24.06.2017 17:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Oliver Metzler
Bern
Kartoffeln statt Fussbälle
Das alte Fussballstadion des FC Biel wird zwischengenutzt und bietet für drei Jahre Raum für innovative soziokulturelle Projekte. Mit «Patart» ist auch ein landwirtschaftliches Projekt vertreten.

Obschon konkursbedingt in die 2. Liga herabgestuft, spielt der FC Biel seit 2015 in der 5500 Zuschauer fassenden Tissot Arena. Das alte Stadion auf der Gurzelen wird seit Anfang Jahr zwischengenutzt.

Über drei Jahre läuft der Vertrag zwischen der Stadt und dem Verein «Terrain Gurzelen». Dieser Verein stellt den Fussballrasen für soziokulturelle und quartiernahe Projekte zur Verfügung, wie für Kinderspielplätze oder Open-Air-Kinos.

Das Konzept sieht vor, ein Zentrum zur Verwirklichung innovativer und nachhaltiger Ideen in Sport, Kultur, Nachhaltigkeit und gemeinsamen Aktivitäten einzurichten. Der Fotograf Antal Thoma, Verantwortlicher für das Projekt «Patart», nutzt einen Teil des Rasens landwirtschaftlich. 

Andere Motivation

Es ist nicht das erste Mal, dass auf dem Rasen des Stadions Gurzelen Kartoffeln angepflanzt werden. Bereits der Plan Wahlen ordnete im 2. Weltkrieg an, die Eigenproduktion an Lebensmitteln zu erhöhen und also das Fussballfeld für diese Zwecke zu nutzen. Heute ist die Motivation eine andere.

Der Namen des Projekts lässt sie vermuten. Dieser setzt sich aus Kartoffel (patata) und Kunst (art) zusammen. «Patart» ist ein kollektiv bewirtschaftetes Kartoffelfeld, dessen Früchte geteilt werden. Seit längerer Zeit sinniert der Bieler Thoma über selbst verwaltete Kulturen und sah mit der Zwischennutzung des Stadions eine Gelegenheit. Ihm geht es aber nicht eigentlich um einen symbolischen Akt, sondern um die landwirtschaftliche Produktion mit all ihren Facetten. 

Für 100 Familien

Ziel ist es, mit dem Projekt gegen 100 Familien mit  Erdäpfeln zu versorgen. Das Kartoffelfeld mitten in einem Wohnquartier soll aber auch dem künstlerischen Aspekt gerecht werden, in dem Sinne, dass es anregt, darüber nachzudenken, was da genau geschieht. Die Stadtbewohner sollen auch einen Bezug zu diesem landwirtschaftlichen Produkt herstellen und es schätzen lernen. Die Anbauweise zeigt, dass Thoma auch einen ursprünglicheren Bezug zur Arbeit und zur menschlichen Arbeitskraft herstellen will. 

Unterstützung erhält er von Mikaël Zürcher, einem jungen bernjurassischen Bauern. Bestellt wurde das Feld auf traditionelle Weise mit Pflug und Pferd. Im Herbst kehrt Zürcher mit seinen Freiberger Pferden in das Stadion zurück, um die Ernte einzufahren. Dann werden auch die projektbeteiligten Familien dazu eingeladen, sich nach Bedarf mit Kartoffeln einzudecken

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE