25.08.2013 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Zuckerrüben
«Schon seit Frühling ein mulmiges Gefühl»
Samuel Keiser, Präsident des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer, warnt vor einem Abbau der Direktzahlungen. Die Produzenten hätten gerade bei tiefen Erträgen wie 2013 nicht mehr viel Spielraum.

«Schweizer Bauer»: Am vergangenen Dienstag fand die zweite Ertragserhebung bei den Zuckerrüben statt. Wie ist die Stimmung bei den Rübenpflanzern wegen der schlechten Ernteaussichten?
Samuel Keiser: Alle Rübenpflanzer sind sich bewusst, dass weniger Ertrag weniger Geld gibt, und dies bei gleich hohen Kosten. Deshalb haben viele schon seit Frühling ein mulmiges Gefühl.

Das Wetter spielte beim Säen vielen einen Streich?
In vielen Gebieten konnte man schon schlecht und erst spät säen. Danach war es erst lange kalt und nass und dann sehr trocken. Die Rüben bildeten keine tiefen Wurzeln aus und litten deshalb im Sommer an Wassermangel. Es gibt wenig Ertrag und grosse Ertragsunterschiede. Das drückt aufs Gemüt.

Denken Sie, dass die Rüben bis zur Ernte noch einen Teil des Rückstandes wettmachen können?
Wir rechnen seit Juni mit einer unterdurchschnittlichen Ernte, konkret mit 210'000 bis 215'000 Tonnen Zucker. Wenn es bis Ende September schöne Tage und kühle Nächte gibt, kann der Zuckergehalt noch steigen. Mengenmässig gibt es keine Chance mehr für eine gute Ernte.

Dabei wäre die Nachfrage nach Schweizer Zucker gut...
Tatsächlich, Schweizer Zucker ist gesucht, und die Zuckerrübenfabriken konnten gute Verträge aushandeln – schade, dass es 2013 wenig Zucker gibt.

Nächstes Jahr tritt die Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) in Kraft. Was bringt sie den Zuckerrübenproduzenten?
Nicht viel Freude! Im Ackerbau und im Besonderen bei den Rüben werden die Direktzahlungen gekürzt. Die produzierende Landwirtschaft wird mit der AP 2017 geschwächt, die Ökologie wird gefördert.

Obschon die Ausgestaltung der AP 2017 noch nicht definitiv beschlossen ist, war das Interesse an zusätzlichen Zuckerquoten aber gross. Kann man das so interpretieren, dass der Rübenanbau auch unter der AP 2017 wirtschaftlich interessant ist?
Rüben sind bezüglich Deckungsbeitrag eine der interesanteren Kulturen im Ackerbau, verglichen mit Getreide. Rüben erfordern aber auch viel Arbeitsaufwand, und damit sie interessant sind, braucht es eine gute Ernte. Die Rübenproduzenten sind zudem gut ausgebildet und arbeiten professionell.

Dieses Jahr gibt es für eine Hektare Rüben 1900 Franken. Gemäss Vorschlag des Bundesamts für Landwirtschaft gibt es 2014 noch  1700 und ab 2015 noch 1500 Franken pro Hektare. Bleibt der Rübenanbau interessant?
Jein. Mit einem Beitrag von 1500 Franken pro Hektare verliert die Kultur an Attraktivität. Man muss sehen, dass wir die veränderten Rahmenbedingungen und vor allem die offenen Grenzen im Zuckerbereich nur überlebt haben, weil wir die Rentabilität auf allen Stufen verbessern konnten. Wir haben gute Strukturen geschaffen, die Zusammenarbeit optimiert die, Auslastung der Maschinen gesteigert. So konnten wir die Kosten senken. Neue Sorten brachten bessere Erträge und Gehalte. Das hat uns gerettet.

Aber irgendwann kann man nicht mehr optimieren?
Das stimmt, deshalb darf die Unterstützung nicht weiter abgebaut werden.

Wird die Zuckerproduktion  auch wirtschaftlich interessant bleiben, wenn die EU im Jahr 2017 die Zuckerquoten abschafft?
Die Schweiz und die EU haben den gleichen Zuckerpreis. Fällt in der EU die Quote, werden in ertragsstarken EU-Regionen vermutlich mehr Rüben angebaut, was den Preis unter Druck setzen kann. Allerdings spielt dabei auch der Weltmarkt eine Rolle, und dieser wird von Ländern wie Brasilien oder Indien dominiert. Deren Zuckerproduktion kann stark schwanken: Ist der Ölpreis hoch, so stellen die Brasilianer Ethanol her, ist der Ölpreis tief, bringen sie mehr Zucker in Verkehr.

Soll die Schweiz die Quote auch beerdigen, wenn sie in der EU fällt?
Nein, auf keinen Fall. Wir haben ein gutes System. Die Zuckerfabrik ist aktiv, versucht Schweizer Zucker zu verkaufen. Die Swissness-Vorlage hilft ihr dabei. Es braucht aber eine hohe Lieferbereitschaft, um gute Verträge aushandeln zu können. Diese Lieferbereitschaft ist nur möglich, wenn wir unser bisheriges System beibehalten – und die Rübenproduzenten weiterhin auf Unterstützung des Bundes zählen dürfen.

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