18.01.2016 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Erdöl
Was Irans Rückkehr auf den Ölmarkt bedeutet
Der Iran hat bereits angekündigt, nach dem Ende der westlichen Sanktionen seine Ölexporte rasch wieder auszubauen. Zwar glaubt auch Präsident Hassan Rohani nicht an einen kurzfristigen Boom. Doch klar ist: Die Weltpreise geraten noch stärker unter Druck.

Mit Blick auf den Ölmarkt könnte der Zeitpunkt kaum ungünstiger sein: Der Iran darf nach der Aufhebung von Handelsbeschränkungen, die wegen seines Atomprogramms auferlegt wurden, wieder mehr Rohöl ausführen. Was für die sanktionsgeplagte Wirtschaft Irans eine gute Botschaft ist, könnte die Lage am Rohölmarkt noch weiter zuspitzen. Dort befinden sich die Preise im Sturzflug, und ein Ende ist nicht absehbar. Hauptgrund ist ausgerechnet ein viel zu hohes Angebot an Erdöl - das jetzt noch weiter steigen dürfte.

Ölschwemme

Grund: Bevor der Streit über das iranische Atomprogramm eskalierte, war Iran ein sehr wichtiger Ölförderer. Im Ölkartell Opec (Organisation Erdöl exportierender Länder) war es nach Saudi-Arabien, dem mit Abstand mächtigsten Mitgliedsland, lange Zeit der grösste Produzent. Infolge der Handelssanktionen fiel das Land in der Bedeutung aber zurück.

Zuletzt lag die Tagesproduktion bei weniger als drei Millionen Fass (je 159 Liter), verglichen mit mehr als zehn Millionen Fass pro Tag in Saudi-Arabien. In der Opec rangiert Iran zurzeit an fünfter Stelle. Die Rückkehr Irans hat nun erhebliche Folgen, denn die Welt schwimmt bereits in Rohöl. Die Opec produziert etwa eine Million Fass je Tag mehr als nachgefragt wird. Wichtigster Grund dafür ist ein Preiskampf, mit dem vor allem Saudi-Arabien seine Marktanteile verteidigen will.

Wie tief sinken Preise noch?

Das richtet sich in erster Linie gegen aufstrebende Produzenten aus den USA, die ihre Förderung durch die umstrittene Fracking-Technik stark erhöht haben. Aber auch andere grössere Förderländer wie Russland oder Kanada pumpen immer mehr Öl in den Markt. Das hat die Weltmarktpreise für Rohöl auf den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren einbrechen lassen. Derzeit liegt er unter 30 Dollar, verglichen mit 110 Dollar Mitte 2014.

Die Folgen sind zweischneidig, weil es Gewinner und Verlierer gibt. Zu den Profiteuren zählen Konsumenten sowie Unternehmen in Ölimportländern wie etwa die Schweiz. Verlierer sind dagegen Unternehmen und Länder, die an dem Verkauf von Rohöl verdienen. Das kann zu zahlreichen Problemen führen, weil Firmen Personal abbauen und Staaten Sozialausgaben kürzen müssen.

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