7.04.2019 12:04
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Biolandbau
Neonicotinoide auf 90% der Bio-Äcker
Die Felder der meisten Bio-Betriebe im Mittelland sind mit Neonicotinoide kontaminiert. Das berichtet die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf eine Studie der Universität Neuenburg.

Den jüngst im «Journal of Applied Ecology» publizierten Angaben zufolge sind 93 Prozent der Bio-Äcker mit Pflanzengiften belastet. Zwei Forscher analysierten im Sommer 2015 702 Pflanzen- und Bodenproben von 62 Bauernhöfen auf Neonicotinoide und publizierten ihre Arbeit im Fachmagazin «Applied Ecology». Das sind jene Pflanzengifte, die Nervenzellen insbesondere von Insekten angreifen und so Schädlinge fernhalten sollen. Die Forscher untersuchten konventionelle Betriebe, Höfe mit integrierter Produktion (IP) und Bio-Betriebe. 

Neonicotinoide in Bio-Saatgut


Nicht nur in den Böden der konventionellen Betriebe und von Bio-Höfen fanden sich Rückstände von Neonicotinoiden. Auch auf über 80 Prozent der Böden und Pflanzen von ökologischen Ausgleichsflächen wurden die Forscher fündig. Im Biolandbau sind synthetische Insektizide untersagt, ebenso auf den Ausgleichsflächen. Wind und Wasser dürften die Neonicotinoide, die hoch wasserlöslich sind, von benachbarten Feldern verfrachtet haben. Nur ein kleiner Teil der Insektizide werden von der wachsenden Pflanze absorbiert: «90 bis 95 Prozent bleiben im Boden», sagt Lukas Jenni von der Vogelwarte Sempach zur «NZZ am Sonntag».

Die Forscher fanden auf Bio-Äckern und Ausgleichsflächen so viel Giftrückstände, dass bis sieben Prozent der Nützlinge wie Hummeln geschädigt werden könnten. «Die Neoni­cotinoide schädigen nicht nur Insektenbestände, sondern ganze Ökosysteme», sagt Lukas Jenni. Manche Vogelarten könnten auch direkt geschädigt werden, wenn sie vergiftetes Saatgut picken. In 14 von 16 Proben von Bio-Saatgut wurden Neonicotinoide gefunden. Forscher gehen von Verunreinigungen in den Produktions- und Transportanlagen aus.

Bio Suisse fordert stärkere Einschränkung

Für Bio Suisse ist die Nachricht «erschreckend», wie der Dachverband der Bio-Produzenten der Zeitung mitteilte. Die Belastung stamme vom Abdrift von Nachbarpazellen. Die Organisation fordert unter anderem eine stärkere Einschränkung schädlicher «Pestizide» und «eine bessere Umsetzung der Sorgfaltspflicht der konventionellen Bauern».

«Wir können uns nicht erklären, wie die Neonico­tinoide verbreitet werden. Insbesondere auch nicht, wie diese aufs Bio-Saatgut kommen», sagt Bauernverbandspräsident Markus Ritter zur «NZZ am Sonntag». Er betont, dass mittlweile drei der fünf gefunden Wirkstoffe verboten sind. Ein vierter Wirkstoffe falle mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz weg.  

Das Bundesamt für Landwirtschaft hält fest, dass das Verbot der drei Wirkstoffe zu einer signifikanten Verringerung des Einsatzes von Neonicotinoid-Insektiziden führen wird. Die beiden im Freiland noch bewilligten Wirkstoffe gälten «als nicht persistent und sind schnell abbaubar». Die geringen nachgewiesenen Konzentrationen seien vertretbar.

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