15.06.2016 13:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Wetter
Beeren und Kartoffeln faulen
Seit Wochen ist es zu nass. Erdbeerproduzenten können zwar ernten, doch verursachen faule Früchte Mehrarbeit. Schlimmer trifft es die Kartoffelproduzenten. Sie rechnen mit Ertragseinbussen – das zweite Jahr in Folge.

Martin Dändliker aus Hombrechtikon ZH baut auf 80 Aren Erdbeeren an. Ihnen setzt das nasse Wetter zu. «Die Beeren beginnen rasch zu faulen», beobachtet er, «das macht die Ernte aufwendiger, die Pflückleistung und der Anteil Klasse-I-Beeren sinken.»

Durchschnitts-Monatsmenge oft erreicht

Diese Einschätzung bestätigt Josef Christen vom Schweizer Obstverband: «Die Produzenten haben mehr Aufwand, um faule Früchte zu entfernen. Sie sind gefordert.» Menge und Qualität der diesjährigen Schweizer Erdbeerernte seien aber zufriedenstellend.

Schon der Mai war in den meisten Regionen deutlich zu nass. Vielerorts wurde laut Eva Stehrenberger von Meteotest rund 150 Prozent der normalen Monats-Regenmenge gemessen. Die ersten beiden Juniwochen fielen vor allem am Nordrand und im Westen der Schweiz ins Wasser: «Dort ist die Durchschnitts-Monatsmenge oftmals schon erreicht.»

Schlechtes Kartoffeljahr

Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten, ist besorgt: «Die Situation ist aussergewöhnlich. Schon heute steht fest, dass die Ernte unterdurchschnittlich ausfallen wird. Auf grossen Flächen liegen die Kartoffeln im Wasser, sie keimen nicht mehr. Wo sie aufgelaufen sind, geht das Wachstum nicht voran. Und einige Hektaren wurden noch gar nicht gepflanzt.»

Gefahr drohe auch von der Krautfäule: «Der Krankheitsdruck ist gewaltig, und Pflanzenschutzmassnahmen sind nur schwer möglich.» 2016 sei das zweite schlechte Kartoffeljahr in Folge, betont Fischer: «Das trifft die  Produzenten hart. Sie haben 2015 schon finanzielle Einbussen erlitten und müssen nun mit weiteren Mindereinnahmen rechnen. Ich fordere unsere Abnehmer auf, der aktuellen Situation Rechnung zu tragen und die Produzenten bestmöglich zu unterstützen.»

Nun hofft er auf eine Wetterbesserung: «Die nächsten Wochen werden entscheidend. Wir hoffen, dass es trockener und wärmer wird – aber nicht zu extrem. Hitze würden die gestressten Pflanzen kaum verkraften.» Hitze ist laut Stehrenberger nicht in Sicht: «Bis morgen fallen grosse Regenmengen. Da die Böden gesättigt sind, könnte das Probleme geben. Nächste Woche dürfte es etwas wärmer und trockener werden. Ein stabiles Hoch zeichnet sich weiterhin nicht ab.»

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