17.10.2020 14:03
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Frankreich
F: Glyphosat-Ausstieg geht voran
Frankreich hat auf dem Weg zum Glyphosat-Ausstieg einen weiteren Schritt vollzogen. Das Amt für Gesundheitsschutz in Ernährung, Umwelt und Arbeit (ANSES) legte in der vergangenen Woche neue Vorgaben für die Zulassung von Produkten auf Basis des Herbizidwirkstoffs vor.

Wie schon im August angekündigt, werden bei Neu- und Wiederzulassungen Anwendungsverbote und Dosisbegrenzungen eingeführt, sofern nach Ansicht der Behörde praxistaugliche Alternativen zur Verfügung stehen.

Ausnahme in Steillagen

Nicht mehr genehmigt wird demnach der Einsatz zwischen den Reihen im Wein- und Obstbau, wenn die Unkrautbekämpfung mechanisch durchgeführt werden kann. Ausnahmen gelten dementsprechend unter anderem für Steillagen, steinige Böden sowie strauchartige Kulturen und solche, bei denen das Erntegut mechanisch vom Boden aufgenommen wird.

Im Weinbau wird die zulässige Jahreshöchstmenge auf 450 g Wirkstoff pro Hektar und die Anwendung auf ein Fünftel der jeweiligen Parzelle begrenzt. Im Obstbau soll die Jahreshöchstmenge nach Angaben des ANSES 900 g/ha betragen und auf maximal 40% der Fläche ausgebracht werden dürfen. Im Ackerbau soll mit Ausnahme von Sonderfällen kein Glyphosat mehr erlaubt sein, wenn zwischen zwei Kulturen der Pflug zum Einsatz kommt. Beschränkt werden soll der jährliche Verbrauch hier auf 1'080 g pro Jahr und Hektar.

Generell kann das umstrittene Herbizid nach Ansicht der Zulassungsbehörde nicht ersetzt werden, wenn die Beschaffenheit des Bodens den Einsatz mechanischer Alternativen nicht erlaubt. Zudem fehle es an landwirtschaftlichen Maschinen, die im Weinbau und anderen Dauerkulturen die Unkrautbekämpfung in den Reihen ermöglichen könnten. Keine Möglichkeit zum Verzicht kann laut der Behörde auch bei einer bodenschonenden Bewirtschaftung etwa zum Humusaufbau sowie bei der Bekämpfung unerwünschter mehrjähriger Pflanzen bestehen.

Kritik an Obergrenze im Ackerbau

Scharfe Kritik an der Zulassungsbehörde übte die Umweltorganisation Générations Futures. Nach ihrer Einschätzung hat es die Behörde versäumt, Alternativen zu identifizieren, die derzeit noch nicht in der landwirtschaftlichen Praxis verbreitet sind, aber das Potential dafür hätten. Stattdessen habe man sich an Bewirtschaftungsmethoden orientiert, die in hohem Masse von Glyphosat abhängig seien.

Letztlich würden die neuen Vorgaben daher eher den Status quo zementieren, anstatt Veränderungen anzustossen. Laut Générations Futures wird beispielsweise in vielen Obstkulturen das Unkrautmanagement bereits mechanisch durchgeführt, da die Flächen um die Bäume mit Gras bewachsen seien. Daher dürften die neuen Auflagen in diesem Bereich nicht zu einer Verringerung des Glyphosataufwands beitragen.

Im Ackerbau gebe es zudem zahlreiche Alternativen zu einer tiefen Bodenbearbeitung, die das ANSES aber als unüblich eingestuft habe. Auch von den neuen Obergrenzen erwartet die Umweltorganisation keine grossen Fortschritte. Im französischen Ackerbau würden bei der Verwendung von Glyphosat derzeit durchschnittlich 824 g/ha ausgebracht; die neue Obergrenze von 1'080 g/ha werde also keine Verbesserung bewirken.

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