3.12.2019 06:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Boden
Erosion von Politik beeinflusst
Die Welt verliert den Boden unter den Füssen: Bodenerosion reduziert Ernteerträge und beeinträchtigt die Qualität von Luft und Wasser. Forscher konnten nun nachweisen, dass für das Ausmass der Erosion eine grosse Rolle spielt, auf welcher Seite einer politischen Grenze der Boden liegt.

Die Menschheit verliert derzeit mehr Boden als neuer entsteht. Die Gründe für Bodenerosion sind vielfältig und viele Ursachen nicht gut verstanden. Insbesondere ist unklar, inwieweit Länder die Erosion ihrer Böden beeinflussen. David Wüpper und Robert Finger von der ETH Zürich haben diese Frage zusammen mit Pasquale Borelli von der Universität Basel untersucht. Durch Satellitendaten und Modelle zeigen die Wissenschaftler, welche Rolle politische Grenzen spielen.

Auf der Basis hochaufgelöster Fernerkundungsdaten modellierten die Forscher Erosionsraten und trugen diese auf eine Karte in Kilometerquadrate ein, wie die ETH am Montag mitteilte. Auf einer zweiten Karte modellierten sie die mögliche natürliche Erosionsrate. Dabei zeigte sich deutlich der Unterschied zwischen aktueller und natürlicherweise auftretender Erosion. Dies zeigt, wie stark Länder ihre Bodenerosion beeinflussen, berichten die Forscher im Fachblatt «Nature Sustainability».

Erosion steigt sprunghaft an Grenzen

Besonders deutlich wird der Ländereffekt entlang von politischen Grenzen. «Die Rate, mit der Böden erodieren, hängt stark davon ab, auf welcher Seite einer Grenze und somit in welchem Land der Boden liegt», liess sich Wüpper in der Mitteilung zitieren.

Den Effekt illustrieren die Forscher anhand des Extrembeispiels der Insel Hispaniola, auf der sich Haiti und die Dominikanische Republik befinden. Wie die Berechnungen der Wissenschaftler zeigte, verlieren die Böden Haitis entlang der Grenze pro Jahr und Hektare 50 Tonnen mehr Material als die Böden der Dominikanischen Republik. Diese Erosionsdifferenz liegt damit fast 30 mal höher als im weltweiten Durchschnitt.

Im Naturzustand wäre die Insel einheitlich bewaldet und vor Erosion geschützt - natürlicherweise gäbe es keinen sprunghaften Anstieg an der Grenze. Der Sprung sei demnach auf politische Gegebenheiten zurückzuführen, nicht auf naturräumliche Grenzen, so Wüpper.

Zwickmühlen beim Bodenschutz

Die Studie zeige, welch grosse Rolle der Ländereffekt beim Bodenschutz spielt. Bisher habe man Bodenerosion vor allem als lokales Problem betrachtet, schrieb die ETH. Zudem könne man mit der in der Studie angewandten Methode auch untersuchen, ob Bodenschutzmassnahmen wirksam sind oder nicht.

In einer Nachfolgestudie wollen die Forscher einen Fokus auf Zielkonflikte legen, die durch Erosionsschutz entstehen könnten. Schutzmassnahmen bestehen beispielsweise darin, ökonomische Anreize für weniger Bodenbearbeitung zu schaffen. Dies könnte aber dazu führen, dass Landwirte mehr Pestizide einsetzen, um Unkraut zu bekämpfen. Bei fortschreitender Erosion setzen Bauern wiederum mehr Düngemittel ein, um die Ertragsverluste zu kompensieren. Die Folgestudie soll solche «Zwickmühlen» weltweit beziffern.

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