3.07.2019 15:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Wie weiter beim Bio-Brotgetreide?
Die Richtpreise für die diesjährige Bio-Getreideernte werden gesenkt. Damit soll die Attraktivität garantiert werden. Denn der höhere Inlandanteil würde das Bio-Brot verteuern. Wie soll Bio Suisse nun reagieren? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Nachricht ist alles andere als gut: «Höherer Inlandanteil, sinkende Preise». Der steigende Inlandanteil ist offenbar am Markt gar nicht als Mehrwert realisierbar.

Tiefere Preise «garantieren» Absatz

Deshalb werden die Richtpreise für Roggen und Weizen sinken um je drei Franken, neu auf 92 Fr. bei Roggen und bei Weizen auf 103 Fr. pro 100 Kilogramm. Der Richtpreis für Dinkel ist nun bei 109 Fr./dt, also um einen Franken tiefer.

Begründet wird der Abschlag mit den Produktionskosten. «Die steigenden Inlandanteile bei der Verarbeitung haben zur Folge, dass die daraus hergestellten Getreideprodukte teurer werden», schreibt Bio Suisse am Montag in einer Mitteilung. «Eine Anpassung der Richtpreise wurde notwendig, um die Attraktivität und den Absatz vom Inlandgetreide auch bei steigenden Inlandanteilen garantieren zu können», heisst es weiter.

Importe verbilligen Mehl

Da Schweizer Biomehl teurer ist als solches aus dem Ausland, und da der Anteil von Schweizer Getreide zunimmt, müsste der Preis steigen. Höhere Preise lassen sich aber offenbar am Markt nicht realisieren, deshalb werden die Produzentenpreise gesenkt. Mit günstigerem Bio-Importbrotgetreide konnten bis anhin die Mehlpreise «verbilligt» werden.

Das sei nicht die Idee dahinter, stimme aber, heisst es auf Anfrage. Würden die Richtpreise nicht gesenkt, würde das bei einem Kilogramm Brot bloss 2 bis 4 Rappen vom Verkaufspreis ausmachen, sagt Bio-Suisse Lukas Inderfurth von Bio Suisse gegenüber «Schweizer Bauer». Hauptabnehmer wie Coop sind nicht bereit, die Brote in den Läden zu einem höheren Preis zu verkaufen. Der Marktanteil des Biobrotes im Detailhandel liegt derzeit bei rund 25 Prozent.

Bio Suisse förderte Getreideanbau stark

Noch im vergangenen Jahr sendete Bio Suisse ganz andere Signale aus: «Mit dem Belassen der Richtpreise bei deutlich steigenden Inlandanteilen nehmen die Branchenvertreter eine Preiserhöhung beim Rohstoff Mehl in Kauf, was aber durch die ausgezeichnete Nachfrage etwa nach nachhaltig produziertem Brot aus Schweizer Knospe-Getreide gerechtfertigt ist.»  Eine weitere Preiserhöhung ist nun aus der Sicht der Abnehmer nicht mehr gerechtfertigt.

Bio Suisse hat in den vergangenen Jahren den Bio-Getreideanbau gefördert. Vor allem Talgebiet hat die Biofläche deutlich zugenommen. Die Nachfrage nach Bio-Brotgetreide kann durch den starken Zuwachs der Bio-Ackerfläche zunehmend aus dem Inland gedeckt werden.

Im Laden entscheiden Rappen

Die Übernahemengen haben sich von 2013 bis 2018 beinahe verdoppelt. Der Inlandteil beim Weizen erhöht sich den Flächenzuwachs auf 55 Prozent des schweizerischen Gesamtbedarfs (2018: 44%). Beim Roggen steigt der Wert auf 75 Prozent (2018: 48%) und beim Dinkel 85 Prozent (90%). Aus der Ernte 2018 konnten 20'505 Tonnen Schweizer Bio-Brotgetreide übernommen werden, 11% mehr als im Vorjahr.

Die Nachfrage nach (Schweizer) Bioprodukten ist also nicht unendlich. So sagte Coop-Vizechef Philipp Wyss im Februar 2019 zu schweizerbauer.ch, ob es noch Wachstum im Bio-Segment gebe: «Es gibt es nicht mehr viele Bereiche, in denen ein grosses Potenzial brachliegt. Wenn wir ein neues Produkt lancieren, müssen wir dieses zuerst vermarkten können. Denn die Kunden müssen dieses Produkt auch kaufen.» Und durch den verschärften Kampf an der Ladenfront sind nun offenbar auch wenige Rappen entscheidend.

Bio Suisse ratlos

Wie reagiert nun Bio Suisse, um die steigende Menge vermarkten zu können. Die Antwort hört sich ein wenig ratlos an. «Im März 2020 wird die Fachgruppe Ackerkulturen über Massnahmen mit der Branche diskutieren», erklärt Sprecher Inderfurth. Dass eine Warteliste geführt wird wie bei Bio-Milch, wird nicht ausgeschlossen.

Wie sollte Bio Suisse aus Ihrer Sicht reagieren? Neue Abnehmer suchen, Anbauflächen plafonieren oder weiter die Preise senken? Abstimmen und mitdiskutieren

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE