30.09.2020 13:19
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Freiburg
Rübenbauern zeigen Politikern Folgen
Im Kanton Freiburg macht den Zuckerrübenproduzenten der starke Krankheitsdruck grosse Sorgen. Bei einer Feldbegehung haben sie Politikern einen Überblick verschafft.

Seit 2019 ist in der Schweiz das Neonicotinoid-Verbot in Kraft. Das bedeutete das Aus für «Gaucho», ein Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Imidacloprid. Mit diesem wurde Zuckerrüben-Saatgut gebeizt und damit unter anderem gegen die Viröse Vergilbung geschützt. 

Auswirkungen gezeigt

Vor allem Pflanzen westlich von Bern sind von der Krankheit betroffen. Die Rübenblätter sind wegen des Virus meist gelb statt grün. Die betroffenen Rüben sind deutlich kleiner als die gesunden. 

Mit einer Feldbesichtigung in Estavayer-le-Lac FR haben die Freiburger Zuckerrübenproduzenten Freiburger Politikern die Auswirkungen der Krankheit demonstriert. «Wir wollen nicht jammern», erklärte Martin Blaser, Präsident der Freiburger Zuckerrübenproduzenten. Man wolle jedoch aufzeigen, wie politische Entscheide die Arbeit der Produzenten beeinflussen würden.

Bauern alarmiert

Und die Bauern sind alarmiert. Die Vergilbungsviren haben den Zuckerrüben – insbesondere nach dem vergangenen milden Winter – stark zugesetzt. Der ganze Kanton sei betroffen. «Anstatt saftig grün sind die Pflanzen gelb und die Rüben sind schlecht entwickelt», halten die Freiburger Zuckerrübenproduzenten fest.

Die ersten Ergebnisse haben die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Die Erträge und Gehalte fallen tief aus. Für die Bauern heisst das wirtschaftliche Einbussen. Die Landwirte befürchten einen weiteren Rückgang der Anbaufläche. Dies bringe in der Folge die Zuckerfabriken in Gefahr, warnen die Landwirte.

An der Feldbegehung teilgenommen haben: Nationalrat Gerhard Andrey (Grüne/FR), Nationalrat Jacques Bourgeois (FDP/FR), Ständerätin Johanna Gapany (FDP/FR), Nationalrat Pierre-André Page (SVP/FR), Nationalrätin Valérie Piller Carrard (SP/FR), Grossrat Pierre-André Grandgirard und Pascal Toffel, Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts Grangeneuve.

Um die Situation zu verbessern, fordern die Freiburgischen Zuckerrübenpflanzer eine befristete Zulassung für die Saatgutbeize Gaucho, bis neue Rübensorten zur Verfügung stehen. In den letzten Jahren ist die Rübenfläche von 21'000 auf rund 18'000 Hektaren gesunken. Josef Meyer, Präsident des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer (SVZ), rechnet nächstes Jahr mit 3'000 bis 4'000 Hektaren weniger Rüben, wenn nicht gehandelt wird.

Milder Winter fördert Virus

Die Viröse Vergilbung ist weltweit verbreitet und die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit bei den Zuckerrüben. Das BYV (Beet Yellow Virus) genannte Virus wird von Blattläusen beim Saugen übertragen. In der Schweiz sei vor allem die grüne Blattlaus ein Problem, sagt Samuel Jenni von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau. Dieser sei mit Nützlingen schwerer beizukommen als etwa der schwarzen Blattlaus. Weil der letzte Winter mild war, ermöglichte er den Blattläusen eine Lebendüberwinterung. Deshalb gab es die ersten Symptome für die Viröse Vergilbung in der Schweiz dieses Jahr bereits am 8. Juni im Chablais, so früh wie noch nie. In den westlichen Anbaugebieten dürften zwischen 80 und 90 Prozent der Felder befallen sein. Noch weniger verbreitet aber ebenfalls vorhanden ist das Virus östlich von Bern. lid

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