31.01.2018 14:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Bioackerbau
Markt stösst zum Teil an Grenzen
Die Nachfrage nach Bioprodukten wächst weiterhin Jahr für Jahr. Aber auch die Produktion legt kräftig zu. So stossen einige Ackerprodukte an ihre Absatzgrenzen, was auch zu Preisdiskussionen führt.

Vor zwei Wochen waren die Säle am Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) in Frick AG und am Bioschwand in Münsingen BE mit je rund 80 Personen bis auf den letzten Platz gefüllt. Wie die Anzahl Teilnehmer an der jährlichen Bioackerbautagung wächst auch die Bioackerfläche der Schweiz. Gemäss Schätzungen legte sie letztes Jahr um fast 1900 ha auf gut 18'000 ha zu.

Vorsicht, Marktsättigung

Grundsätzlich wird dieses Wachstum benötigt, um die steigende Nachfrage nach Bioackerprodukten zu decken. Doch bei einzelnen Produkten stösst der Absatz an Grenzen, oder der steigende Inlandanteil weckt bei den Abnehmern Gelüste für Preisdruck. So wurden letztes Jahr fast 30'000 Tonnen Biofuttergetreide (inkl. Körnermais und Körnerleguminosen) geerntet. Das ist drei Mal mehr als noch vor fünf Jahren.

Die Schweizer Bio-Nutztiere fressen damit fast 80% Inland-Futtergetreide. «Das ist ein gutes Argument für die Biotierhalter», sagte Christian Rytz, Geschäftsführer der Mühle Rytz aus Biberen BE an der Tagung. «Doch wenn die Produktion so weiter wächst, haben wir bald zu viel Biofuttergetreide.» Dann müsste Bioware deklassiert werden. Insbesondere Gerste, Hafer, Triticale, Ackerbohnen und Eiweisserbsen hätten die Sättigungsgrenze erreicht, weil sie nicht bei allen Tierarten unbegrenzt eingesetzt werden können. «Bei Futterweizen, Körnermais, Futtersoja und Lupinen kann der Markt noch Mehrmengen aufnehmen.»

Tierhalter bezahlen mehr

Ein Diskussionspunkt ist auch der Preis. Schweizer Biofuttergetreide ist deutlich teurer als Importware. Damit eine Mühle aber nicht mit einem höheren Importanteil ihr Futter billiger anbieten kann als die Konkurrenz, herrscht ein sogenanntes Pool-System. Dieses regelt, dass alle Mühlen einen gleich hohen Inlandanteil Biofuttergetreide übernehmen müssen (effektiv oder finanziell).

Dieses System ändert aber nichts an der Tatsache, dass Biomischfutter künftig für die Tierhalter teurer wird, wenn der Inlandanteil steigt. Rytz rechnet vor: «Durch die gestiegenen Mischfutterpreise 2017 bezahlen Tierhalter mit 100 Mastschweineplätzen oder 2000 Legehennen rund 4'500 Franken mehr pro Jahr.»

Gegensteuer geben

Damit der Biofuttergetreidemarkt nicht überversorgt wird, hat die Branche bereits erste Gegenmassnahmen ergriffen. So haben Umstellbetriebe im ersten Jahr nicht mehr die Garantie, dass ihre Gerste, Triticale und ihr Hafer in den Biokanal übernommen werden, und es herrscht ein Importstopp für diese Produkte.

Die Förderung von Ackerbohnen und Eiweisserbsen mit Geldern aus dem Importfonds könnte künftig auch wegfallen, vermutet Michele Hostettler, Produktmanager Ackerprodukte bei Bio Suisse. Denn mit immer weniger Geld kann nicht immer mehr Fläche gestützt werden.

Nachfrage erhöhen

Beim Biobrotgetreide sind die Inlandanteile mit 41% beim Weizen, 39% beim Roggen und 68% beim Dinkel noch deutlich kleiner als beim Futtergetreide. Von einem Überschuss ist man dort eigentlich noch weit entfernt. Trotzdem hätten einige Verarbeiter Mühe, sämtlichen Schweizer Biodinkel vermarkten zu können, weiss Hostettler. Und: Je weniger die Abnehmer das teure Schweizer Biobrotgetreide mit Importware verbilligen können, desto stärker wird der Druck auf die Inlandpreise.

Diesem Druck will Bio Suisse in erster Linie mit Marketing entgegenwirken. «Unsere Aufgabe ist es, die Nachfrage nach Bioprodukten zu erhöhen», stellte Hostettler klar. So soll auch die Produktion weiter wachsen können. Doch er rät den Produzenten auch: «Nehmen Sie Chancen wahr und setzen Sie auch auf unbekanntere Biokulturen wie Speisesoja, Lein oder Zuckerrüben. Dies jedoch immer in Absprache mit einem Abnehmer.» Zwingend sei auch eine Qualitätsstrategie zu fahren, um die hohen Schweizer Preise zu rechtfertigen. 

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