12.02.2018 08:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Tränkermarkt
«Scherbenhaufen» Tränkerpreissystem
Das Problem ist seit Langem bekannt: Die von der Branche publizierten Zeitungspreise für Tränker werden im Handel oft deutlich überzahlt – vor allem bei den AA-Tränkern. Nun hat der Handel rebelliert.

Seit dem 1. Februar 2017 werden die  Tränkerpreise an einer von Proviande moderierten Telefonkonferenz erhoben. An dieser nehmen Aufzuchtbetriebe, Händler und Mäster teil. Die Preise gelten schweizweit ab Stall. So wollte man Ordnung und Transparenz im Tränkerhandel schaffen. 

Richtpreis angleichen

Doch schon bald wurde klar, dass sich nicht alle an die Tabellenpreise halten. Insbesondere kleinere, regionale Händler bezahlten den Milchviehbetrieben für die gesuchten Mastrassetränker deutlich mehr als den Richtpreis. Aber auch die grosse Händlerin Vianco sorgte mit ihrem eigenen, deutlich höheren AA-Tränkerpreis in letzter Zeit für Diskussionen.

Für Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizer Viehhändlerverbandes, ist deshalb klar: «Das festgefahrene System funktioniert so nicht.» Der Richtpreis müsse – bei gleichbleibendem Marktpreis – angepasst werden, um die Überzahlungen zu verringern und den Referenzcharakter der Preistabelle zu stärken. «Sonst bringt das Preisfeststellungssystem nichts.»

+50 Rp. für AA-Tränker

An der Sitzung der Arbeitsgruppe Tränker des Schweizer Bauernverbandes (SBV) vom Mittwoch konnten sich die verschiedenen Akteure jedoch nicht einigen. Das Ganze sei ein einziger Scherbenhaufen, sagt ein Teilnehmer. Die Mäster sind verständlicherweise wenig begeistert von der Idee, höhere Tränkerpreise anzuschreiben. Sie befürchten, dass die Überzahlungen damit genau gleich weitergehen werden und dass sie dadurch noch einmal mehr bezahlen müssen für Tränkekälber. 

Die Folge der erfolglosen Diskussion: Der Viehhandel ist vorübergehend aus der Preisbildungs-Konferenz ausgestiegen und prüft intern das weitere Vorgehen und eine Anpassung des Systems der Preisfeststellung. Dies bedauert Martin Rufer, Leiter Departement Markt beim SBV: «Die Geburtsbetriebe und die Mäster führen die Telefonkonferenz vorerst ohne Handel weiter.» Auch Rufer will aber die Differenz zwischen Tabellen- und Marktpreis bei den AA-Tränkern beseitigen. So haben sich Züchter und Mäster geeinigt, dass der AA-Preis für die nächste Woche um 50 Rappen angehoben wird. 

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