14.12.2013 09:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Futtergetreide
Noch weniger Futtergetreide – Eberle macht Druck
Die Saatgutverkäufe von Futtergetreide sind im Herbst 2013 nochmals eingebrochen. Ständerat Roland Eberle (SVP, TG) fordert in einem Vorstoss, dass es für das Futtergetreide per sofort einen Einzelkulturbeitrag gibt.

«Seit Jahren wird die inländische Futtergetreideproduktion systematisch zugrunde gerichtet.» Diese starken Worte stehen in einer Interpellation, die Ständerat Roland Eberle (SVP, TG) am Montag eingereicht hat. Die Futtergetreidefläche  sei in den letzten zwanzig Jahren um 40% eingebrochen, aber auch beim Brotgetreide habe sich die Fläche um rund 20% reduziert. Demgegenüber sei die Grünlandfläche (Kunstwiesen) im gleichen Zeitraum um rund 40% gewachsen, beim Silo- und Grünmais betrage die Zunahme rund 25%.

Geld falsch verteilt

«Als direkte Wirkung einer falschen Allokation von Direktzahlungen – weg von der offenen Ackerfläche hin zur Kunstwiese – wurden 40'000 ha offene Ackerfläche im Inland aufgehoben und faktisch ins Ausland transferiert», fasst Eberle zusammen. Das Direktzahlungssystem mit einem starken Fokus auf die Ökologisierung einerseits und eine leichte Steigerung der Fleisch- und Eierproduktion hätten zur Folge gehabt, dass die Kraftfutterimporte zwischen 1990/1992 und 2010/ 2012 von 400000 Tonnen auf rund eine Million Tonnen zugenommen hätten.

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Die Dringlichkeit seiner Interpellation werde durch die Saatgutverkäufe im Herbst 2013 unterstrichen. Diese seien gegenüber den «bereits sehr schlechten Werten von 2012 nochmals drastisch eingebrochen». Laut Eberle zeigen diese Zahlen auf, dass die Landwirte auf die Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) reagiert haben. Für ihn ist klar: Der Einzelkulturbeitrag für Futtergetreide muss mindestens 400 Fr./ha betragen, damit eine Trendumkehr möglich ist. Er fragt den Bundesrat: «Ist der Bundesrat aufgrund der geschilderten Sachlage und der sehr negativen Entwicklung der Anbaufläche von Futtergetreide bereit, den im Landwirtschaftsgesetz, Artikel 54, vorgesehenen Einzelkulturbeitrag sofort stufenweise zu aktivieren?»

Der Präsident der Vereinigung Schweizerischer Futtermittelfabrikanten will vom Bundesrat auch wissen, auf welches Niveau die inländische Kraftfutterversorgung sinken müsse, damit der Bundesrat den genannten Einzelkulturbeitrag in Erwägung ziehe. Und Eberle stellt gleich noch die Gretchenfrage: «Liegt es in der Zielsetzung des Bundesrates, die inländische Tierproduktion zu reduzieren und damit noch höhere Lebensmittelimporte in Kauf zu nehmen?»

BLW will anderes System

Obwohl es zahlreiche landwirtschaftliche Organisationen verlangt hatten, verzichtete der Bundesrat in den Verordnungen zur AP 2017 darauf, für das Futtergetreide einen Einzelkulturbeitrag auszurichten. Im Gesetz steht diesbezüglich eben eine «Kann-»Formulierung, die der Verwaltung Spielraum lässt. Der Bundesrat will «dem Rückgang der Futtergetreideproduktion entgegenwirken», wie er in der Botschaft schrieb. Das von ihm gewählte Vorgehen ist aber: Die Stützung auf dem Grünland schwächen, um den Ackerbau im Vergleich dazu besserzustellen.

Und innerhalb des Ackerbaus reduziert er die Attraktivität von Brotgetreide und Zuckerrüben, um das Futtergetreide zu stärken. In Rothenthurm  SZ versprach Christian Hofer, Vize-Direktor des BLW, kürzlich: «Wir werden korrigierend eingreifen, wenn die Entwicklung nicht in die gewünschte Richtung geht, auch beim Futtergetreide.» Die Futtermittelfabrikanten aber wollen keine Zeit mehr verlieren und nicht warten, bis es zu spät ist.

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