30.10.2018 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Unkraut
Unkraut bedroht die Kulturen
Der Bauernverband und die vom Erdmandelgras betroffenen Branchen fordern eine Meldepflicht. Doch der Bund wartet ab.

Die Rübenernte ist im Gang. Damit rückt das Erdmandelgras wieder in den Fokus. Die Gefahr besteht, dass das Unkraut, das kaum zu bekämpfen ist, mit dem Erdanhang an den Erntemaschinen verschleppt wird. 

BLW fehlt nötige Grundlage

«Der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Branchen – insbesondere die Rüben-, Kartoffel- und Gemüsebranche – sind sich einig, dass es eine schweizweite Melde- und Bekämpfungspflicht braucht», betont David Brugger vom SBV. «Der SBV und sechs Organisationen haben das dem Bund und den Kantonen mitgeteilt. Doch im Moment müssen wir damit leben, dass das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zögert.»

Laut Alfred Klay vom BLW fehlt für die Einführung einer bundesweiten amtlichen Melde- und Bekämpfungspflicht die nötige Grundlage im Landwirtschaftsrecht. «Der Bund hat aber anerkannt, dass es Schadorganismen – auch Unkräuter – gibt, deren Bekämpfung dennoch eine überregionale und branchenübergreifende Koordination der Massnahmen erforderlich macht. Deswegen ist im Rahmen der AP 22+ und der Revision des Landwirtschaftsgesetzes der Einbau neuer Bestimmungen zur Schliessung dieser Lücke vorgesehen.»

Wildwuchs bei Kantonen


Wegen der fehlenden nationalen Meldepflicht sind die Kantone selber aktiv geworden – das hat zu Wildwuchs bei den Vorschriften geführt. So hat der Kanton Luzern das Erdmandelgras kürzlich als «gemeingefährlich» erklärt und die Meldepflicht auf Kantonsebene eingeführt. Der Kanton Bern kennt hingegen keine Meldepflicht. «Im Moment wird auch keine eingeführt», gibt Michel Gygax, Leiter der Fachstelle Pflanzenschutz, Auskunft. «Wir verfolgen die Entwicklung beim Bund und setzen vorerst auf die Sensibilisierung der Bauern.» 

Im Kanton St.Gallen muss das Unkraut ebenfalls nicht gemeldet werden. «Aufgrund der fehlenden rechtlichen Grundlage verzichtet das Landwirtschaftsamt im Moment darauf», sagt Martina  Aeschbacher von der Fachstelle Pflanzenschutz. Auch den Rübenpflanzern fehlt die gesetzliche Grundlage für die Durchsetzung der Meldepflicht, die in der Branchenvereinbarung festgeschrieben ist. 

Flächen erfassen


Der SBV setzt sich trotz dem BLW-Nein weiter für ein schweizweites Meldeverfahren ein. «Die gesetzliche Verankerung, ist noch offen», sagt Brugger: «Es muss aber möglichst unbürokratisch und zügig umgesetzt werden. Schon 2019 sollen befallene Flächen einheitlich erfasst werden.» Josef Meyer, Präsident der Rübenpflanzer, stellt indes klar: «Wir sind eindeutig für eine obligatorische Meldepflicht, die auf Bundesebene festgeschrieben werden muss. Wenn wir die Ausbreitung des Grases nicht stoppen können, bedroht es unsere Kulturen.»

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