2.06.2014 06:54
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Getreide
Weizen: Massive Ertragsausfälle befürchtet
Der Weizen ist dieses Jahr stark mit Gelbrost befallen. Bereits wurden erste Extenso-Flächen abgemeldet und gespritzt. Der Pilz kann zu grossen Ertragsausfällen führen – auch auf bis anhin robusten Sorten.

In vielen Weizen-, Triticale- und Dinkelfeldern sieht man derzeit runde, gelbe Stellen, verursacht durch Gelbrost. Auch in den Sortenversuchen an den Agroline-Feldtagen, die am Mittwoch beginnen. «Einige unbehandelte Parzellen sind weitgehend gelb», bilanziert Agroline-Berater Hans Hirschi. Auch Peter Jordi von der Pflanzenschutzberatung der Fenaco weiss von Feldern, die immer gelber werden. Er warnt: «Es bleibt kühl und feucht. Die Krankheit wird noch zunehmen.»

Erstmals seit 14 Jahren flächendeckend

Der Gelbrost tritt erstmals seit 14 Jahren wieder flächendeckend auf. Befallene Getreideblätter verdorren. Das hat gravierende Folgen. Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Zürich: «Weizen, der schon die Blätter verliert, wird wohl massiv weniger Ertrag bringen.» Er rechnet mit Einbussen bis zu 50 Prozent oder mehr, wenn es kühl bleibt und auch die Ähre befallen wird. Auch Jordi schätzt, dass in unbehandelten, stark befallenen Parzellen nur die Hälfte einer normalen Ernte gedroschen werden kann.

Erste Bauern haben deshalb ihre Felder aus Programmen wie Extenso und IP-Suisse abgemeldet, damit sie den Pilz bekämpfen können. Niklaus Hofer von IP-Suisse bestätigt: «Bei uns wurden Weizenparzellen wegen Gelbrost abgemeldet. Vermutlich werden weitere dazukommen.» Die Gelbrost-Situation sei tatsächlich prekär. «Ich rechne aber nicht damit, dass wir zu wenig IP-Suisse-Weizen haben werden.» 

Im Bioanbau wurde laut Hansueli Dierauer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau bisher stärkerer Befall bei Bockris, Fiorina und Dinkel  gemeldet. Zu den Sorten aus der Getreidezüchtung Peter Kunz kann er noch nichts sagen.

Getreidezüchtung vorantreiben

Im ÖLN weiss Hochstrasser von Gelbrost bei den anfälligen Bockris und Papageno, aber auch bei Siala, Claro, Runal, Simano und Forel – und ebenfalls bei Fiorina. «Das ist bedenklich», findet er, «die Sorte sollte robust gegen Gelbrost sein. Wir müssen davon ausgehen, dass sich eine neue Rasse des Gelbrostpilzes gebildet hat, die Sortenresistenzen umgehen kann.»

Um das abzuklären, sammelt Fabio Mascher von Agroscope derzeit Pflanzenproben. «Resultate werden in den nächsten Wochen vorliegen», sagt er. Mit solchen Gelbrost-Epidemien müsse man etwa alle zehn Jahre rechnen. «Wir finden zwar einige resistente Sorten und Zuchtstämme in unseren Tests. Trotzdem muss die Getreidezüchtung vorangetrieben werden, damit den Bauern resistente Sorten zur Verfügung stehen.»

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