17.09.2020 17:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zuckerrüben
Rübenpflanzer sind alarmiert
Die Viröse Vergilbung treibt den Rübenpflanzern die Schweissperlen auf die Stirn. Das Virus hat die Zuckerrüben stark befallen. Nun drohen massive Ernteausfälle. Die Bauern fordern Massnahmen, um den Rückgang der Anbauflächen abzuwenden.

Die Rübenpflanzer waren in den vergangenen Jahren mit mehreren Problemen konfrontiert. Sinkende Preise haben den Anbau für viele Bauern unattraktiv gemacht. 

Flöhe und Blattläuse

Mit der (temporären) Erhöhung des Einzelkulturbeitrags auf 2100 Franken pro Hektar und der Erhöhung des Mindestzollsatzs auf sieben Franken pro 100 Kilogramm wurde hier Gegensteuer gegeben. 

Doch nun erschweren Krankheiten den Zuckerrübenanbau. Seit dem 1.Januar 2019 ist das Beizen des Saatgutes mit neonicotinoidhaltigen Mitteln in der Schweiz und in der EU verboten. Seither sind die Pflanzen nicht mehr systemisch, das heisst während mehreren Wochen, vor Schädlingen geschützt.

Besonders nach milden Wintern wird das zum Problem, schreibt der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ). Nachdem die Zuckerrübenjungpflanzen im Frühling durch Rübenerdflöhe geschwächt wurden, gab es anschliessend einen hohen Blattlausdruck. 

Virus verbreitet sich ungehindert

«Dabei verursachen nicht die Schädlinge den Hauptschaden, sondern der von Blattläusen übertragener BYV Virus», heisst es in der Mitteilung des SVZ. Das Virus lässt die Pflanzen vergilben, was zu Ertragsverlusten von 30 bis 50 Prozent führt. Betroffen sind Teile der Deutschschweiz sowie die gesamte Romandie sind grossflächig betroffen. «Die Landwirte stehen vor der Aufgabe der Zuckerrübenproduktion», warnt der Verband.

Zur Bekämpfung er Blattläuse steht lediglich noch ein einziger Wirkstoff (Pirimicarb) für Flächenbehandlungen zur Verfügung. In diesem Jahr geriet die Blattlauspopulation ausser Kontrolle. «Flächenspritzungen führen zu höheren Einsatzmengen und der Einsatz eines einzigen Wirkstoffes zu Resistenzen», mahnt der SVZ. In den kommenden Jahren müsse mit einer weiteren, starken Verbreitung der virösen Vergilbung gerechnet werden.

Einfuhrstopp oder temporäre Zulassung

Um das zu verhindern, fordert der SVZ Massnahmen. Sie fordern gleich lange Spiesse wie die Berufskollegen in der EU. Zahlreiche Mitgliedsstaaten hätten Sonderbewilligungen für die neonicotinoidhaltige Beizung erlassen. Und einige Länder würden den Einsatz mehrerer Wirkstoffe für die Behandlung der Kulturen erlauben, heisst es weiter. 

Schweizer Rübenpflanzen sind aus der Sicht des Verbandes in ihrer Wettbewerbsfähigkeit benachteiligt. Damit die Anbauflächen nicht weiter sinken, fordern sie einen Einfuhrstopp für Zucker aus Ländern mit einer Zulassung für in der Schweiz nicht zugelassenen Pflanzenschutzmitteln. Alternativ sei auch eine auf drei Jahre befristete Zulassung von neonicotinoidhaltiger Saatgutbeizung in der Schweiz eine Option, heisst es in der Mitteilung. 

Aufgabe des Rübenanbaus droht

Diese Massnahme sieht der Verband nur als Übergangslösung bis biologische Bekämpfungsmassnahmen, resistente Sorten und alternative Wirkstoffe gefunden worden sind. Dazu sollen die Mittel für die Forschung aufgestockt und die Aktivitäten weiter intensiviert werden.

Diese Massnahmen sind aus der Sicht des Verbandes unabdingbar, um den Rübenanbau und damit verbunden die Zuckerproduktion in der Schweiz zu erhalten. Sonst drohe die «totale Abhängigkeit vom Ausland von nachweislich weniger nachhaltig produziertem Zucker.»

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