21.01.2015 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Getreide
Ernte wird immer hektischer
Der Winterweizen ist drei Wochen früher reif als vor 35 Jahren. Zudem überlappen sich die Ernten von Weizen, Raps und Gerste, und die Erntefenster werden immer kürzer. Eine Herausforderung für die Lohnunternehmer.

Das Getreide wird immer früher reif, und die Erntefenster werden immer kürzer. Deutsche Forscher haben Ernte- und Wetterdaten aus dem Bundesland Brandenburg von Winterweizen, Winterroggen, Winter- und Sommergerste von 1961  bis 2013 analysiert. Sie konnten zeigen, dass die Ernte von Winterweizen heute im Schnitt 11 Tage früher, die von Sommergerste 16 Tage früher beginnt als vor 35 Jahren.

In der Schweiz noch extremer

Die Tendenz einer früheren und  hektischeren Erntekampagne bestätigt Dario Fossati von Agroscope. In der Schweiz sei sie noch extremer, und zwar bei Gerste, Triticale und Weizen: «Der Winterweizen in unseren Versuchen in Nyon VD wurde in den 80er-Jahren im Schnitt Anfang August gedroschen. In den letzten Jahren fuhren die Mähdrescher schon Mitte Juli auf. Dass die Getreideernte am 1. August praktisch abgeschlossen ist, gab es früher nie.» Die Versuchsdaten (siehe Grafik) stimmen laut Fossati ziemlich gut mit den in der Praxis üblichen Ernteterminen überein.

Für den Agroscope-Forscher ist der Klimawandel  nur ein Grund für das Phänomen. «Die Sortenzüchtung bringt immer frühreifere Getreidesorten hervor. 1981 galt Arina als frühe Sorte. Heute ist sie relativ zu den anderen Sorten im späten Sortiment einzustufen.» Gründe für den Trend zu den frühreifen Sorten gebe es einige: «Die Sorten reifen nicht nur früher ab, sie schieben die Ähren auch überproportional viel früher. Die Phase der Kornfüllung verlängert sich, der Ertrag steigt.»

Für Lohnunternehmer wird es anspruchsvoll

Theoretisch, so Fossati, sei auch das Risiko von Hagelschäden und von Auswuchs kleiner, wenn man schon Mitte Juli vor den Spätsommergewittern dreschen könne. «Doch verschiebt sich die Ernte nicht nur nach vorne, sondern sie wird auch unberechenbarer. Die Schwankungen zwischen ganz frühen und ganz späten Erntejahren werden immer grösser.»

Wetterextreme, kürzere Erntefenster und Gerste, Weizen, Triticale und Raps, die fast gleichzeitig abreifen. Das stellt auch die Lohnunternehmer vor Herausforderungen. Willi Zollinger, Landwirt aus Watt ZH und Präsident von Lohnunternehmer Schweiz, bestätigt: «Das Dreschen ist hektischer als früher. Ein Lohnunternehmer, der seine Kunden zufriedenstellen und alle Aufträge ausführen will, muss immer schlagkräftiger werden.»

Zwar würden die Mähdrescher immer leistungsfähiger, so Zollinger, doch das genüge nicht: «Wir arbeiten vermehrt auch am Wochenende und in der Nacht – auch wenn das oft zu Reklamationen aus der Bevölkerung führt.» 

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