26.06.2018 13:43
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Handel
Wegen Trump: Sojabohnen unter Druck
An der Terminbörse in Chicago rutschte der Preis für Juli-Bohnen auf den niedrigsten Stand seit März 2016. Im Vergleich zu Ende Mai ist die eine Verbilligung um 14 Prozent. Brasilien erwartet eine steigende Sojanachfrage und einen daraus folgenden Preisanstieg. Das ist ein Nachteil für die Fleischwirtschaft.

Im Zuge des Handelsstreits zwischen den Vereinigten Staaten und China sind die Sojabohnennotierungen stark unter Druck geraten. An der Terminbörse in Chicago waren am vergangenen Freitag für Juli-Bohnen nur noch 8,86 $/bu (323 Fr./t) zu zahlen. 

Zoll und Gegenzoll

Bereits am Dienstag zuvor waren die vorderen Kontrakte für diese Ölsaat deutlich unter die Marke von 9 $/bu (329 Fr./t) gerutscht. Zur Wochenmitte war der Preis für Juli-Ware bis auf 8,80 $/bu (321 Fr./t) gesunken. Das war der niedrigste Stand seit März 2016. Der Future verlor binnen drei Wochen 14% an Wert; sein bisheriges Hoch hatte er Anfang März mit 10,83 $/bu (396 Fr./t) markiert.

Auf die US-Zölle von 25% auf mehr als 800 Waren aus China hatte Peking eine Woche zuvor mit der Ankündigung von Gegenzöllen in Höhe von ebenfalls 25% auf rund 660 US-Produkte ab dem 6. Juli reagiert, darunter auch Sojabohnen. Kurz darauf kündigte wiederum US-Präsident Donald Trump an, auf chinesische Waren im Gesamtwert von 200 Mrd. $ (198 Mrd. Fr.) Zölle zu erheben, sollte Peking tatsächlich, wie angekündigt, auf die jüngsten US-Zölle reagieren. 

Brasilianische Veredlungswirtschaft mit Nachteilen

Der Handelsstreit zwischen den USA und China macht international Sorgen. Selbst in Brasilien, dessen Sojaexporteure von den Auseinandersetzungen profitieren dürften, warnte Landwirtschaftsminister Blairo Maggi vor Nachteilen für die heimische Wirtschaft. Die verstärkte Nachfrage der Chinesen nach Soja aus Brasilien dürfte zu einem deutlichen Preisanstieg für brasilianische Bohnen führen.

Das werde die brasilianische Veredlungswirtschaft schädigen, weil sie aufgrund der höheren Produktionskosten international an Wettbewerbsfähigkeit einbüsse, gab der Minister zu bedenken. Das gelte insbesondere im Vergleich mit der US-Fleischbranche, die aufgrund der Sojapreisentwicklung in Chicago nun deutlich niedrigere Futterkosten habe.

Rohstoff verteuert sich

Auch auf Brasiliens Sojaschrothersteller sieht der Minister Nachteile zukommen. Durch die verstärkte Nachfrage der Chinesen, die in erster Linie Sojabohnen einkauften, verteuere sich auch der Rohstoff für die Herstellung von Sojaschrot. Dieses setze Brasilien aber vor allem ausserhalb Chinas ab, etwa in Europa. Dort verlören Brasiliens Sojaschroterzeuger infolge des Preisanstieges aber an Wettbewerbskraft. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) veranschlagte die Gesamteinfuhr Chinas an Sojabohnen im Wirtschaftsjahr 2017/18 in seinem jüngsten Bericht zum globalen Ölsaatenmarkt auf 97,0 Mio. t. 

Der Grossteil davon dürfte aus Brasilien kommen. Laut Zahlen des brasilianischen Dachverbandes der Pflanzenölindustrie (Associação Brasileira das Indústrias de Óleos Vegetais -Abiove) lieferte das Land 2017 insgesamt 53,8 Mio. t Sojabohnen allein nach China, bei einem Gesamtexport von knapp 68,2 Mio. t. Aber auch die USA waren im vergangenen Jahr einwichtiger Handelspartner für Chinas Sojaimporteure. Von den 60,1 Mio. t Bohnen, die die USA 2017 auf dem Weltmarkt verkaufte, gingen 62% nach China.

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