22.10.2018 15:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Ackerbau
Nordschweiz: Reis als Alternative
Der Reisanbau hat gemäss der Forschungsanstalt Agroscope auf der Alpennordseite Wertschöpfungspotenzial. Als geeignete Standorte haben die Forscher Feuchtackerflächen deklariert.

Zeitweise überflutetes Ackerland ist für die Bauern wertvoll. Viele dieser Flächen wurden mit Bodenaufschüttungen aufgewertet. Nun sind diese aber Parzellen sanierungsbedürftig. Wie Agroscope am Montag mitteilt, sollten statt der Erneuerung von Be- und Entwässerungs-Systemen und Bodenverbesserungs-Massnahmen Alternativen geprüft werden.

Eine davon ist der Reisanbau. Er bringt gemäss den Forschern wirtschaftliche wie ökologische Vorteile. Der Reisanbau könnte einerseits stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten fördern und andererseits neue, wettbewerbsfähige Schweizer Produkte auf den Markt bringen. Auf den temporär gefluteten Gebieten entstünden neue Feuchtgebiete, bei welchem zudem keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt würden.

Agroscope hat die wirtschaftlichen Aspekte untersucht. In der Grenchner Witi wurde 2017 Reis auf einer temporär gefluteten Fläche in verschiedenen Verfahren angebaut. Nach der Bodenbearbeitung wurde die Parzelle mit Drainagewasser überflutet, damit der Reis (Sorte Loto) Anfang Mai als Setzlinge gepflanzt werden konnte. Ende August wurde geerntet. Beim Versuch 2017 in Grenchen führte Vogelfrass zu hohem Ertragsausfall. Die Ernte lag bei 1300 kg/ha. «Ohne den Verlust durch Vogelfrass könnte man wohl mit einem doppelt so hohen Ertrag rechnen», halten die Forscher fest.

Ein Ertragspotenzial wie beim Trockenreisanbau im Tessin zwischen vier und sieben Tonnen pro Hektare sei mit einer Anbauoptimierung möglich. Diese Werte erreichte man im diesjährigen Agroscope-Pilotversuch mit Reis auf temporär gefluteter Fläche, bei welchem zudem keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden. «Bei einem Direktverkaufswert beim Nassreis von fünf bis sechs Franken pro Kilo für die verwendete Reissorte besteht somit ein beachtliches Wertschöpfungspotenzial», halten die Forscher fest.

Das Fazit der Agroscope-Studie: Der Anbau von Reis als Nischenprodukt auf temporär gefluteten Flächen kann wirtschaftlich sein. Gleichzeitig kann die Natur profitieren, da sich stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten wie Laubfrosch, Kreuzkröte oder Libellen ansiedeln können, die auf solche Lebensräume angewiesen sind.

Um den Anbau von Nassreis weiterzuentwickeln, sind gemäss Agroscope zusätzliche Versuche notwendig. Es sollen Massnahmen zum Schutz der Reispflanzen (Vogelfrass, Unkräuter) geprüft werden. Die Anbautechnik (Sortenwahl, Saat, Ernte, Nährstoffverfügbarkeit) muss optimiert werden, damit der Reisanbau ökonomisch und ökologisch attraktiv ist.

Fallstudiengebiet

Die Schutzzone Grenchner Witi bezweckt, die offene Ackerlandschaft zu erhalten und unter Wahrung der Existenz der Landwirte eine naturnahe Bewirtschaftung zu fördern. Diesen Lebensraum für Tiere und Pflanzen, insbesondere als Vogelbrutstätte und Hasenkammer zu erhalten und aufzuwerten, einen Teil der Grenchner Witi als Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung zu bewahren und eine naturverträgliche Naherholung zu gewährleisten. Grenchen liegt auf 428 m über Meer. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 908 mm und die jährliche Durchschnittstemperatur 9 °C.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE