen Pilze und Krankheiten

Demnach enthält heutzutage gängiger Brotweizen durchaus Inhalthaltstoffe, die für den Menschen wichtig sind. Das Einkorn verfügt laut Carle jedoch über eine bis zu zehnmal höhere Konzentration an cholesterinsenkenden Sterylferulaten, Vitamin E und dem Augenschutzstoff Lutein. Das orangegelbe Xanthophyll wird Ziegler zufolge für den gelben Fleck, also den Bereich des scharfen Sehens im Auge, benötigt. Regelmässig konsumiert, könne das nicht selbst vom Körper produzierte Lutein helfen die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) zu verhindern.

Ein weiterer Pluspunkt der alten Weizenarten ist den Experten zufolge die hohe Resistenz gegen Pilze und Krankheiten. „Man muss sie kaum spritzen, und sie wachsen quasi von selbst“, so Longin. Das belaste die Umwelt weniger und fördere die Biodiversität. Das Problem der Pflanzen sei allerdings der niedrige Ertrag, räumt der Wissenschaftler ein. Emmer erreiche lediglich 50 Prozent des Ertrages von Brotweizen, Einkorn sogar nur 25 Prozent, was sie für die Konsumenten teurer mache.

Teurere Verarbeitung

Um die Körner von ihrer Hülle zu befreien entsteht in der Müllerei ein erheblicher Mehraufwand – auch das macht die alten Arten teurer.“ Umgekehrt stellt diese feste Umhüllung einen natürlichen Schutz gegen Schaderreger und Schadstoffe dar. Dennoch könnte es nach Auffassung von Longin wegen der positiven Eigenschaften für alte Weizenarten regional einen Markt geben. Dafür müssten Landwirte, Müller und Bäcker jedoch zusammenarbeiten.

Der Bauer sollte dabei vor dem Anbau klären, wer ihm seine Ernte abnehme. Diese Sicherheit könne ihm der Müller aber nur geben, wenn Bäcker bereit seien, etwas Neues und Gesundes anzubieten. Genau dies liege jedoch bei den Konsumenten im Trend.

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