24.02.2020 17:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Tränkermarkt
Streit am Tränkermarkt
Der Schweizerische Viehhändler Verband (SVV) teilte vergangene Woche mit, dass er per sofort neue Handelsusanzen für Tränker umsetzen wird. Der Schweizer Kälbermäster-Verband (SKMV) wird sich aber nicht an die neuen Bestimmungen halten. Der SKMV will ein Projekt abwarten. Auch Swiss Beef distanziert sich vom SVV.

Der Schweizerische Viehhändler Verband (SVV) ist vergangenen Woche vorgeprescht. Er hat zusammen mit den Integratoren der Kälbermast entschieden, die obere Gewichtslimite bei den Tränkern auf 80 kg Lebendgewicht (LG) per sofort anzuheben.

«Erhöhung macht keinen Sinn»

«Der SVV und die Integratoren der Kälbermast sind überzeugt, dass dieser Entscheid langfristig der richtige ist, dass mit dieser Gewichtsanpassung die Robustheit und somit die Tiergesundheit der gehandelten Tränker verbessert werden kann und dass auch die Mäster von den gesünderen Tränkern profitieren werden», teilte der SVV mit.

Der Kälbermäster-Verband (SKMV) sieht das aber anders. Der SKMV ist zwar nicht abgeneigt, die Handelsbestimmungen anzupassen. Eine höhere Gewichtslimite müsste aber eine bessere Gesundheit zur Folge haben. Dies kann man aus der Sicht des SKMV jetzt noch nicht beurteilen. Eine Anhebung der Limite mache deshalb keinen Sinn. Der Vorstand hat beschlossen, auf die Ergebnisse des Pilotprojekts des Kälbergesundheitsdienstes (KGD) zu warten. 

Nicht mehr Unruhe ins System bringen

Hier werden 2000 Tiere untersucht. Anforderungen sind unter anderem eine Erhöhung der oberen Gewichtslimite der Tränker auf 80 kg LG und eine genügende Versorgung mit Kolostralmilch.

Bis die Resultate vorliegen, wird der SMKV an den Limiten (70 bis 75 kg LG) von Anfang 2020 festhalten. «Für den SKMV ist es in der momentan schwierigen Phase mit verschiedenen Preissystemen wichtig, nicht noch mehr Unruhe ins System zu bringen», heisst es in der Mitteilung von Montag. Am Preissystem wird der SKMV festhalten.

Auch Swiss Beef will keine neue Usanzen 

Auch Swiss Beef will nicht von neuen Handelsusanzen wissen. «Entgegen den Wünschen des Schweizer Viehhändler Verbandes (SVV) und den beiden Integratoren in der Kälbermast gilt für Swiss Beef nach wie vor die obere Limite von 75 kg LG. Auch von Gewichtsabzügen unter 70 kg LG distanziert sich Swiss Beef», heisst es in der Mitteilung von Montagabend.

Swiss Beef bedauere den Alleingang einzelner Händler und der Integratoren. «Bei allem Respekt vor der Tätigkeit der Viehhändler ist es für unsere Mitglieder nicht nachvollziehbar, dass der Handel bestimmt, was wir zu kaufen haben», so die deutlichen Worte der Munimäster.

Einheitliches System seit 2016

Der Richtpreis bei den Tränkern ist seit Jahren umstritten. In den Jahren 2015 und 2018 wurden deshalb Änderungen vorgenommen. Unter Federführung des Schweizer Bauernverbands (SBV) haben Vertreter der Geburtsbetriebe, des Handels und der Mäster im Jahr 2015 ein Richtpreissystem für Tränker erarbeitet. Basis war ein schweizweit einheitliches System mit Qualitätsklassen für die Tränker. 

Im März 2018 wurde ein neues System eingeführt. Dieses umfasste fixierte 30-Rappen-Schritte. Die Parteien meldeten «senken», «unverändert» oder «Preis erhöhen», die Mehrheit entschied anschiessend über die Entwicklung des Richtpreises.

2 Richtpreise

Ruhe kam trotzdem nicht ins Preissystem. Die Richtigkeit der Richtpreise wurde sehr unterschiedlich interpretiert. Aufgrund dieser unterschiedlichen Einschätzungen publiziert die Branche seit Januar 2020 keinen gemeinsamen Richtpreis mehr. ««Die Parteien haben sich gewünscht, dass der Richtpreis die Situation exakter und transparenter dargestellt», sagte Martin Rufer, Leiter Departement Produktion, Märkte und Ökologie beim SBV, im Dezember 2019 zu «Schweizer Bauer». 

Stattdessen geben die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und die Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rindviehzüchter (ASR) seit Anfang Jahr einen eigenen Richtpreis für die Tränker heraus. «Wir werden eine eigene Richtpreistabelle publizieren. Den 30-Rappen-Schritt werden wir beibehalten, die Tabelle werden wir aber leicht abändern», sagte Peter Bosshart, Geschäftsführer des Schweizer Viehhändlerverbandes, zu «Schweizer Bauer». Die Viehhändler geben  einen Richtpreis zusammen mit den Mäster-Verbänden Swiss Beef CH und dem Schweizer Kälbermäster-Verband heraus.

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