14.07.2015 16:55
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Rohstoffe
Ölpreise rutschen ab
Er war lange erwartet worden - als der Durchbruch im Atomstreit mit dem Iran nun kam, reagierten die Rohölpreise aber doch recht heftig. Die Menge auf dem Weltmarkt dürfte weiter zunehmen, wenn das Land wieder exportieren darf.

Mit dem schrittweisen Abbau von Wirtschaftssanktionen kann das Land mehr Rohöl ins Ausland liefern. Da bereits riesige Mengen des schwarzen Goldes auf dem Weltmarkt sind, kommen die Preise weiter unter Druck - selbst wenn Experten davon ausgehen, dass der Iran aus technischen Gründen erst langsam seine Förderung erhöhen kann. Mittelfristig könnten auch die Sprit- und Heizölpreise weiter fallen.

Iran könnte mehr Öl exportieren

Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Dienstag zeitweilig 56,75 Dollar. Das waren 1,10 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 1,04 Dollar auf 51,16 Dollar. Nach Angaben der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini ist der Atomstreit beigelegt. Die sieben beteiligten Staaten erzielten nach mehr als zweiwöchigen Verhandlungen in Wien eine Einigung. Der Iran verpflichtet sich dabei, sein Atomprogramm drastisch zurückzufahren.

Die Vereinbarung sieht auch vor, dass die Sanktionen des Westens gegen Teheran aufgehoben werden. Damit ist der Weg für höhere Ölexporte des wichtigen Förderlandes Iran frei. In den vergangenen Handelstagen hatte bereits die Aussicht auf eine Einigung die Ölpreise gesenkt.

Überversorgter Markt

Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) ist der Ölmarkt bereits jetzt «massiv überversorgt», und es sei mit weiteren Preisrückgängen zu rechnen. Rohstoffexperten der Commerzbank gehen aber nicht davon aus, dass der Iran seine Ölförderung rasch erhöhen wird. Erst müssten die Produktions- und Transporteinrichtungen nach mehr als drei Jahren der Stilllegung wieder instandgesetzt werden. Allerdings verfüge das Land über grosse Lagerbestände, die zunächst exportiert werden könnten.

Die Commerzbank geht von einem Anstieg des iranischen Ölangebots um maximal 500'000 Fass (Barrel)  pro Tag bis Mitte 2016 aus und um weitere 500'000 Barrel bis Ende 2016. Laut Schätzungen förderte die Opec im Juni erneut deutlich mehr als die anvisierten 30 Millionen Barrel täglich, wobei der Anteil Saudi-Arabiens bei etwa 10,5 Millionen Barrel lag.

Spannungen könnten auftreten

Experte Frederik Kunze von der NordLB sieht aber noch einen weiteren Grund für eine vergleichsweise langsame Rückkehr des iranischen Öls auf den Weltmarkt. Sollte die Führung in Teheran den Ölhahn zu rasch aufdrehen, könnte dies zu Spannungen innerhalb der Opec führen.

Zwar sei das Ölkartell mitverantwortlich für den Verfall der Rohölpreise, der Mitte 2014 eingesetzt hatte, so der NordLB-Experte. Ein neuerliches Einbrechen der Notierungen würde für den Iran aber die Gefahr einer Konfrontation mit anderen Opec-Ländern bergen.

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