28.01.2014 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Klima
Mit weniger Wasser mehr bewirken
Werden das Klima heisser und die Niederschläge zunehmend knapp, müssen die Bauern die Bewirtschaftung anpassen. Dabei können sie verschiedene Strategien wählen. Die Bewässerung ist nur eine davon.

Die Schweiz ist ein privilegiertes Land, zumindest, was das Wasser anbelangt. Doch wegen des Klimawandels müssen sich die Bauern mehr und mehr darauf einstellen, dass das Wasser zumindest regional und saisonal knapp wird. Wie sie darauf reagieren können, zeigten Forscher an der 1.Agroscope-Nachhaltigkeitstagung in Zürich auf.

Früher säen oder pflanzen

Bruno Schädler von der Universität Bern schätzte anhand von Klimaszenarien ab, wie sich die Wasserressourcen in Zukunft entwickeln könnten. «Es ist zwar heikel, über die Zukunft zu sprechen», befand er einleitend. «Doch ist klar, dass die Temperatur steigen wird und die Gletscher bis Ende des Jahrhunderts abschmelzen.» Deshalb gebe es in den nächsten Jahrzehnten vorübergehend sogar mehr Wasser. Danach muss man laut Schädler auch im Spätsommer zunehmend mit Niedrigwasser rechnen.

Jürg Fuhrer von Agroscope vermutete, dass die Niederschläge künftig im Winter etwa gleich viel, im Sommer aber weniger Wasser bringen. Das könne je nach Region positive oder negative Folgen haben.

Wasser wird knapp

Für die Landwirtschaft besonders gravierend sind längere Trockenperioden. Mit ihnen müssen die Bauern gemäss Klimamodellen in Zukunft immer öfter rechnen. Als Folge muss mehr bewässert werden. Doch dürfte künftig gerade in den Sommermonaten weniger Wasser für die Bewässerung zur Verfügung stehen. Schon heute gibt es in Hitzeperioden regionale Verbote, aus kleinen Fliessgewässern Wasser zu entnehmen.

Laut Fuhrer bleiben in diesem Fall drei Handlungsoptionen: Ist der Klimawandel noch wenig fortgeschritten, können sie mittels angepasster Bodenbearbeitung das Wasserrückhaltevermögen der Böden verbessern und das Erosionsrisiko senken. Sommerkulturen können früher gepflanzt oder gesät werden, damit die Ertragsbildung vor der kritischen Sommerhitze möglichst weit fortgeschritten ist. Optimierte Bewässerungssysteme brauchen zudem für denselben Nutzen weniger Wasser.

Schreitet der Klimawandel weiter voran, gibt es die Möglichkeit, anstelle von Sommerkulturen vermehrt Winterkulturen anzubauen oder grundsätzlich auf weniger wasserbedürftige Sorten oder Kulturen auszuweichen. Wie die heutige Hagelversicherung werden Trockenheitsversicherungen laut Fuhrer zunehmend angeboten und abgeschlossen werden. Ist das Ausmass der Klimaänderung gross, werden sich Anbaustandorte verschieben.

Sortenunterschiede

Eine Möglichkeit, trotz Trockenheit gute Erträge erzielen zu können, ist laut Fuhrer die Bewässerung. Dabei stellt sich die Frage, bei welchen Kulturen sich das Bewässern lohnt, und wie man es am effizientesten macht.

Ein Thema, mit dem sich Thomas Hebeisen von Agroscope umfassend auseinandergesetzt hat, und zwar am Beispiel der Kartoffel. Kartoffeln stellen im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen zwar klimatisch geringere Ansprüche. Doch hat das Hitzejahr 2003 gezeigt, dass Trockenheit zu weniger Rohertrag und zu einem kleineren Anteil marktfähiger Ware führen kann. Zwischen 2008 und 2010 wurde bei Agroscope ein Versuch mit Tröpfchenbewässerung bei den Sorten Agria und Charlotte durchgeführt.

Die Bewässerung bewirkte bei Agria höhere Stärkegehalte, nicht aber bei Charlotte. Bewässerte Agria-Kartoffeln wurden vermehrt von Pulverschorf befallen. Auch diesbezüglich zeigte sich bei der Sorte Charlotte kein Effekt. Aufgrund der grossen Sortenunterschiede wird man bei der Sortenprüfung und der Sortenwahl den Einfluss der Bewässerung verstärkt berücksichtigen müssen.

Tröpfchenweise wässern

Zur Tröpfchenbewässerung meinte Hebeisen, dass die Investitionen momentan noch zu hoch sind. Die Betriebsstrukturen und das Wasserangebot würden derzeit den Einsatz kostengünstigerer Verfahren ermöglichen. Eine ungünstige Niederschlagsverteilung und höhere Wasserpreise könnten das aber in Zukunft rasch ändern. Dann wird die Tröpfchenbewässerung aus Sicht der Ressourceneffizienz und der Umweltauswirkungen zu einer zielgerichteten und vielversprechenden Methode.

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