12.06.2019 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Bio-Ackerbautag
Boden steht im Fokus am Bio-Ackerbautag
Der landwirtschaftlich genutzte Boden ist unter Druck. Er wird zu intensiv bearbeitet. Das geplante Kompetenzzentrum Boden soll aufzeigen, wie es um unsere Nahrungsgrundlage steht und wie man sie schützen kann.

Wolfgang Sturny von der Fachstelle Boden des Kantons Bern stellt eine Hypothese auf: «Eines der grösseren Probleme in der Schweiz ist das verhältnismässig viele Geld, das in der Landwirtschaft in den Kauf immer grösserer und schwererer Traktoren und Anbaugeräte investiert wird. Damit wird der Boden oftmals zu intensiv bearbeitet.» 

Auf Pflug umgeschwenkt

Im Zug  der Glyphosatdiskussion seien viele Bauern wieder auf den Pflug umgeschwenkt. Dies habe Folgen: «Die kantonale Bodenbeobachtung zeigt, dass beim intensiven Pflügen 30 Prozent weniger Regenwürmer vorkommen, dreimal weniger Wasser infiltriert wird und dass  ein dreimal grösseres Erosionsrisiko im Vergleich zu langjährigen Naturwiesen- und Direktsaatflächen besteht.» Auf diesen Böden kommt es durch die Pflugsohle vermehrt zur Bodenverdichtung, was die Regenwürmer dezimiert, die ja eigentlich den Boden lockern sollten. 

Brennpunkt Boden

Das bietet der «Brennpunkt Boden» am Bio-Ackerbautag:

Am  Infoposten wird der Boden vorgestellt als Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion, und es gibt Beispiele zum Bodendruck (Schneeschuhe–Stöckelschuhe)

Der Posten «Bodenbiodiversität» geht auf die Vielfalt der Bodenlebewesen ein, die zur Fruchtbarkeit des Bodens beitragen. Mit Mikroskopen kann man einen Blick in den Boden werfen. Im Kunstprojekt «Sounding Soil» sind akustische Aufnahmen verschiedener Böden zu hören.

An einem weiteren Posten ist ein grosses, begehbares Bodenprofil ausgehoben. Dort werden die verschiedenen Bodenhorizonte erklärt, und die Mächtigkeit des Bodens wird demonstriert.

Ein Posten widmet sich der Spatenprobe als Hilfsmittel, um die obersten 45cm des Boden zu beurteilen: In dieser Bodenschicht findet man Regenwurmgänge, die Pflugsohle und Krümelstrukturen.

Am Posten Bodendruck werden live der Bodendruck von Landmaschinen mit verschiedenen Radlasten und Reifendruck gemessen und die Auswirkungen auf den Ober- und den Unterboden gezeigt.

Der Posten zum Thema Boden, Wasser, Klima und Erosion beinhaltet ein Modell, mit dem Erosion simuliert wird und verglichen, wie widerstandsfähig verschieden bewachsene Böden sind. sum

Doch die intensive Bodenbearbeitung hat laut Sturny  auch Folgen fürs Wasser und die Luft, weil Dünge- und Pflanzenschutzmittel   mit   intensiven Niederschlägen in Oberflächengewässer gelangen können. Zudem belasten Feinstoffpartikel die Luft.

Kompetenzzentrum 

Zur Zeit wird das  Kompetenzzentrum Boden aufgebaut. Dieses wurde über eine Motion initiiert, wird fürs Erste von den Bundesämtern für Umwelt, Landwirtschaft und Raumentwicklung finanziert und ist an der Hafl in Zollikofen BE stationiert. «Dort geht es in erster Linie um Bodeninformationen.  Leider haben wir in der Schweiz keine ganzheitliche Bodenkarte, eine solche ist erst in einigen Kantonen im Aufbau. Wir brauchen aber mehr detaillierte Informationen zum Boden, um die fruchtbarsten Flächen vor Überbauung zu schützen», warnt der Fachmann. 

Drei Pfeiler

Wenn man vom pfluglosen Anbau redet, redet man von der konservierenden Landwirtschaft. Sie beinhaltet drei Pfeiler: keine wendende Bearbeitung, eine permanente pflanzliche Bodenbedeckung und eine vielfältige Fruchtfolge. 

Ein Hilfsmittel auf dem Weg zur konservierenden Landwirtschaft  soll das Elektroherbizid sein, mit dem die Unkrautbekämpfung anstatt mit  Herbiziden mit Strom stattfinden kann. «Im Hinblick auf die Trinkwasserinitiative ist wesentlich, dass wir Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln haben», betont Sturny.

Das Programm des Bio-Ackerbautages am 13. Juni

8.30 Uhr:  Eröffnung Ausstellerbereich, Kaffee, Tee und Biozopf in der Festwirtschaft
9.00 Uhr: Begrüssung und Gastreferat
9.30 Uhr: Präsentation Feldposten
11.30 Uhr: Maschinendemonstration
12.00 Uhr: Apéro und Mittagessen
13.30 Uhr: Präsentation Feldposten
15.30 Uhr: Maschinendemonstration
17.00  Uhr: Ende der Veranstaltung

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