5.02.2018 09:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, lid
Zuckerrüben
Dringend gesucht: Bio-Zuckerrübenproduzenten
Milch, Getreide, Eier, Fleisch: Ist alles aus Schweizer Bio-Produktion erhältlich. Schweizer Bio-Zucker hat man bislang vergeblich im Ladenregal gesucht.

Denn der Anbau ohne Herbizide, Insektizide und Fungizide ist äusserst anspruchsvoll, enorm arbeitsaufwendig – und deshalb für viele Bio-Bauern unattraktiv. Auf lediglich rund 11 Hektaren wurden bislang schweizweit Bio-Zuckerrüben angebaut. Zum Vergleich: Bei konventionellen Zuckerrüben sind es knapp 20’000 Hektaren.

Jährlich produzierten Bio-Landwirte bislang lediglich rund 200 Tonnen Zuckerrüben. Die Zuckerfabrik in Frauenfeld TG verarbeitete diese Kleinstmenge aus wirtschaftlichen Gründen zusammen mit Knospe-zertifizierten Bio-Zuckerrüben aus Süddeutschland und stellte daraus einen Zucker her, auf dessen Verpackung zwar die Knospe von Bio Suisse prangte, aber kein Schweizer Kreuz.

Nachfrage vorhanden

"Wir sind überzeugt, dass es eine Nachfrage für Schweizer Bio-Zucker gibt", sagt Coop-Sprecherin Andrea Bergmann auf Anfrage. Denn vielen Bio-Konsumenten sei es ein grosses Anliegen, wenn die Transportwege möglichst kurz seien. Um von der vorhandenen Nachfrage profitieren zu können, haben Bio Suisse, der Verband der Zuckerrübenpflanzer und die Schweizer Zucker AG ein Projekt lanciert, um den Anbau von Bio-Zuckerrüben zu fördern.

Unter anderem erhalten Produzenten seit letztem Jahr pro Tonne eine Zusatzprämie zum – im Vergleich zum konventionellen Rübenpreis - ohnehin deutlich höheren Grundpreis (siehe Kasten). Ziel sind 12'000 Tonnen bis 2023, dazu sind rund 200 Hektaren nötig. Einen ersten Erfolg konnten die Projektpartner bereits feiern. Die Anbaufläche stieg im letzten Jahr um 8 auf 19 Hektaren. Mit 1'100 Tonnen wurden im letzten Jahr so viele Schweizer Bio-Zuckerrüben geerntet wie schon lange nicht mehr. Das Resultat sind 160 Tonnen Schweizer Bio-Zucker.

Swissness-Ausnahme

Diese kommen nun im April in die Läden von Coop. Auf der Verpackung sind die Knospe von Bio Suisse sowie ein Schweizer Kreuz abgebildet. Dies, obwohl der Zucker aus Schweizer und süddeutschen Bio-Zuckerrüben gewonnen wurde. "Die Menge an Schweizer Bio-Zuckerrüben ist derzeit zu klein, eine separate Verarbeitung ist nicht möglich", sagt Catherine Metthez, Leiterin Marketing und Verkauf bei der Schweizer Zucker AG.

Mit dem Schweizer Kreuz werden lediglich 160 Tonnen beworben. Das entspricht der letztjährigen Produktionsmenge an Schweizer Bio-Zucker. Der Rest trägt zwar das Knospe-Logo, aber kein Schweizer Kreuz. Auf der Verpackung findet sich ein entsprechender Hinweis. "Wir informieren die Konsumenten transparent", sagt Metthez.

Neue Produzenten gesucht

Die Branche hofft, dass die Auslobung als "Schweizer Bio-Zucker" eine Sogwirkung entfaltet und mehr Bio-Produzenten in den Zuckerrüben-Anbau einsteigen werden. "Wir wollen möglichst schnell die Mengen steigern, damit die separate Verarbeitung umgesetzt werden kann", sagt Metthez.

Michele Hostettler, Produktmanager Ackerkulturen bei Bio Suisse, betont: "Wir brauchen dringend mehr Bio-Zuckerrüben-Produzenten." Angedacht sei, eine Wissensplattform ins Leben zu rufen. Diese soll Klarheit schaffen in Bezug auf den Anbau. "Viele Bio-Bauern finden Zuckerrüben zwar eine interessante Kultur, sind aber wegen des Unkrautdrucks und des hohen Arbeitsaufwands besorgt", erklärt Hostettler. Eine positive Nachricht kann Hostettler für dieses Jahr bereits vermelden: "Die Anbaufläche erhöht sich 2018 um weitere 40 Hektaren."

Bio-Zuckerrüben: Attraktive Preise, anspruchsvoller Anbau

Der Anbau von Bio-Zuckerrüben unterscheidet sich stark vom konventionellen Anbau. "Das Bio-Saatgut ist weder mit Fungiziden noch mit Insektiziden gebeizt", erklärt Andreas Bertschi von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenanbau. Zudem dürften Bio-Bauern keine synthetisch hergestellten Pflanzenschutzmittel verwenden. Der Anbau werde dadurch sehr aufwendig, riskant und erfordere viel Handarbeit. "Die Unkräuter im Griff zu haben, ist die grösste Herausforderung in der Bio-Produktion", betont Bertschi.

Ein weiterer Grund für das bisher mässige Interesse der Bio-Produzenten: Stellt ein Bauer auf Bio um, muss er die ersten zwei Jahre seine Bio-Zuckerrüben in den konventionellen Kanal liefern – zu weit tieferen Preisen und das bei höheren Produktionskosten. Das schreckt viele Umsteller ab. Deshalb sind viele Zuckerrüben-Bauern nach der Umstellung auf Bio aus der Zuckerrüben-Produktion ausgestiegen. "Diese wechseln dann kaum mehr zurück zu Zuckerrüben, sondern bleiben bei anderen Kulturen", erklärt Bertschi. Zum Beispiel bei Gemüse.

Die Interprofession Zucker hat nun reagiert und zahlt künftig eine Umstellprämie. Bauern, die auf Bio umstellen, erhalten in der Umstellphase zusätzlich 40 Franken pro Tonne. Das kompensiert zwar nur einen Teil der Differenz zum Bio-Preis, soll aber dennoch die zweijährige Durststrecke lindern helfen. Rein preislich ist der Anbau von Bio-Zuckerrüben attraktiv. Der Grundpreis ist mit 124 Franken pro Tonne drei Mal so hoch wie derjenige für konventionelle Zuckerrüben.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE