12.01.2015 09:07
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
F: Mehr Landwirte in nitratgefährdeten Gebieten
In Frankreich dürfte die Revision der nationalen Umsetzungsvorschriften zur EU-Nitratrichtlinie zu den zentralen agrarpolitischen Themen in diesem Jahr gehören. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Zahl der Betriebe steigt, die in nitratgefährdeten Gebieten liegen.

Als Grundlage für die Neueinteilung wurde ein von Umweltministerin Ségolène Royal im Sommer eingebrachter Vorschlag verwendet Länderbericht. So werden künftig 23'128 Kommunen als nitratgefährdet eingestuft, nach zuvor 19'240 Kommunen. Die davon am stärksten betroffenen Regionen sind Aquitanien und Midi-Pyrénées im Einzugsbereich „Adour-Garonne“. So kletterte allein in der Region Midi-Pyrénées die Zahl der Landwirte in gefährdeten Gebieten zwischen 2012 und 2014 von rund 36'000 auf etwa 68'000.

Auch der Einzugsbereich „Loire-Bretagne“ bleibt künftig nicht mehr verschont. Insgesamt betrifft die Neueinteilung zusätzlich rund 63'000 Höfe. Etwa 70 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen (LF) Frankreichs liegen nun in nitratgefährdeten Gebieten. Die weiteren Einzugsgebiete sind Seine-Normandie, Artois-Picardie, Rhein-Mosel und Rhône-Méditerranée-Corse.

Unterdessen kritisierte der Generalsekretär der Junglandwirteorganisation (JA), Patrice Ramond, die Methode zur Festlegung der neuen nitratgefährdeten Gebiete. Er beklagte, dass die Flächennutzung auf den Gemeindegrenzen basieren soll. Das mache „keinen Sinn“. Insbesondere im Südwesten Frankreichs besteht im Berufsstand die Sorge eines Ausbringungsverbots von Wirtschaftsdüngern auf Flächen mit 20% Hangneigung. Ramond erklärte hierzu, dass auf seinem Betrieb ein Grossteil des Areals eine Neigung von mehr als 40% habe. Dann könne er dort „nichts mehr machen“.

Kritik gibt es zudem an den nach Einschätzung des Berufsstandes unzureichenden Finanzierungshilfen. Diese würden benötigt, um in Lagerstätten für Wirtschaftsdünger zu investieren, die infolge des verschärften Ausbringungsverbotes im Winter erforderlich seien. Hierfür ist aus ihrer Sicht die künftige Mittelverteilung aus der Zweiten Säule in Frankreich entscheidend.

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