19.06.2017 17:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Tabak
Bringt hohe Deckungsbeiträge
In der Schweiz werden derzeit Tabakpflanzer gesucht. Die Kultur generiert höchste Deckungsbeiträge, aber auch Arbeit. Eine Alternative also für Milchproduzenten, die sich überlegen, aus der Produktion auszusteigen.

«Auf die Hektare gesehen ist der Tabak eine interessante Kultur.» Dies das Fazit von Andreas und Monika Schum aus Willisdorf TG. Damit bringt das Paar aber nur einen wirtschaftlichen Aspekt des Tabakanbaus auf den Punkt. Denn auf die Fläche gerechnet, schlägt der Tabak-Deckungsbeitrag tatsächlich jede Getreidesorte (vgl. Kasten). Wieso aber der Stundenlohn dennoch tiefer als beim Weizen ist, wird einem auf dem Betrieb von Andreas und Monika Schum schnell klar.

Wenig Stickstoff nötig

Für das Paar beginnt die Arbeit mit den Sorten Virgin und Burley bereits im März. Sie ziehen die Setzlinge nämlich selbst. Auf den Virgin-Flächen entzieht Andreas Schum zudem vorab Nährstoffe. «Der Virgin braucht im Gegensatz zum Burley kaum Stickstoff», erklärt er. Er habe deshalb vor der Pflanzung eine Raygras-Mischung gesät und siliert. Auch bei der Pflanzung sei auf Sorte und Erntemaschinen Rücksicht zu nehmen.

Als Mittelwert gelten rund 30'000 bis 35'000 Pflanzen pro Hektare. Mit 800 mm Niederschlag pro Jahr sei er zudem an der unteren Grenze, dass er den Tabak nicht wässern müsse. Ansonsten seien leichte, durchlässige Böden ideal. Nebst dem einmaligen Herbizideinsatz wird zwischen den Reihen maschinell zweimal und in den Reihen einmal von Hand gehackt.

Sechs- bis siebenmal Ernten

Alle zehn Tage müsse ausserdem gegen Blauschimmel gespritzt werden. Acht Wochen nach dem Setzen werde dann auch bereits das erste Mal geerntet. «Von Mitte Juli bis Beginn Oktober können wir sechs- bis siebenmal die untersten Blätter abernten», erklärt Schum. Diese Zeit sei sehr intensiv, in der auch die Arbeit der Bäuerin nicht zu unterschätzen sei. «Ich kümmere mich um die Verköstigung und die Beherbergung der Arbeiter, und es ist sehr wichtig, dass diese zufrieden sind. Wir sind auf sie angewiesen», erklärt Monika Schum.

Einmal geerntet, müssen die Blätter dann so rasch als möglich getrocknet werden können. «Es besteht die Gefahr, dass der Tabak zusammenklebt. Es empfiehlt sich daher, die Blätter direkt auf dem Betrieb zu trocknen.»

Arbeitsspitzen brechen

So haben Andreas und Monika Schum in zwei Trocknungsöfen investiert. Denn im Gegensatz zur Sorte Burley, wo der Tabak in den typischen Scheunen zum Trocknen aufgehängt wird, entzieht man beim Virgin-Tabak das Wasser mittels Ofen. «Die Trocknung ist ein heikler Prozess. In mehreren Stufen entziehen wir den Blättern die Feuchtigkeit, bis wir rund 95 Prozent Trockensubstanz erreicht haben», so Schum.

Für die Sortierung müssten die Blätter dann wiederum befeuchtet werden. Das anschliessende Verlesen brauche dann noch einmal fast so viele Hände wie die Ernte. Der letzte Schritt in der Produktion sei dann der Transport des Virgin-Tabaks nach Payerne VD. Die Anlieferung sei ebenfalls Sache des Produzenten.

Abschliessend lässt sich festhalten, dass mit dem Tabakanbau ein guter Umsatz auf dem Betrieb erzielt werden kann. Beim Vergleich zwischen einer Hektare Tabak und 14 Milchkühen gilt es aber zu berücksichtigen, dass der Tabak extreme Arbeitsspitzen kennt. Wer diese Arbeit durch den temporären Einsatz von Arbeitskräften zu brechen weiss, für den ist die Kultur eine sicher zu prüfende Option.

Wie 14 Milchkühe

Gut 20 Franken Stundenlohn. Dies liegt ungefähr im Schweizer Tabakanbau drin. Nicht viel, wenn man dies beispielsweise mit einer Top-Winterweizen-Sorte vergleicht. Hier liegt gemäss Deckungsbeitrag von Agridea mehr als dreimal mehr drin. Und doch kann gerade der Tabakanbau für viele Betriebe derzeit eine Alternative sein. Besonders für solche, die eventuell aus der tierischen Produktion aussteigen und nach umsatzträchtigen Betriebszweigen suchen und so nicht einem zusätzlichen Nebenerwerb nachgehen müssen. Der Tabak ist nämlich ebenfalls äusserst arbeitsintensiv.

Gemäss Agridea-Deckungsbeitragskatalog liegt der Arbeitsaufwand bei ungefähr 1100 Stunden pro Hektare. Beim Weizen sind es deren 40 Stunden. Entsprechend variieren auch die Deckungsbeiträge (Ertrag minus Direktkosten). 23'120 Franken beträgt dieser beim Tabak, 2'652 Franken beim Winterweizen. Die Zahlen beinhalten noch keine Beiträge und gelten für den ÖLN-Anbau. Demzufolge entspricht eine Hektare Tabak dem Aufwand von 14 Milchkühen. Allerdings steht der Tabak wohl etwas besser im Kurs. Denn es wären zusätzliche Kapazitäten vorhanden. Für die Sorte Virgin besteht derzeit ein Produktionsvolumen von 50 Tonnen, was etwa 20 Hektaren entspricht. Das Interesse von Landwirten ist aber bisher bescheiden. rab


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