15.04.2015 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Zuckermarkt
Zuckerpreis ist auf Talfahrt
Die Schweizer Zucker AG (SZU) bezahlt den Zuckerrübenpflanzern noch 45 Franken pro Tonne. Dabei läge der Richtpreis eigentlich bei 53 Franken pro Tonne. Grund ist laut SZU der stark gesunkene Zuckerpreis in der EU.

Viele Rübenpflanzer sind unzufrieden mit der Abrechnung, welche sie von der SZU erhielten. Das zeigt sich auch in den Leserbriefspalten. Das Vorgehen der SZU mit der Preisreduktion erachte er «als Vertragsbruch an uns Bauern», schrieb etwa Urs Stucki-Gerber aus Kappelen BE am Samstag im «Schweizer Bauer».

3 Franken fehlen

Auch Thomas Krähenbühl aus Röthenbach bei Herzogenbuchsee BE übte am vergangenen Mittwoch Kritik: «Ich stelle fest, dass wir Produzenten nicht den Richtpreis von 53 Fr./Tonne bekommen, sondern nur 45 Fr./Tonne.» Nach der Branchenvereinbarung 2014 wären jedoch mindestens 40 Fr. und +8 Fr aus Rückstellungen vereinbart.

SZU-Chef Guido Stäger weist auf Anfrage darauf hin, dass der Rübenpreis in drei Tranchen ausbezahlt werde. Und als Vorsichtsmassnahme sei für die zweite Tranche mit 45 Fr/Tonne gerechnet worden. «Je nach Resultat der Zuckerverkäufe wird dann im Juni in der Interprofession die dritte Tranche und damit der Gesamtpreis festgelegt», fügt er an.

Schweizer Zucker rechnet mit gedrückten Preisen

Zwar räumt Stäger ein, dass im Branchenabkommen tatsächlich vorgesehen sei, 8 Franken aus den Rückstellungen zu entnehmen. Die Rückstellungen seien dazu da, Schwankungen beim Zuckerpreis zu absorbieren. Der Zuckerpreis sei in der EU im Laufe eines Jahres von 700 Euro auf deutlich unter 500 Euro gesunken, gleichzeitig habe der Schweizer Franken 15 Prozent an Wert gegenüber dem Euro gewonnen. Wegen dem Auslaufen der EU-Quotenregelung 2017 sei über mehrere Jahre mit einem gedrückten Zuckerpreis zu rechnen. «Es geht also darum, haushälterisch mit den Rückstellungen umzugehen», so seine Argumentation.

Könnte im düsteren Marktumfeld eine wortgetreue Auslegung der Swissness eine Chance sein? «Die Swissness-Gesetzgebung ist grundsätzlich positiv für die Branche. Aber viele Abnehmer sind nicht auf das Schweizer Kreuz auf ihren Produkten angewiesen und können deshalb auch in Zukunft Importzucker einsetzen», befürchtet Stäger. Andererseits sei es durchaus verständlich, dass die Schweizer Nahrungsmittelindustrie konkurrenzfähige Rohstoffpreise verlange.

«Bei tiefen Importpreisen sollten wir für die Vorzüge des Schweizer Zuckers eine gewisse Qualitäts- und Herkunftsprämie verlangen dürfen, bei höheren Zuckerpreisen müssen wir aber mit den EU-Preisen mithalten können», meint der SZU-CEO. Eine solche Branchenlösung sollte gemäss Züger «einen gewissen minimalen Rübenpreis garantieren und damit hoffentlich eine minimale Planungssicherheit im Rübenanbau und in der Zuckerherstellung» ermöglichen.

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