1.10.2018 12:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zuckerrüben
Zuckerbranche hilft Rübenbauern
2018 ist ein schwieriges Rübenjahr. Die Zuckerrüben leiden stark unter der Trockenheit und Krankheiten. Die Erträge sind entsprechend tief. Die Zuckerbranche unterstützt die Zuckerrübenpflanzer mit Sofortmassnahmen. Begrüsst werden auch die Vorschläge des Bundes.

Die Zuckerrüben auf Schweizer Feldern hatten in diesem Sommer mit der Witterung  zu kämpfen. Die Hitze und Trockenheit setzte den Pflanzen zu. 

3 Sofortmassnahmen

Krankheiten wie Cercospora und das sich aus der Westschweiz ausbreitende «Syndrome de la basse richesse» schlugen sich negativ auf die Erträge und die Zuckergehalte nieder. Bereits zum vierten Mal seit 2013 vermag die Gesamternte in der Schweiz den Zuckerbedarf nicht abzudecken. Nach der 2. Proberodung wurde entschieden, den Kampagnenstart zu verschieben und in Aarberg auf den 3. Oktober festzulegen. In Frauenfeld werden ab dem 30. September Bio-Rüben verarbeitet, die konventionelle Kampagne startet am 11. Oktober.

Die Interprofession Zucker will in dieser schwierigen Situation den Rübenbauern helfen. Die hat mehrere Sofortmassnahmen beschlossen, wie sie am Montag mitteilt:

  • Die erste Akontozahlung für gelieferte Rüben erfolgt monatlich, nicht erst im Dezember.
  • Keinen Abzug für Lieferungen mit einem Zuckergehalt unter 16%.
  • Die Treueprämie wird ausbezahlt, auch wenn die dazu nötige Liefermenge nicht erreicht wird. Bedingung dafür ist ein abgeschlossener Anbauvertrag 2019 mit mindestens dergleichen Zuckerquote. 

Appell an die Bauern

In den vergangenen Jahren ist die Anbaubereitschaft aufgrund tieferer Preise und schlechten Ernteerträgen gesunken. Die Fehlmengen hat Schweizer Zucker mit Importen aufgefangen. «Es ist wichtig die Rüben-Anbaufläche in der Schweiz zu erhalten, da die Schweizer Zucker AG den Markt mit der kleinen Rübenernte 2018 ein weiteres Mal nicht abdecken kann», mahnt das Unternehmen. Und Schweizer Zucker appelliert an die Bauern: «Wir rufen die Pflanzer auf, die Anbauverträge 2019 zu unterzeichnen und heissen neue Pflanzer willkommen.»

Bereits im Sommer hat die Interprofession den Richtpreis für 2019 festgelegt. Dieser wurde im Vergleich zu 2018 um einen Franken auf 44 Fr./t erhöht. Auch die Treueprämie steigt und wird auf 1.50 Fr./t veranschlagt. «Mit der Auflösung von Rückstellungen setzt die Interprofession ein wichtiges Zeichen für den Rübenanbau und den Erhalt der Anbauflächen in der Schweiz», schrieb die Organisation im Juli 2018. 

Mindestens 19'000 Hektaren

Die Anbaufläche soll bei mindestens 19'000 Hektaren gehalten werden. Diese lagen 2017 und 2018 mit 19'170 ha respektive 19'140 ha knapp über diesem Wert. Trotz des grossen Importdrucks ist Schweizer Zucker nach wie vor gesucht. Als Gründe nennt die Interprofession die gute Nachfrage nach einheimischen Zucker, frühzeitig abgeschlossene Verkaufsverträge und die Bereitschaft der Kunden, auf einheimische Ware zu setzen.

Mit Effizienzsteigerungen und Reserveauflösungen soll der Rübenpreis kostendeckend gemacht werden. «Das gemeinsame Ziel aller Akteure muss sein, die Rübenfläche zu stabilisieren und wieder zu steigern, um einen genügend hohen Selbstversorgungsgrad mit inländischem Zucker zu sichern», halten Schweizer Zucker und die Interprofession Zucker fest.

Erfreut über Bundeshilfe

Erfreut zeigt sich die Interprofession auch über die Massnahmen des Bundes. Der Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben soll um 300 auf 2100 Franken pro Hektar erhöht und ein Mindestzoll von 70 Fr. /Tonne Zucker eingeführt werden. Die Massnahmen sollen bereits im Januar 2018 in Kraft treten. Sie sind bis 2021 befristet.

«Die Schweizer Zucker AG und die Schweizer Rübenpflanzer unterstützen den Vorschlag, auch wenn damit nicht alle Forderungen erfüllt werden», halten sie in der Mitteilung fest. So dürften die Mehrausgaben für den Einzelkulturbeitrag nicht bei anderen Massnahmen im Agrarbudget kompensiert werden. Für die Erhöhung des Einzelkulturbeitrages werden rund 6 Millionen Franken benötigt. Die Mehrausgaben in der Finanzposition Beihilfen Pflanzenbau sollen innerhalb der für die Landwirtschaft bestimmten Zahlungsrahmen 2018 bis 2021 kompensiert werden.

Wenig erfreut über die Erhöhung des Zolls dürfte die zweite Verarbeitungsstufe sein. Aus ihrer Sicht stellt der Mindestgrenzschutz einen Wettbewerbsnachteil dar und gefährdet den Absatz von in der Schweiz hergestelltem Zucker.

Die EU hat Ende September 2017 die Zuckerquoten, die Exportbeschränkungen und den Mindestpreis für Zuckerrüben aufgehoben. Für die Schweiz hat dieser Entscheid gravierende Auswirkungen. Durch die bilateralen Abkommen ("Doppelnull-Lösung") ist der Schweizer Zuckerpreis eng mit dem EU-Preis verbunden. Der Entscheid der EU setzt die Schweizer Zuckerwirtschaft unter massivem Preis- und Importdruck. Zucker- und Rübenpreise sind in den vergangenen drei Jahren deutlich zurückgegangen.

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