27.06.2014 17:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Ackerbau
Weizen mit dem Düngerstreuer gesät
Es muss nicht immer das volle Programm sein: Im Seeland säten ein paar Landwirte ihren Weizen mit dem Düngerstreuer in stehende Rüben. Peter Liechti ist zufrieden mit dem Experiment, andernorts ist es nicht geglückt.

Der Weizenbestand in der Nähe von Münchenbuchsee BE ist stellenweise sehr dicht. Lässt man den Blick über das Feld schweifen, stellt man fest, dass die Pflanzen streifenweise etwas unterschiedlich hoch gewachsen sind. Ansonsten sieht alles normal aus. Dabei ist die Vorgeschichte dieses Bestandes nicht ganz so normal: Peter Liechti aus Rapperswil BE hat seinen Weizen am 26. November mit dem Düngerstreuer in die noch stehenden Zuckerrüben gesät.

Auslöser nasser Herbst

Darauf gebracht hat ihn der Lohnunternehmer Ueli Brauen aus Suberg BE. Dessen Kunde Franz Kopp aus Dotzigen BE hatte die Idee bereits im Herbst zuvor. Er suchte nach einer Möglichkeit, den nassen Boden nebst der Rübenernte nicht noch zusätzlich zu belasten. Nach Absprache mit Brauen, der die Rüben rodete, streute Kopp auf seiner Rübenparzelle vor der Ernte den Weizen aus. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten der Pflanzen wurden schliesslich 63 kg/a Extenso-Weizen gedroschen.

Peter Liechti war nun letzten Herbst in einer ähnlichen Situation: «Der eher schwere Boden war nass, die Rüben wurden erst am 27. November gerodet, und ich hätte in den Tagen nach der Ernte Rüben führen sollen.» Da kam der Tipp von Brauen gerade recht.

Verteilung kontrollieren

Gesagt, getan: Liechti säte am Vortag der Rübenernte 600 Körner pro m2 Weizen der Sorte Forel mit seinem Düngerstreuer aus. «Ich habe bereits Gründüngungen so gesät», erklärt er. «Aufgrund der Korngrösse und des Hektolitergewichtes habe ich die Einstellungen für Ammonsalpeter genommen. Dann muss man natürlich abdrehen und im Feld die Verteilung kontrollieren.»

Die Körner hätten zum Teil auf dem Boden, zum Teil auf den Rübenblättern gelegen. Doch dies spiele keine Rolle, da das Rübenlaub bei der Rübenernte mit Erde durchmischt und oberflächlich leicht eingearbeitet werde.

Bestockung gefördert

Im Frühling lief der Weizen auf den 1,8 ha stellenweise dichter (400 Pf./m2) und weniger dicht (weniger als 100 Pf./m2) auf. Liechti und Brauen vermuten, dass dies mit der unterschiedlichen Erdbedeckung durch den Holmer zu tun hat. «Um die Bestockung zu fördern, habe ich den Weizen gewalzt und die erste Verkürzung beim Beginn Bestockung (DC 21) mit CCC gemacht», sagt Liechti.

Zudem hat er mit 69 Einheiten Stickstoff im 3-Blatt-Stadium (DC 13) und 55 Einheiten zur Bestockung (DC 25) eine relativ hohe Startgabe gegeben. Geholfen hat auch die Sorte. «Forel ist ein Kompensationstyp und kann dünne Bestände relativ gut ausgleichen.»

Weniger Dieselverbrauch

All diese Massnahmen hatten zur Folge, dass der Bestand an den dünnen Stellen nun gut aussah und an den dichten Stellen noch dichter wurde. «Ich habe ihn deshalb noch zweimal mit Medax Top verkürzt», so der Landwirt mit einem reinen Ackerbaubetrieb. Die Herbizid- und Fungizidbehandlung hat er standardmässig durchgeführt und total 185 Einheiten N ausgebracht. Heute zählt er im Schnitt 800 Ähren/m2. Wenn der Ertrag stimmt, kann sich Liechti vorstellen, in einer ähnlichen Situation wie vergangenen Herbst den Weizen wieder so zu säen: «Es braucht zwar etwa 10 Prozent mehr Saatgut, dafür deutlich weniger Diesel.»

Lohnunternehmer Brauen weiss noch von anderen Landwirten, die die Weizensaat so gewagt haben. Dort sei es aber nicht ganz so gut herausgekommen. Wieso genau, weiss er nicht. «Ich habe letztes Jahr einen alten pneumatischen Düngerstreuer mit Balken gekauft», sagt er. «Damit könnte man genauer säen.» Sein Ziel ist, diese Anbautechnik weiter zu testen und im Herbst rund 10 Hektaren so auszusäen. 

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