2.05.2018 10:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: Bio-vegan als Chance?
Die bio-vegane Landwirtschaft spaltet die Gemüter. Einige schreiben der Produktionsart Potenzial zu, andere begegnen dieser sehr skeptisch. Was halten Sie von der bio-veganen Landwirtschaft? Mitdiskutieren und abstimmen

Bauern wie Jann Krättli und Nadia Ruchti aus Rechthalten FR gibt es in der Schweiz nicht viele. Sie bewirtschaften ihren Hof nach bio-veganen Kriterien. Sie setzen keinen Mist und keine Gülle ein, sie halten auf ihrem Betrieb keine Tiere. Die bio-vegane Landwirtschaft setzt auf eine pflanzliche Landwirtschaft und verbindet die Prinzipien der biologischen Landwirtschaft mit den Idealen des Veganismus.

Zertifikation seit 2017 möglich

Die Anzahl Bauern, die in der Schweiz nach diesen Kriterien Landwirtschaft betreiben, ist unbekannt. Sigrid Alexander, Kursleiterin am Forschungsinstitut für biologischen Anbau (FiBL), sagte kürzlich gegenüber «Schweizer Bauer»: «Die Zahl ist grösser, als man denkt. Einige produzieren bio-vegan, lassen sich aber nicht zertifizieren. Erst bei der Vermarktung über den Zwischenhandel scheint dies nötig zu werden.»

Die Richtlinien des Biocyclic-vegan Network wurden 2017 durch den weltweit tätigen Biodachverband Ifoam anerkannt. In der Schweiz bietet Bio Inspecta die Zertifizierung an. In Europa gehören rund 100 Biobetriebe dem Biocyclic-vegan Network an. 

Keine Tierhaltung

Wie in der biologischen Landwirtschaft werden enge Stoffkreisläufe angestrebt und auf synthetische Düngemittel, Pestizide und gentechnisch veränderte Organismen wird verzichtet. Im bio-veganen Landbau werden zusätzlich keine Tiere gehalten und auch keine Produkte aus Tierhaltung oder -schlachtung verwendet, sprich Mist oder Gülle. Dezentrale Strukturen, eine möglichst regionale Produktion und Vermarktung, Ressourcenschonung und Förderung der Artenvielfalt sind weitere Maximen

Als Alternativen zu tierischen Düngemitteln werden im bio-veganen Landbau zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit vor allem die Gründüngung, Mulch, rein pflanzlicher Kompost oder auch mit rein pflanzlichen Materialien gewonnene Schwarzerde verwendet.

Regionale Vermarktung

Bei der bio-veganen Landwirtschaft wird eine regionale Vermarktung angestrebt. Das machen auch Krättli und Ruchti so. Die ganze Ernte wird auf Märkten verkauft, teils frisch, teils verarbeitet zu Konfitüren, Sirup, Pesto, Sauerkraut oder Trockenprodukten. Hauptabsatz ist der Wochenmarkt von Freiburg. Am Marktstand ausgelobt wird die bio-vegane Produktionsweise nicht. «Mir ist das ‹Bio› ebenso wichtig. Ich möchte, dass die Leute primär Freude haben an den Produkten», sagt Jann Krättli zu «Schweizer Bauer».

Sigrid Alexander vom FiBL sieht in dieser Produktionsart Chancen. «Bei bereits viehlos arbeitenden Bauern ist noch viel Potenzial vorhanden», hält sie gegenüber «Schweizer Bauer» fest. 

Skepsis


Skeptisch hingegen ist Tierärztin und Buchautorin Anita Idel. Für den Erhalt von fruchtbaren Böden brauche es Weidetiere, sagt sie. Der Veganimus habe ein Düngerproblem im Ackerbau, wenn er vollständig auf Nutztiere verzichten wolle. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie alternative Düngungsmittel wie Kompost ausserhalb einzelner Betriebe in grösseren Massstäben funktionieren sollten», so Idel. 

Auch Raphael Neuburger, Präsident der Veganen Gesellschaft Schweiz, steht auf die Bremse. Im Februar sagte er gegenüber dem Onlineportal Watson: «Als vegan lebende Person hat es jetzt nicht oberste Priorität, dass der Salat nicht mit tierischem Dünger angebaut worden ist». Man müsse die Möglichkeit für Konsumenten schaffen, Lebensmittel zu kaufen die produziert wurden, ohne dass Tiere in die Produktion zwangseingebunden wurden. Der Umstieg der Bauern müsse Schritt um Schritt erfolgen. 

Tiefere Produktivität

Paul Mäder vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL findet das Prinzip der bioveganen Landwirtschaft als Nische vorstellen. «Den Aufbau einer kleinen veganen Produktlinie kann ich mir gut vorstellen», sagt er gegenüber Watson. Die Produktivität sei aber tiefer als bei anderen Anbaumethoden, mahnt er an.

Was halten Sie von der bio-veganen Landwirtschaft? Hat diese Potenzial, oder bleibt es eine kleine Nische? Mitdiskutieren und abstimmen

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