8.07.2018 16:51
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Rohsotffe
Spannungen lassen Ölpreise steigen
Der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent hat sich zuletzt wieder den gut 80 Dollar vom Mai diesen Jahres angenähert. Das entspricht einem Plus von fast 17 Prozent seit Jahresbeginn.

Man muss schon in den November 2014 zurückgehen, um auf ähnlich hohe Ölpreise zu stossen. Das spüren nicht nur viele Unternehmen in Form höherer Rohmaterialkosten, sondern auch die Konsumenten an der Kasse oder an der Zapfsäule. Hinzu kommt aus Schweizer Sicht der erstarkte Dollar. Er sorgt in Franken betrachtet für noch höhere Ölpreise.

US-Sanktionen gegen Iran treiben Ölpreise

Nicht so in den USA. Dort federt der erstarkte Dollar den Anstieg der Rohölpreise etwas ab. Dennoch sah sich jüngst sogar der republikanische US-Präsident Donald Trump veranlasst, die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) über seinen Twitter-Kanal zur Erhöhung der Fördermengen aufzurufen. Auslöser dürfte der Anstieg der US-Benzinpreise in die Nähe der psychologisch wichtigen Marke von 3 Dollar je Gallone (ca. 3,8 Liter) gewesen sein.

Allerdings ist US-Präsident Trump nicht ganz unschuldig am jüngsten Anstieg der Rohölpreise. Denn Experten zufolge wird sich das Angebot im Zuge des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und dem Erlass neuer Wirtschaftssanktionen gegen das erdölprozierende Land in Zukunft wohl verknappen.

OPEC hält an Drosselung fest

Schätzungen zufolge förderte der Iran 2017 durchschnittlich 5 Millionen Fass Rohöl am Tag. Das entspricht der höchsten Fördermenge seit Mitte der Neunzehnsiebzigerjahre. Gemäss Erhebungen der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffen exportierte der Iran 2016 knapp 100 Millionen Tonnen Rohöl, was einem Weltmarktanteil von 4,3 Prozent entspricht. 2017 dürften die Rohölausfuhren gar gestiegen sein.
Aufgrund der gegen den Iran verhängten Wirtschaftssanktionen könnten dessen Ölproduktion und die -exporte in den nächsten Monaten deutlich zurückgehen.

Obwohl US-Präsident Trump die Weltöffentlichkeit im Vorfeld des 4. Treffens von OPEC-Mitgliedern und Nicht-OPEC-Mitgliedern von letzter Woche wissen liess, dass Saudi-Arabien einer Erhöhung der Fördermenge zugestimmt habe, wollen die erdölexportierenden Länder an der Vereinbarung vom November 2016 festhalten.

China, USA und Indien sind gefordert

Diese Vereinbarung sieht eine Produktionskürzung der OPEC-Länder um 1,2 Millionen und der wichtigsten Nicht-OPEC-Länder um 0,6 Millionen Fass (zu je 159 Liter) pro Tag vor. Da diese Kürzungsquote im Mai dieses Jahres fast um die Hälfte übertroffen wurde, soll sie nun aber wieder Richtung der genauen Quote sinken. Schätzungen zufolge entspräche das einer Anhebung der Ölförderung um 0,6 Millionen Fass pro Tag.

Trotz dieser Anhebung sind die erdölkonsumierenden Länder gefordert. Allen voran die USA, welche neben Indien und China zu den weltweit grössten Abnehmern zählt. Wie ein Blick auf die US-Handelsbilanz verrät, importierten die USA im April täglich 3,2 Millionen Fass Rohöl aus OPEC-Ländern. Das entspricht gegenüber dem Vormonat einem Anstieg um 0,7 Millionen Fass und damit dem höchsten Stand seit Juli 2017.

Deutliche Nachfragebelebung

Da die USA zuletzt die eigene Ölproduktion wieder hochgefahren haben, waren die Nettoimporte mit 2,6 Millionen Fass jedoch rückläufig. Gleichzeitig liess der Erdölverbrauch im April mit 0,39 Millionen Fass am Tag deutlich nach. Zwischen Januar und März lag der tägliche Verbrauch im Schnitt bei 0,73 Millionen Fass.

Experten führen dies einerseits auf die saisonal bedingt milderen Witterungsbedingungen, andererseits aber auch auf einen Nachfragerückgang im Zusammenhang mit den höheren Preisen zurück. Die anhaltend gute Konjunktur und der Beginn der US-Reisesaison sprechen in den kommenden Monaten für eine deutliche Nachfragebelebung. Wie die Royal Bank of Scotland nämlich schreibt, bestimmt in den USA weniger der Preis als vielmehr der Wirtschaftszyklus über die landesweite Ölnachfrage.

China geht nach Venezuela

Eigene Wege bei der Erdölbeschaffung geht die Regierung in Peking. Sie greift Venezuelas kränkelnder Ölindustrie mit milliardenschweren Krediten unter die Arme. Erst vor wenigen Tagen gewährte die chinesische Entwicklungsbank dem staatlichen venezuelischen Ölkonzern PDVSA ein fünf Milliarden Dollar schweres Darlehen. Damit erhöht sich die Kreditsumme der letzten zehn Jahre auf stolze 60 Milliarden Dollar.

Mit diesem Betrag will China die Ölförderung Venezuelas ankurbeln. Aufgrund jahrelanger Misswirtschaft und aufgeschobener Instandhaltungsinvestitionen ist die Fördermenge von ursprünglich 3,5 auf zuletzt rund 1,5 Millionen Fass geschrumpft. Venezuela gilt als das erdölreichste Land der Welt. Die offiziell bestätigten Reserven des südamerikanischen Landes belaufen sich auf mehr als 297 Milliarden Fass. Zum Vergleich: Als weltgrösster Ölförderer verfügt Saudi-Arabien lediglich über Reserven in Höhe von 265 Milliarden Fass.

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