29.10.2020 07:02
Quelle: schweizerbauer.ch -
Zuckerrüben
«Erträge sind teils eine Katastrophe»
Die nasse Witterung hat laut Lohnunternehmer Ueli Brauen aus Suberg BE die Rübenernte auf den Kopf gestellt.

Liegen die Erträge nach dem Gaucho-Verbot erwartungsgemäss tiefer als andere Jahre?
Das ist von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich. Im Jurasüdfuss, Solothurn und Neuenburg war der Ertrag teilweise sehr schwach. Eine Katastrophe! Da sprechen wir über Erträge zwischen 40 und 60 Tonnen pro Hektare, wo wir normalerweise mit 90 Tonnen pro Hektare zufrieden wären. Wir stehen also rund bei der Hälfte der normalen Erträge. Auch beim Zucker sieht es kein bisschen besser aus. Die Zuckergehalte liegen zwischen 13 und 15,5 Prozent in den genannten Gebieten. 

Sieht es in anderen Regionen besser aus?
Glücklicherweise ja. In den Regionen Freiburg, Bern bis ins Aargau sind die Erträge dieses Jahr fast im Bereich einer normalen Ernte. In der Ostschweiz werden sogar Spitzenerträge geerntet. In unserem Gebiet, spielte nicht nur die Grüne Blattlaus eine Rolle. Wir haben sicherlich auch ein Problem mit der Krankheit «Syndrome des basses richesses» (SBR). Letztere hat man aber fast nicht erkannt, da die Rüben bereits vergilbt waren. Erst gerade war ich im neuenburgischen Val-de-Ruz, wo man sagt, dass alles bestens sein sollte! Doch selbst hier sind die Zuckerrüben schon vergilbt. Die durch das Verbot der Gaucho-Beizung ausgelöste Viröse Vergilbung ist selbst hier angekommen. 

Wie nehmen Sie die Rübenernte ganz allgemein 2020 wahr?
Es war gerade zu Beginn sehr hektisch. Wir haben angefangen mit einem Verladeplan, der in der Theorie gut funktionieren sollte. Sprich zuerst alle Hügel laden, wo es Ende September noch trocken sein sollte, und dann erst im flachen Gebiet. Leider ist der lang ersehnte Regen Ende September in unserem Gebiet ergiebig ausgefallen. Die gerodeten Zuckerrüben an den Hängen konnten nicht mehr mit der Maus geladen werden. Nach den ersten 100 Milimeter Regen konnten auch die Rodemaschinen in den Hügeln nicht mehr fahren und das nach fünf Tagen des Kampagnestarts!

Welche Auswirkungen hatten die Umstände beim Rübenverlad auf die Zuckerfabrik?
Diese wäre als Konsequenz leergelaufen. Darum haben wir Rodebetriebe uns mit der Zuckerfabrik/Rübenring zusammengeschlossen und dort, wo es die Bodenverhältnisse zugelassen haben, nur noch geerntet und sofort abgeführt. Jeder Rodeunternehmer weiss am besten, wo in seinem Tätigkeitsgebiet die besten Bodenverhältnisse sind.

Sehen Sie noch eine Zukunft für die Zuckerrübenproduktion in der Schweiz?
Ich bin nun seit 36 Jahren im Zuckerrübenanbau tätig, jetzt habe ich nur noch wenig Hoffnung, wenn ich sehe, was hier abgeht. Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende. Im westlichen Anbaugebiet ist das jetzt schon das zweite oder dritte Anbaujahr mit Verlusten. Wenn ich gefragt werde, was man sonst noch anbauen kann, empfehle ich Blumenwiese. Wenn wir die Gaucho-Beizung nicht vorübergehend zurückerhalten, wird die Anbaufläche um 3000 bis 4000 Hektaren zurückgehen. Unser Betrieb wird Erntemaschinen verkaufen und etwas anderes machen. Ich kann gut nach 36 Jahren Hektik im Herbst Golfen oder Velofahren gehen.

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