27.01.2017 08:53
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Von der Nische zum Mainstream?
Jeder siebte Deutsche kauft mehr biologisch als konventionell erzeugte Lebensmittel. Das ist eines der Ergebnisse einer Umfrage der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), die vergangene Woche vorgestellt wurde.

Für die Studie „Bio vs. konventionell - Was kaufen Konsumenten zu welchem Preis?“ ist laut Angaben der BVE eine repräsentative Stichprobe von 1'000 Personen ab 18 Jahren im Vorfeld zur Internationalen Grünen Woche (IGW) online befragt worden.

Mehr als ein Trend

Besonders bei Obst und Gemüse griffen die Deutschen mehrheitlich zu Bioprodukten, wobei der „typische Einkäufer“ von biologisch erzeugten Lebensmitteln weiblich sei, jünger als 45 Jahre und über ein höheres Einkommen verfüge, erklärten die Marktforscher. Beim Einkauf von Molkereiprodukten, Fleisch- und Wurstwaren bevorzuge gut jeder dritte Konsument Bioqualität.

Bei allen anderen Produktkategorien spiele diese allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch seien biologisch erzeugte Lebensmittel längst mehr als ein Trend innerhalb einer besonders umwelt- und ernährungsbewussten Konsumentenschicht, stellte der Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC, Gerd Bovensiepen, klar. Sie seien auf gutem Weg, den Massenmarkt zu erobern.

BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff berichtete ergänzend, dass die Konsumenten von Bioprodukten vor allem Gesundheitsvorteile und mehr Tierwohl im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln erwarten würden. Nach Angaben der BVE gaben 52% der Befragten an, Biolebensmittel zu kaufen, da diese weniger gesundheitsschädliche Stoffe wie Antibiotika oder Pflanzenschutzmittel enthielten. Ausserdem bevorzugten 45% der Befragten tierische Bioprodukte aufgrund von Haltungsformen, die besser für das Tierwohl seien.

Nicht jeder Preis wird akzeptiert

Minhoff wies aber darauf hin, dass dennoch nicht jeder Preis von den Biolebensmittelkäufern akzeptiert werde. Bei einem besseren Preis-Leistungsverhältnis und einer grösseren Auswahl greife der Kunde oft zum konventionellen Produkt. Knapp zwei Drittel der Befragten hätten einen günstigeren Preis und rund 36% eine grössere Auswahl als Grund ihrer Entscheidung für die konventionell erzeugten Lebensmittel genannt.

Die Bereitschaft, für Bio mehr zu zahlen, hänge also stark vom Produkt und dem Preisunterschied ab, erklärte Minhoff. Die Zahlungsbereitschaft sei beispielsweise bei Biomilch höher als bei Biofleisch. So waren die Befragten laut BVE im Durchschnitt bereit, 56% mehr für Biomilch im Vergleich zur konventionellen Milch zu bezahlen, was 1,40 Euro für einen Liter Biomilch entspricht.

Nur ein Fünftel geht direkt zum Bauern

Dagegen würden die Umfrageteilnehmer beim Kauf von Biopoulet „nur“ eine Preiserhöhung von durchschnittlich 52% akzeptieren, was beispielsweise einem Preis von rund 3 Euro für 250 g Biobrustfilet entspreche. Nur jeder Fünfte der Befragten war nach Angaben der BVE bereit, den tatsächlichen Preis von 8 Euro dafür zu zahlen.

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, sind Supermärkte und Discounter die Hauptbezugsquellen für Biolebensmittel. Fast drei Viertel aller Biokäufer bezögen ihre Biolebensmittel aus dem Supermarkt, 52% auch aus dem Discounter. Nur 27% beziehungsweise 21% gingen auf den Wochenmarkt oder in den Hofladen eines Bauernhofes, um Biolebensmittel einzukaufen. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE