17.10.2018 07:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Lüthi
Klima
10'000 ha Land neu bewässern
Die Bauern benötigen Bewässerungsmöglichkeiten, damit sie auch in Zukunft produzieren können. Projekte dafür liegen vor.

Im Kanton Waadt sind entlang des Murten- und des Neuenburgersees mehrere neue Bewässerungsprojekte geplant, erläutert der Landwirtschaftsdirektor des Kantons Waadt, Frédéric Brand, in einem Gespräch. 

Warmes, trockenes Klima

Realisiert werden sollen diese rund um die Gemeinde Faoug am Murtensee sowie rund um die Gemeinden Cudrefin, Chevroux, Yvonand und Grandson entlang des Neuenburgersees. Weitere solche Ideen gebe es auch für Gebiete entlang des Genfersees. Die Projekte bei Faoug, Chevroux und Yvonand hätten aktuell das Stadium «Vorprojekt» erreicht, bei den Übrigen handle es sich noch um Ideen. 

Weiter erklärt Brand, dass die Idee und der Wunsch von den Landwirten ausgehen. Sie benötigten diese Bewässerungsprojekte, um auch in Zukunft produzieren zu können. Gemäss Studien von Forstfachleuten müsse, so Brand, damit gerechnet werden, dass um 2050 im Mittelland ein trockenes, warmes Klima vorherrschen werde, vergleichbar dem heutigen Klima rund um den Mont Ventoux in der Provence (F). In Zukunft sei es zudem immer weniger möglich, Bewässerungswasser aus Fliessgewässern zu pumpen.

Juragewässer-Korrektion

Sind die Projekte auch im Zusammenhang mit einer dritten Juragewässer-Korrektion zu sehen? Der Zusammenhang bestehe darin, so Brand, dass es dabei einerseits darum gehe, in ihrem Perimeter die Gebiete mit fruchtbaren Böden für die Produktion zu erhalten und andererseits auf die negativen Folgen der zweiten Juragewässerkorrektion (Moorbödenabsenkung, Schäden am Drainagesystem) zu reagieren.

Zusätzlich müssten Massnahmen ergriffen werden, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Interessant sei die Berechnung des Einflusses der neuen Bewässerungsprojekte auf das Niveau der Seespiegel: Würden alle fünf Projekte mit voller Bewässerungsleistung ohne Unterbruch während zwei Monaten laufen, so würde der Seespiegel des Neuenburgersees nur um 2 cm sinken.

Auch für Futterbau

Das Ziel sei, 10'000 ha Land innerhalb von zehn Jahren neu bewässern zu können, führt Frédéric Brand das Projekt weiter aus. Dies entspreche rund 20% der Ackerfläche des Kantons Waadt. Der Zeitrahmen erstrecke sich von 2016 bis 2026. In Zukunft müssten jedoch nicht nur Acker- und Gemüsekulturen bewässert werden, sondern neu zur Sicherung der Milchproduktion zusätzlich der Futterbau. So sehe es auch der für die Landwirtschaft zuständige Regierungsrat Philippe Leuba in seiner Vision für eine produktive Landwirtschaft.

Der Kanton Waadt hat das Ziel, dass das Bewässerungswasser weniger als 1 Franken pro m3 kosten wird und die Investitionskosten pro Hektare unter 2000 Franken zu liegen kommt. Kostentreibend sind die geforderten Höhenunterschiede zwischen den Pumpstationen und dem Verwendungsort sowie der nötige Wasserdruck vor Ort. Eine zu bewältigende Höhendifferenz von rund 300m in Yvonand (Projektkosten von 30 Mio. Franken) oder die Anforderung des gleichzeitigen Bewässerns mit 8 bis 12 Rollomaten in Chevroux koste viel Geld. 

Chancen genutzt

Hier sowie bei der anzuwendenden Bewässerungstechnik und dem Material liege noch viel Sparpotenzial, meint Brand. Für die Finanzierung der Projekte sieht der Landwirtschaftsdirektor eine Lösung innerhalb der vom Bund vorgesehenen Möglichkeiten bei der AP 22+. Er hat dabei den neuen darin vorgeschlagenen Verteilschlüssel von 70% (Bund) und 30% (Kanton) im Auge.

Doch das Projekt wird nicht von allen Seiten gutgeheissen. Es gibt Einwände: Agroscope äusserte zum Beispiel die Meinung, dass die Produktion in der Region Broye, die ein sehr intensives Ackerbaugebiet ist, extensiviert werden müsse. Dort, so Brand, gebe es jedoch rund um Payerne hervorragende, tiefgründige Braunerdeböden. Sei Wasser vorhanden so müsse an solchen Standorten produziert werden.

Jede Kultur in der Geschichte habe solche Chancen genutzt. Auch im Wallis werde mit Hilfe der Suonen seit Jahrhunderten bewässert. Niemand wolle schlussendlich verhungern, ist Brand überzeugt.

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