21.08.2014 09:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Getreide
Auswuchs beschäftigt alle
Hohe Feuchtigkeiten und Auswuchs machen die diesjährige Getreideernte zur Herausforderung für alle Beteiligten. Zwei Experten erklären die Problematik von Auswuchs beim Backen und in der Fütterung.

Noch ist die Weizenernte nicht überall abgeschlossen. Die Landi Düdingen zum Beispiel meldet, dass in ihrer Region erst rund 80 Prozent des Weizens gedroschen seien. Und vor allem in höheren Lagen sieht man noch viel stehenden Weizen.

Andernorts ist zwar aller Weizen gedroschen, die Landwirte konnten aber noch nicht alle ihr Getreide abliefern. Grosse Erträge, viel Deklassierungen, verschiedene Qualitäten (z.B. Proteingehalt) und vor allem ein hoher Trocknungsaufwand brachten die Sammelstellen an ihre logistischen Grenzen.

Hauptthema: Auswuchs

Ertragsmässig sieht es mehrheitlich gut aus. Die meisten Sammelstellenleiter sprechen von guten bis sehr guten Erträgen. Das Thema Auswuchs ist jedoch in aller Munde. Je nach Sammelstelle wird von 10, 20, 30% oder vereinzelt auch mehr Auswuchsgetreide gesprochen. Suisse Granum gibt noch keine Zahlen heraus. Dazu sei es noch zu früh, heisst es auf Anfrage.

Zu tiefe Fallzahlen betreffen auch Produzenten von IP-Suisse-Getreide. Die IP-Suisse setzt ihre Fallzahlgrenze für aufbereitete Posten ab Sammelstelle bereits bei 240 Sekunden fest. Ausnahme ist die Sorte Runal, dort gelten die üblichen 220 s. Ist also ein Versorgungsengpass mit IPS-Getreide zu befürchten? «Noch ist es zu früh, um präzise Aussagen machen zu können», sagt Fritz Rothen, IPS-Geschäftsführer. «Die Ernte ist noch nicht überall abgeschlossen.» Erste Umfrageergebnisse bei Sammelstellen würden zeigen, dass der Anteil IPS-Auswuchsgetreide von null bis 40% schwanke. 

«Wir haben aber heuer mehr Fläche anbauen lassen und  haben letztes Jahr begonnen, ein strategisches Lager anzulegen», erklärt Rothen. Zudem seien die Erträge vielerorts sehr gut. Alle diese Faktoren würden helfen, dass der Markt hoffentlich mit genügend IPS-Getreide versorgt werden könne. 

Sorte spielt grosse Rolle

An der Fallzahlgrenze ab Sammelstelle von 240 s wird die IP-Suisse festhalten. «Da vielerorts auch IPS-Posten mit Fallzahlen um die 300 s angeliefert wurden, ist es möglich, mittels Mischen auch Posten leicht unter 240 s noch als Brotgetreide  zu platzieren», so Rothen. 

Der Auswuchs sei vor allem sortenbedingt. Claro sei besonders negativ aufgefallen. Aber auch  Frühsaaten seien häufig ausgewachsen. Bedenklich sei, dass zum Teil der Richtpreis von 36.50 Fr./dt für Futterweizen nicht mehr bezahlt werde. «Einige Abnehmer zahlen noch 34 Fr. und weniger», weiss Rothen. Sammelstellen, die selber Futter mahlen, würden eher noch den Richtpreis bezahlen.

Richtpreisdiskussion

«Was schlussendlich für einen Posten Futterweizen bezahlt wird, hängt davon ab, wie der Posten in der Sammelstelle aufgearbeitet wurde», sagt Hans-Melk Halter von der UFA. Er erklärt das Prinzip: «Wenn der sichtbare Auswuchs (Schwänze) ein gewisses Mass überschreitet, ist die Ware minderwertig. Weist jedoch ein aufbereiteter Auswuchs-Futterweizenposten keine sichtbaren Schwänze und ein genügendes Hektolitergewicht von 73 kg und mehr auf, wird mit dem Futterweizenpreis abgerechnet.»

Auswuchsgetreide in der Fütterung

Auswuchsgetreide enthält aufgrund der einsetzenden Keimung relativ viel Zucker. Deshalb sind die Kohlenhydrate im Verdauungstrakt rascher verfügbar als bei normalem Futtergetreide.

«Auswuchsgetreide reagiert im Verdauungstrakt der Tiere nicht genau gleich wie normales Futtergetreide und muss daher gezielt in der Fütterung eingesetzt werden», erklärt Hans-Melk Halter, Leiter Technischer Dienst bei der UFA. Bei Wiederkäuern beispielsweise bestehe sonst die Gefahr einer Pansenübersäuerung aufgrund des zu raschen Abbaus von Stärke und Zucker. Der Anteil von Auswuchsgetreide in einem Futtermittel darf also nicht zu hoch sein.

Nebst einem Energie- und Proteinverlust, wenn der Weizen auswächst, ist er auch schlechter lagerfähig. Dies bedingt eine separate Lagerung und eine rasche Verwertung. gro

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