26.04.2018 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Handelsstreit
Strafzoll auf US-Soja folgenreich
Sollte China seine Drohung wahrmachen, Sojabohnen aus den USA mit einem Strafzoll von zusätzlich 25% zu belegen, hätte dies nach Einschätzung des Rabobank-Analysten Stefan Vogel weitreichende Konsequenzen für die internationalen Agrarmärkte.

So erwartet der Fachmann dann zunehmende US-Bohnen- und Sojaschrotausfuhren in die Europäische Union. Als Begründung nennt er die voraussichtliche Ausweitung chinesischer Bohneneinfuhren aus Südamerika. 

In der Folge würden sich Bohnen und Sojaschrot aus Südamerika verteuern, so dass sich die Wettbewerbsfähigkeit dieser Herkünfte am Weltmarkt gegenüber US-Ware verschlechtere. Allerdings weist Vogel darauf hin, dass die Kapazitäten der US-Ölmühlen bereits heute schon ausgereizt seien. Deshalb sei die Ausweitung von US-Sojaschrotlieferungen zunächst nur begrenzt möglich. Ausserdem erwartet der Fachmann rückläufige Gewinnspannen für die Tierproduzenten in der EU, und zwar als Folge der voraussichtlich steigenden Sojaschrotpreise.

Mit Blick auf den Absatz von Schweinefleisch der Gemeinschaft in China könnten aber die bereits geltenden Strafzölle der Pekinger Regierung auf US-Schweinefleisch positiv wirken. Sollte der chinesische Strafzoll auf Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten mehrere Jahre lang in Kraft bleiben, sind nach Ansicht des Rabobank-Analysten zwei Szenarien möglich. Zum einen könnten die US-Farmer den Sojabohnenanbau einschränken. Im Gegenzug dürften die Landwirte in Südamerika, China und der EU die Produktion ausweiten. Ausserdem sei in der Gemeinschaft sowie in den USA und Südostasien mit einer Aufstockung der Ölmühlenkapazitäten zu rechnen. 

Dagegen erwartet Vogel für Südamerika hier nur eine geringe Aufstockung. Alternativ wären die Ausweitung der Rapserzeugung in Kanada und Australien und eine Steigerung der Exporte dieser Herkünfte denkbar, so der Fachmann. Ob Peking tatsächlich Vergeltungszölle auf US-Bohnen und andere Produkte erhebt, dürfte sich im Juni entscheiden. Dann nämlich könnten die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf chinesische Produkte im Umfang von bis zu 150 Mrd. USD (148 Mrd Fr.) in Kraft treten. Das von Trump in diesem Zusammenhang kritisierte US-Handelsdefizit gegenüber China hat sich zuletzt weiter erhöht.

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