8.06.2017 16:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Raps
Vor Flächenausbau Fragen klären
In der vergangenen Woche forderten mehrere Organisationen, so auch der Schweizer Bauernverband, Schweizer Rapsöl statt Palmöl dem Mischfutter beizumischen. Die Getreideproduzenten sind bereit, über eine Flächenausdehnung zu diskutieren. Zuvor müssten aber einige Fragen geklärt werden.

Das Palmöl ist umstritten. In Ländern wie Malaysia gibt es riesige Ölpalmen-Plantagen. Dafür werden auch Regenwälder brandgerodet und damit Flora und Fauna zerstört. Der Import dieses Öls sei bedenklich, argumentieren die Bauernorganisationen zusammen mit Entwicklungs- und Konsumentenorganisationen. Sie verlangen deshalb, dass Palmöl von einem Freihandelsabkommen mit Malaysia ausgenommen wird. Dieses dagegen wird ohne Zugeständnisse nicht unterschreiben.

Bauernverband will Schweizer Rapsöl

Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz rund 30'000 Tonnen Palmöl verarbeitet. Der grösste Teil davon landete in der Lebensmittelindustrie, rund 5'000 Tonnen wurden Futtermitteln beigemischt. Die «Rundschau» des Schweizer Fernsehen deckte diesen Sachverhalt vergangene Woche auf. Der Schweizer Bauernverband forderte in der Folge, dass das Palmöl durch einheimisches Rapsöl ersetzt werden soll. Auch die Fenaco, grösste Futtermittelherstellerin der Schweiz, sowie die Vereinigung der Mischfutterfabrikanten stehen hinter dieser Forderung. Sie weisen aber darauf hin, dass sich dadurch das Mischfutter insgesamt um 1.2 bis 1.5 Millionen Franken verteuert.

Die Schweizer Getreideproduzentenverband (SGPV) schreibt in einem Communiqué von Dienstag, dass auf Wunsch der gesamten Branche ein Ausbau der Schweizer Rapsproduktion zu Futterzwecken denkbar sei. Zuvor seien aber einige Fragen zu klären, schreibt der Verband weiter. Eine davon ist der Produzentenpreis der Rapsbauern.

Nicht auf Kosten der Rapsproduzenten

Derzeit wird Schweizer Rapsöl fast ausschliesslich für Speisezwecke verwendet. Der Handelspreis liegt momentan bei rund 250 Franken je 100 Kilo. «Ein Preis in dieser Grössenordnung ist auch bei einer Produktion von Rapsöl zu Futterzwecken nötig, um die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaus für die Produzenten aufrechterhalten zu können», macht der SGPV deutlich. «Die Umsetzung darf aber nicht zu irgendeinem Preis und auf Kosten der Rapsproduzenten stattfinden», heisst es weiter.

Um die 5'000 Tonnen Palmöl durch einheimisches Rapsöl ersetzen zu können, müsste die Anbaufläche um 3'500 ha und somit um 15 Prozent gegenüber der Ernte 2018 vergrössert werden. Der Raps ist als Kreuzblütler eine wichtige Abwechslung in der Fruchtfolge und bietet Nahrung für die Bienen. Weil die Verarbeiter immer mehr Schweizer Rapsöl einsetzten, wurde in den vergangenen Jahren die Anbauflächen deutlich ausgebaut.

Produktion deutlich erhöht

Ein wichtiger Abnehmer von Schweizer Rapsöl ist McDonald’s. In der Schweiz wurden vergangenes Jahr rund 72'000 Tonnen Raps geerntet. Davon waren ungefähr 20'000 Tonnen Holl-Raps. McDonald’s nimmt also rund ein Viertel der Ernte ab. Da auch Zweifel für seine Chips künftig Schweizer Holl-Rapsöl statt Sonnenblumenöl einsetzen wird, wird die Fläche an Raps im kommenden Jahr ausgedehnt.  

Nachdem der Holl-Rapsanbau in den letzten beiden Jahren nach Überschüssen aus der Ernte 2014 zurückgefahren werden musste, kann die Anbaumenge per Ernte 2018 auf 28'000 Tonnen ausgedehnt werden. Zweifel generiert einen Mehrabsatz von 8'000 Tonnen Holl-Rapssaat. Holl steht für High Oleic Low Linolenic. Rapsöl gilt unter anderem aufgrund seines hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren als besonders bekömmlich.

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