26.05.2017 08:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Schoggigesetz
«Es geht um 45'000 t Getreide»
Die Getreidesammelstellen hoffen nach der schwierigen Ernte 2016 auf ein besseres 2017. Nebst dem Tagesgeschäft bewegen sie auch Entwicklungen in Markt und Politik. So etwa die Nachfolgelösung für das Schoggi-Gesetz.

«Das Umfeld für den Getreidebau und somit für uns Getreidesammelstellen wird immer schwieriger», stellte Rolf Häusler, Präsident des Verbandes kollektiver Getreidesammelstellen (VKGS), am vergangenen Donnerstag an dessen GV in Walterswil SO fest. «Neben dem politisch gewollten Rückgang der Getreideflächen mussten wir in den letzten Jahren zusätzlich mit mittelmässigen bis tiefen Erträgen vorliebnehmen.» Vor allem bei kleineren Anlagen seien Investitionen vertagt oder gar gestrichen worden. «Ob unsere Anlagen im Schuss sind, wird sich spätestens bei der nächsten Grossernte zeigen.»

Einigkeit in der Branche

Die Ernte 2016 mit den tiefen Hektolitergewichten war für die Getreidesammelstellen herausfordernd. Erfreulich sei gewesen, dass trotz tiefer Importpreise die Schweizer Brot- und Futtergetreiderichtpreise stabil gehalten werden konnten, blickte Häusler zurück. Es sei zu hoffen, dass die positive Stimmung, die derzeit unter den Akteuren der Wertschöpfungskette Getreide herrsche, anhalten werde. 
So wurden die Futtergetreiderichtpreise trotz den per 1. Juli 2017 in Kraft tretenden Zollsenkungen bei Triticale, Bruchreis, Palmkernschrot, Mais und weiteren Futterkomponenten unverändert belassen. Dies gelte hoffentlich auch für die Brotgetreide-Richtpreise, über welche am 5. Juli 2017 verhandelt werde.

Hauptthema Exporte

Hauptthema in der Getreidebranche ist derzeit aber die Erarbeitung einer Nachfolgelösung für das 2019 auslaufende Schoggi-Gesetz. «Wir sind sehr daran interessiert, dass es eine Lösung für die Getreideexporte gibt», betonte Häusler. Es gehe immerhin um 45000 bis 50000 Tonnen Brotgetreide – um rund 10Prozent der Inlandproduktion –, die heute in Form von verarbeiteten Produkten exportiert und mit Exportbeiträgen in der Höhe von rund 13 Mio. Fr. unterstützt würden. Falle dieser Rohstoffpreisausgleich weg, würden diese Mengen auf dem Schweizer Markt landen und Preisdruck verursachen.

Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) ist daher mit Hochdruck daran, eine WTO-konforme Alternative für die Exportsubventionen zu erarbeiten. Pierre-Yves Perrin und Hannah Hutter vom SGPV zeigten an der GV den Stand der Dinge auf: Die Grundidee ist, dass die Getreideproduzenten künftig 4Fr. Direktzahlungen pro 100kg abgeliefertes Getreide erhalten. Diese 4 Fr./100 kg werden ihnen von den Sammelstellen auf der Abrechnung aber wieder abgezogen und an Swiss Granum weitergeleitet. Von dort soll das Geld an die Exporteure verteilt werden.

Die Knackpunkte

Die Schwierigkeiten dabei sind:

  • Es muss verhindert werden, dass die Produzenten die 4Fr./100 kg behalten. Dazu braucht es Verträge.
  • Damit die Beiträge an die Exporteure weitergeleitet werden können, braucht die Branche Informationen zu Export- und Importmengen, zu Preisdifferenzen und zum Veredelungsverkehr. «Der Bund gibt aber diese Informationen nicht heraus», so Perrin.
  • Der Fortbestand der neuen Lösung hängt auch davon ab, ob die Milchbranche ein funktionierendes System aufbauen kann.
  • Die Lösung muss bis im November 2017 stehen, damit sie die SGPV-Delegierten genehmigen können und damit 2018 mit der Datenerfassung begonnen werden kann.
  • Die Begeisterung der Sammelstellenleiter über ihre Rolle als Beitragseintreiber hält sich in Grenzen. Häusler stellte klar: «Der administrative Aufwand für uns muss sich in Grenzen  halten, und es darf nicht sein, dass die Sammelstellen den Produzentenbeiträgen nachrennen müssen.»
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