18.10.2020 11:56
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Detailhandel
Migros weicht Alkoholverkaufsverbot auf
Die Migros strapaziert zunehmend ihr Erbe. Hatte der Gründer Gottlieb Duttweiler der Migros noch verordnet, keine alkoholischen Getränke zu verkaufen, so weicht der Grossverteiler heute diesen Grundsatz zunehmend auf.

Laut «NZZ am Sonntag» hat die Migros von der Öffentlichkeit unbemerkt eine Wein- und Spirituosenkette aufgebaut. Diese Ladenkette mit ihren vier Filialen ist eine Tochter der Migros Tessin. Bei Enoteca Vinarte ist kein Migros-Schriftzug zu finden, doch die Umsätze mit den alkoholischen Getränken fliessen dennoch zu ihr.

1925 hat Gottlieb Duttweiler die Migros gegründet, damit die Bevölkerung über seine Einkaufsgemeinschaft billige Lebensmittel beziehen kann. Alkohol und Tabak nahm er dabei aber explizit aus. Doch die Migros verkauft seit Jahren Alkohol über seine Töchter, so bei Denner, Migrolino und auch bei Globus oder bei galaxus.ch. 

Der Verzicht auf Alkohol führt zu geringeren Umsätzen. Und gemäss «NZZ am Sonntag» ist bei der immer grösser werdenden Käuferschicht der ausländischen Fachkräfte, den ­sogenannten Expats, das Verständnis für das Fehlen von Bier, Wein und Spirituosen im Sortiment deutlich geringer. 

Während des Shutdowns im Frühling wirkte sich das Fehlen von Alkohol im Sortiment auf die Kassen der Migros aus. Vor allem Mitbewerber Coop habe mit Bier und Wein besonders gut verdient, schreibt die «NZZ am Sonntag». Deshalb überlegt sich die Migros in ihren Filialen physische Denner-Shops-in-Shop. Das heisst, Alkohol würde in Denner-Regalen angeboten, bezahlt würde aber an der Migros-Kasse.

Ins Wanken gerät das Erbe Duttweilers auch beim Spitzenpersonal. So ist der neue Präsident der Regionalgenossenschaft Neuenburg-Freiburg, Thierry Grosjean, Winzer. Er verkauft seine Weine jedoch an Coop. Beide Fälle verletzen laut Migros die Statuten der Genossenschaft jedoch nicht.

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