30.09.2020 18:25
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Rübenbauern mit Zulassung helfen?
Die Viröse Vergilbung setzt den Zuckerrüben auf Schweizer Feldern arg zu. Die Bauern müssen mit weniger Ertrag und damit finanziellen Einbussen rechnen. Sie fordern eine temporäre Notfallzulassung für ein Beizmittel. Unterstützen Sie die Forderung? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Rübenpflanzer waren in den vergangenen Jahren mit mehreren Problemen konfrontiert. Sinkende Preise haben den Anbau für viele Bauern unattraktiv gemacht. 

Flöhe und Blattläuse

Mit der (temporären) Erhöhung des Einzelkulturbeitrags auf 2100 Franken pro Hektar und der Erhöhung des Mindestzollansatzes auf sieben Franken pro 100 Kilogramm wurde hier Gegensteuer gegeben. 

Doch nun erschweren Krankheiten den Zuckerrübenanbau. Seit dem 1.Januar 2019 ist das Beizen des Saatgutes mit neonicotinoidhaltigen Mitteln in der Schweiz und in der EU verboten. Seither sind die Pflanzen nicht mehr systemisch, das heisst während mehreren Wochen, vor Schädlingen geschützt. Besonders nach milden Wintern wird das zum Problem, hält der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ). Nachdem die Zuckerrübenjungpflanzen im Frühling durch Rübenerdflöhe geschwächt wurden, gab es anschliessend einen hohen Blattlausdruck. 

Virus verbreitet sich ungehindert

«Dabei verursachen nicht die Schädlinge den Hauptschaden, sondern der von Blattläusen übertragener BYV Virus», so der SVZ. Das Virus lässt die Pflanzen vergilben, was zu Ertragsverlusten von 30 bis 50 Prozent führt. Ein wirksames Mittel gegen die Vergilbung gibt es derzeit nicht.

Betroffen sind Teile der Deutschschweiz sowie die gesamte Romandie sind grossflächig betroffen. Gemäss dem Berner Bauernverband sind 80% der Zuckerrübenparzellen im Kanton Bern und der Westschweiz befallen. «Die Landwirte stehen vor der Aufgabe der Zuckerrübenproduktion», warnt der Verband der Zuckerrübenpflanzer. 

Anbaufläche schrumpft

In den letzten Jahren ist die Rübenfläche von 21'000 auf rund 18'000 Hektaren gesunken. Josef Meyer, Präsident des Schweizerischen Verbandes der Zuckerrübenpflanzer (SVZ), rechnet nächstes Jahr mit 3'000 bis 4'000 Hektaren weniger Rüben, wenn nicht gehandelt wird. Noch kleinere Anbauflächen wären eine Bedrohung für die beiden Zuckerfabriken in Aarberg und Frauenfeld und damit die Schweizer Zuckerproduktion, warnt Meyer.

Durch die Schädlinge und den Virus sei die Schweizer Zuckerwirtschaft ist in ihrer Wettbewerbsfähigkeit massiv benachteiligt, warnen mehrere Bauernverbände. Betroffen sind gemäss den Verbänden nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Arbeitsplätze der Rübenfabriken sowie die Swissness-Auslobung von Schweizer Süssgebäck.

«Wir kämpfen dafür, dass die Gaucho-Beizung befristet zugelassen wird. Zudem sind wir bereit, all unsere finanziellen Reserven einzusetzen. So können wir einen einigermassen vernünftigen Preis zahlen. Denn geht die Fläche noch mehr zurück, hat der Zuckerrübenanbau in der Schweiz keine Zukunft mehr. Und als Drittes brauchen wir Durchhaltewillen», sagte Meyer vor wenigen Wochen gegenüber «Schweizer Bauer».

Gleich lange Spiesse

Zur Bekämpfung der Blattläuse stehen nur sehr begrenzte Wirkstoffe für Flächenbehandlungen zur Verfügung. Die Blattlauspopulation konnte 2020 mit den verfügbaren Wirkstoffen nicht kontrolliert werden.

Der Schweizerische Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) hat deshalb beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eine auf drei Jahre beschränkte Notfallzulassung für das Pflanzenschutzmittel «Gaucho» eingereicht. Das soll gleich lange Spiesse mit den EU-Staaten bringen. «Bis auf Italien haben mittlerweile alle EU-Staaten wieder neonicotinoidhaltige Mittel zugelassen, teils als Beizmittel, teils als Spritzmittel», sagte Josef Meyer anlässlich einer Medienkonferenz im Berner Seeland von Mitte September.

Verboten wurden Neonicotinoide wegen ihrer Gefährlichkeit für Bienen und andere Bestäuber. Zuckerrübenfelder hingegen seien keine für Bienen und andere Bestäuber attraktive Kultur, denn die Rüben blühten nicht, sagte Meyer.

Nur als Übergangslösung

Eine Notfallzulassung sieht der Verband nur als Übergangslösung bis biologische Bekämpfungsmassnahmen, resistente Sorten und alternative Wirkstoffe gefunden worden sind. Dazu sollen die Mittel für die Forschung aufgestockt und die Aktivitäten weiter intensiviert werden. «Schon nächstes Jahr werden wir die ersten Feldversuche mit resistenten Sorten starten», erklärte Josef Meyer.

Milder Winter fördert Virus

Die Viröse Vergilbung ist weltweit verbreitet und die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit bei den Zuckerrüben. Das BYV (Beet Yellow Virus) genannte Virus wird von Blattläusen beim Saugen übertragen. In der Schweiz sei vor allem die grüne Blattlaus ein Problem, sagt Samuel Jenni von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau. Dieser sei mit Nützlingen schwerer beizukommen als etwa der schwarzen Blattlaus. Weil der letzte Winter mild war, ermöglichte er den Blattläusen eine Lebendüberwinterung. Deshalb gab es die ersten Symptome für die Viröse Vergilbung in der Schweiz dieses Jahr bereits am 8. Juni im Chablais, so früh wie noch nie. In den westlichen Anbaugebieten dürften zwischen 80 und 90 Prozent der Felder befallen sein. Noch weniger verbreitet aber ebenfalls vorhanden ist das Virus östlich von Bern.

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