22.11.2013 09:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wasser
Die Schweiz braucht ein Umdenken beim Wassermanagemen
Die Schweiz wird zwar auch in Zukunft insgesamt genügend Wasser haben, doch Trends wie Klimawandel und Konsum fordern ein Umdenken. Die Lage der Nation beim Wasser beleuchten Berner Forscher in einem neuen «Fact Sheet» der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT).

Die grössten Herausforderungen orten die Autoren Pascal Blanc  und Bruno Schädler von der Universität Bern bei der Wasserkraft und  saisonalen Wasserknappheiten. Durch den Atomausstieg steige das  Interesse an der Wasserkraft, die aber auch Kehrseiten habe:  Flussökosysteme verarmen, weil unterhalb von Dämmen zu wenig  Restwasser abfliesst. Diese sind zudem eine Barriere für Fische.

Das Potenzial zum Bau oder Ausbau grosser Kraftwerke sei heute  fast ausgeschöpft, erklärte Schädler, Wasserforscher am Oeschger  Centre for Climate Change Research, auf Anfrage. Schon rund 30  Prozent der potenziellen Energie, die im gesamten Wasservorrat der  Schweiz steckt, werden genutzt.

Wenig hält Schädler davon, viele neue kleine Kraftwerke zu  bauen. Man sei heute der Ansicht, dass «viele Kleinkraftwerke in  der Summe für die Natur schädlicher sind als ein grosses, das  genügend Restwasser und Fischdurchlässigkeit garantiert». Besser  sei es, bei der Erneuerung respektive beim Ausbau der bestehenden  Kraftwerke diese Umweltaspekte zu verbessern, schreiben die  Autoren.

Streit um Wasser

Der Schweiz droht insgesamt zwar kein Wassermangel, doch die  Abflüsse werden sich saisonal verlagern. Wegen der Klimaerwärmung  wird es weniger Eis und Schnee geben, die rund 42 Prozent des  abfliessenden Wassers liefern. Zudem wird es im Winter mehr und im  Sommer weniger regnen.

Damit nehmen regionale, zeitlich begrenzte Knappheiten im Sommer  zu. «Für diese Fälle müssen die Betroffenen besser gewappnet sein»,  sagte Schädler. Dazu brauche es eine Verknüpfung der oft sehr  kleinräumig geregelten Wasserversorgung. Diese sei technisch oft  einfach zu machen, aber mancherorts fehle der politische Wille.

Betroffen ist auch die Landwirtschaft, deren Bedarf zur  Bewässerung steigt. Diese könnte effizienter gestaltet werden, etwa  durch Tropfbewässerung, schreiben die Autoren. Heute verbraucht die  Landwirtschaft laut Bundesamt für Landwirtschaft 15 Prozent des  gesamten schweizerischen Wasserverbrauchs. «Es gibt keine  Kostenwahrheit und damit Anreize zum Wassersparen», urteilt  Schädler.

Es könnte künftig also Streit um Wasser geben. Die rechtlichen  Regelungen, wer künftig wann wie viel Wasser entnehmen darf,  müssten überprüft werden, schreiben Blanc und Schädler.

Probleme ins Ausland exportiert

Bei der Wasserqualität geben Rückstände von Medikamenten wie der  «Pille», Kosmetika oder Pflanzenschutzmitteln Anlass zur Sorge. Sie  werden in Kläranlagen nicht abgebaut und geraten ins Trinkwasser.  Das Nachrüsten der Anlagen mit speziellen Filtern sei sehr teuer,  erklärte Schädler. Es wäre deshalb gescheiter, bestimmte Substanzen  zu vermeiden.

Einen Teil ihrer Wassersorgen hat die Schweiz exportiert: Der  Wasserverbrauch im Inland sank von 500 im Jahr 1999 auf nur 300  Liter pro Person. Dies geschah dadurch, dass wasserintensive  Industriezweige ins Ausland verlegt wurden, schreiben die Autoren.  So steige der Verbrauch an sogenanntem «virtuellem Wasser», das für  die Herstellung der importierten Güter nötig war. 

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