22.07.2015 09:48
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Deutschland
Zu dominant: Tönnies darf Mitbeweber nicht übernehmen
Der Fleischverarbeiter Tönnies darf das Schlachtunternehmen Tummel nicht übernehmen. Diese Entscheidung hat der Kartellsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf getroffen, womit ein schwelender Streit zwischen dem Bundeskartellamt und der Tönnies-Holding beendet wurde.

Nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hatte Tönnies bereits im März 2011 angekündigt, eine Mehrheitsbeteiligung an dem Schlachtunternehmen Tummel übernehmen zu wollen, was jedoch vom Kartellamt untersagt wurde.

Marktbeherrschend

Bei der Beschaffung von Schlachtsauen sowie dem Vertrieb von Sauenfleisch an Fleischverarbeiter in Deutschland habe Tönnies eine marktbeherrschende Stellung inne, berichtet fleischwirtschaft.de. Diese hätte sich durch den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am Schlachthof Tummel weiter verstärkt, begründete 2011 Präsident Andreas Mundt vom Bundeskartellamt das Übernahmeverbot. In Deutschland würden aufgrund der hier konzentrierten Wurstherstellung etwa 65 Prozent aller in der EU geschlachteten Sauen zerlegt und abgesetzt.

Tönnies ist mit einem Umsatz von rund 5,6 Milliarden Euro (6,7 Mrd. Fr.) (2014) Marktführer in Deutschland. Die Übernahme von Tummel durch Tönnies hätte die Wettbewerb weiter eingeschränkt, so die Wettbewerbshüter in Bonn.

Schweinehalter lieferten Fakten

Daraufhin habe Tönnies Beschwerde beim OLG Düsseldorf eingelegt, das am 1. Juli 2015 das endgültige Urteil verkündet und hierin weitestgehend die Bedenken des Kartellamtes geteilt habe. Die ISN, die als Beigeladene in diesem Kontrollverfahren mitwirkte, hat nach eigenen Angaben die Bedenken des Bundeskartellamts mit zahlreichen Fakten untermauert.

„Wenn gleich die Dauer des Verfahrens mit mehr als vier Jahren nicht in unserem Sinne war und für alle Beteiligten eine grosse Belastung dargestellt hat, wird jedoch die Komplexität des Verfahrens deutlich, und im Ergebnis sehen wir uns in unserer Einschätzung bestätigt“, erklärte Marktexperte Matthias Quaing. Bereits seit Längerem beobachte die ISN den Sauenmarkt intensiv und habe ihre wettbewerblichen Bedenken, die der Zusammenschluss hervorgerufen hätte, immer wieder betont.

Wettbewerb wichtig

Die ISN hob hervor, das sie auch in Zukunft mögliche Zusammenschlüsse im Hinblick auf die ohnehin schon stark konzentrierte Marktstruktur genau im Blick behalten werde. Es sei unbestritten, dass die Schweinehalter schlagkräftige Abnehmer brauchten. Genauso brauchten sie aber auch ausreichend Vermarktungsalternativen, um den Wettbewerb unter den Schlachtunternehmen zu erhalten und um Hauspreise auch mal umfahren zu können.

Das Problem sei mit der Entscheidung des OLG jedoch nicht gelöst, räumte die ISN ein. Seit Monaten ignorierten die drei grossen Sauenschlachter die Notierung der Vereinigung der Produzentengemeinschaften und veröffentlichten immer gleichlautende Preise auf ihren Internetseiten. Dieses Verhalten sei nicht hinnehmbar, und die Landwirte sollten dies bei dem Verkauf ihrer Tiere berücksichtigen.

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