4.11.2019 12:30
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Zuckerrüben
Rüben: Optimierung reicht nicht
Die Schweizer Zuckerwirtschaft ist unter Druck. Ein tiefer Zuckerpreis und ein rückläufiges Rübenangebot belasten. Eine Studie zeigt nun auf, dass mit Optimierungsmassnahmen in Anbau und Verarbeitung oder der Schliessung einer Zuckerfabrik die Gewinnschwelle nicht erreicht werden kann. Es werden 8 Empfehlungen abgegeben.

Die Zuckerrübenfläche in der Schweiz ist rückläufig. Derzeit bauen 4500 Landwirte auf rund 18'000 Hektaren Rüben an. 2017 und 2108 wurden noch auf über 19'000 Hektaren Rüben kultiviert.

Eng mit EU-Preis verbunden

Die Schweizer Zucker AG produziert in den Werken Aarberg BE und Frauenfeld TG rund 250'000 Tonnen Zucker. Damit wird rund 70 Prozent des inländischen Bedarfs gedeckt. Die restlichen 30% werden importiert. Doch die Anbaubereitschaft der Bauern sinkt. Denn die historisch tiefen Zuckererlöse wirken sich in sinkenden Zuckerrübenpreisen aus.

Diese tiefen Preise sind auf die Aufhebung der Zuckerquoten in der EU zurückzuführen, teilt die Schweizer Zucker AG mit. In der Folge sanken die Preise auf den Weltmarktpreis. Die schlägt auch sich auf die Schweiz nieder.  Durch die bilateralen Abkommen ("Doppelnull-Lösung") ist der Schweizer Zuckerpreis eng mit dem EU-Preis verbunden. Die Schweizer Zuckerwirtschaft ist unter massiven Druck geraten, Zucker- und Rübenpreise sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Der starke Franken hat den Druck noch zusätzlich erhöht.

Temporäre Hilfe des Bundes

Durch die tieferen Anbauflächen ist die Auslastung in der Schweizer Werken gesunken. Diese wird mit Importen wieder erhöht. Um die Situation der Zuckerbranche zu lindern, hat das Parlament temporäre Stützungsmassnahmen beschlossen. Seit Anfang 2019 ist einen Mindestzoll von 70 Franken pro Tonne Zucker sowie eine Erhöhung des Einzelkulturbeitrages von 300 Franken pro Hektare Zuckerrüben in Kraft.

Mit der Befristung bis 2021 räumte der Bundesrat der Zuckerwirtschaft drei Jahre Zeit ein, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Mit der Befristung bis 2021 hat die Branche drei Jahre Zeit, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. 

Zuckerwirtschaft defizitär

Dies hat Schweizer Zucker veranlasst, eine unabhängige Studie in Auftrag zu geben. Das «System Schweizer Zucker» wurde entlang der Wertschöpfungskette vom Feld, über die Logistik und Zuckerrübenverarbeitung in den beiden Fabriken, bis hin zum Tor der Abnehmer auf Optimierungspotenziale untersucht. Die Resultate liegen nun vor, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.

Die Zuckerwirtschaft ist im aktuellen Preis- und Kostenumfeld defizitär, obwohl die Zuckerproduktion bei vergleichbarer Auslastung mit der Kostenstruktur ausländischer Konkurrenz gut mithält. Die Studie hält fest, dass die wirtschaftlichen Probleme des Zuckerrübenanbaus und der Zuckerproduktion sich nicht mit reinen Optimierungsmassnahmen lösen lassen. 

Werkschliessung hat keinen positiven Effekt

«Kleinere Flächenstrukturen sowie hohe, aus den Gemeinkosten dem Zuckerrübenanbau zugeschlagene Maschinen- und Gebäudekosten, führen zu höheren Kosten als in der EU», halten die Studienautoren fest. Zuweilen wurde der Vorschlag herumgereicht, eine Fabrik zu schliessen. Die Studie kommt auf einen anderen Schluss.

«Die Schliessung einer Fabrik hätte aus betriebswirtschaftlicher Sicht keinen positiven Effekt auf die Wirtschaftlichkeit der Schweizer Zuckerproduktion», so die Studie. Denn die grundsätzlichen Kostennachteile aus dem Zuckerrübenanbau würden damit nicht gelöst, da die Logistikkosten für die Zuckerrüben, die produzierten Futtermittel sowie den Zucker massiv steigen würden. Die Aufwände des Bundes würden wegen sinkenden Flächen bei einem 1-Werk-Szenario sinken.

Braucht angemessenen Preis

«Die Studie zeigt die hohe Preiselastizität im Rübenanbau deutlich», heisst es in der Medienmitteilung. Ein weiter sinkender Rübenpreis hätte einen starken Flächenrückgang zur Folge. «Es braucht, nebst der Realisierung der festgestellten Kostensenkungspotenziale, einen angemessenen Zuckerpreis, der die Mehrwerte von Schweizer Zucker wiederspiegelt», so das Fazit. 

Eine Verarbeitungsmenge zwischen 0,9 Mio. (ein Werk) bis 1,4 Mio. (zwei Werke) Tonnen Zuckerrüben bezeichnet die Studie als «No-Go-Zone», weil Kostensteigerungen die Mehrerträge übertreffen würden.

Empfehlungen der Studienverfasser an die Zuckerbranche: 

  • Optimierungsmassnahmen umsetzen ("Optimierungsszenario") 
  • Inländisches Rübenvolumen auf über 1,4 Mio. Rübentonnen absichern und Beschaffung entsprechend ausrichten 
  • Rückwärtsintegration im Anbau als Plan B aufbauen 
  • Wirtschaftlichkeit Zuckerrübenanbau belegen 
  • "1-Werk-Szenario" nicht weiterverfolgen 
  • Mittelfristig Stützung für Schweizer Zucker politisch verankern 
  • Regulatorischen Spielraum nutzen bzw. öffnen 
  • Den Ausstieg aus Schweizer Zucker andenken

 

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