2.03.2017 09:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Jonas Ingold, lid
Blühstreifen
Mit Nützlingen gegen Schädlinge
Nützlinge helfen Schädlinge zu reduzieren und den Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln zu minimieren. Ab April werden Bauern wieder Blühstreifen säen, in denen sich die Helfer ansiedeln.

Blühstreifen auf dem Acker können die Anzahl Schädlinge in Kulturen deutlich verringern. Versuche der Forschungsanstalt Agroscope zeigten, dass bei Winterweizenfeldern mit Blühstreifen die Getreidehähnchen – das sind Blattkäfer, deren Larven für erhebliche Schäden sorgen können – um 40 bis 53 Prozent weniger häufig vorkamen als auf vergleichbaren Feldern ohne Blühstreifen. Die Schäden reduzierten sich um 40 Prozent.

Auch bei Versuchen mit Kartoffeln zeigten sich deutliche Vorteile durch die Blühstreifen-Mischungen, die verschiedene Pflanzen enthalten. So ergaben die Tests, dass die Blattlaus-Bestände in Kartoffeln durch Blühstreifen um 77 Prozent reduziert werden können.

Unterstützung durch Bund seit 2015

Nicht nur die tieferen Schäden bringen Vorteile. Weil durch die Nützlinge die Schädlingspopulationen unter der Schadschwelle gehalten werden, können die Bauern Pflanzenschutzmittel einsparen. Diese Mittel werden in der Schweiz erst eingesetzt, wenn die Schadschwelle überschritten wird. Zudem kommen die Blütenstreifen der Biodiversität zugute.

Seit Anfang 2015 bezahlt der Bund für die Blühstreifen Beiträge. Im ersten Jahr nach Einführung beteiligten sich daran 449 Betriebe, die auf insgesamt 116 Hektaren die Blühstreifen säten. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat dafür verschiedene Samenmischungen bewilligt.

3 bis 6 Meter breit

Die Streifen sind gemäss Empfehlung von Agroscope im Idealfall zwischen 3 und 6 Meter breit. Sie sind wirksamer, wenn rund um die Äcker naturnahe Landschaftselemente wie Buntbrachen oder Hecken vorhanden sind. Dort können sich die Nützlinge nach der Ernte zurückziehen und überwintern.

Nicht alle Flächen eignen sich aber für die Ansaat von Blühstreifen. Felder mit Problemunkräutern wie Blacken und Winden müssen vermieden werden. Zudem sind auch schattige, vernässte oder verdichtete Standorte für die Blühstreifen nicht geeignet.

Attraktives Landschaftsbild

Eine Saatmischung enthält verschiedene Pflanzenarten. Die einen entwickeln sich schneller, die anderen langsamer. Das führt dazu, dass sich die Blühstreifen stetig verändern. Während zunächst der Buchweizen dominant ist, kommen im Hochsommer Wildblumen zur Geltung, die sich langsamer entwickeln. Die Nützlinge haben so den ganzen Sommer über Nahrung und Unterkunft. Und Blühstreifen können damit auch für Spaziergänger ein schönes und spannendes Landschaftselement sein.

Bio: Nützlinge im Kohl

Den Schädlingsdruck durch das Anlocken von Nützlingen zu minimieren ist seit längerem auch im Bio-Landbau ein Anliegen. Seit einigen Jahren führt dazu das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) Feldversuche auf verschiedenen Betrieben durch. Einerseits arbeitet das Fibl dabei mit Blühstreifen, andererseits werden auch sogenannte Beipflanzen direkt in die Kulturen gepflanzt. Es handelt sich dabei um Pflanzen, die für Nützlinge besonders attraktiv sind.

Auf Kohlfeldern wird mit den Nützlingen unter anderem gegen Schädlinge wie die Kohleule oder den Kohlweissling vorgegangen – beides Falter, deren Raupen Frasschäden am Kohl verursachen. Auch diese Versuche zeigen laut Fibl, dass die durch Schädlinge verursachten Ertragsausfälle deutlich reduziert werden können.

Der Marienkäfer als Beispiel

Ein bekannter Nützling ist der Marienkäfer. Er mag Blattläuse zum Fressen gerne. Und das nicht erst im Erwachsenen-Stadium, sondern schon als Larve. Diese fressen um die 100 Blattläuse pro Tag und sind somit effektive Schädlingsbekämpfer.

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