28.07.2015 09:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Getränke
Landi Schweiz und der Coca-Cola-Knatsch
Die Fenaco-Tochter importiert Coca-Cola-Produkte neu aus Polen. Dies deshalb, weil die Landi Schweiz AG den Einstandspreis des Schweizer Ablegers als zu hoch taxiert. Coca-Cola Schweiz gehört aber zu den grössten Abnehmern von Schweizer Zucker.

Seit Mitte Januar haben Detailhändler noch vermehrt mit dem Einkaufstourismus zu kämpfen. Die Händler ihrerseits machen nun bei ihren Lieferanten Druck. Landi-Kunden dürfen in den vergangenen Wochen ob der Beschriftung der Etiketten der Coca-Cola-Flaschen verdutzt reagiert haben. Statt in deutscher Sprache sind diese neu in polnischer Sprache beschriftet. Ein roter Kleber in deutscher Sprache wurde darüber geklebt.

Denner machte den Anfang

Abgefüllt werden die in den Landi-Läden verkauften Coca-Cola-Produkte in der Nähe von Warschau. Dies berichtete der „Blick“ in seiner Donnerstagsausgabe. Der Grund ist einfach: Dieser liegt im Preis begründet. Ein Sechserpack Coca-Cola „Made in Poland“ kostet im Laden 9,95 Fr., eine Packung „Made in Switzerland“ schlägt mit 13 Franken zu Buche. In sämtlichen 280 Landi Läden der Schweiz gibt es also das „Ost-Cola“ zu kaufen.

„Seit dem Frühjahr 2015 werden alle Marken Cola Produkte für die Landi parallel importiert“, bestätigt Simon Gfeller, Leiter Marketing und Verkauf der Landi Schweiz AG, gegenüber schweizerbauer.ch. Die Landi Schweiz AG ist nicht der erste Detailhändler, der den hiesigen Ableger von Coca-Cola unter Druck setzt. Die Migros-Tochter Denner hatte Anfang 2014 ebenfalls zum Parallelimport (Tschechien) gegriffen. Der Preis der Zwei-Liter-Flasche sank bei Denner schrittweise von 2,50 Fr. auf den aktuellen Preis von 1,95 Franken. Bei der Landi kostete eine 1,5 Liter-Flasche neu 1,70 Fr., das sind rund 25 Rappen weniger als bei Denner.

Farmer-Cola enthält EU-Zucker

In der Folge senkten auch die Migros, Coop und andere Detailhändler die Preise von Coca-Cola-Produkten. Dies auch deshalb, weil das US-Unternehmen die Preise tiefer ansetzte. Welche Preissenkung erwartet die Landi Schweiz AG? „Einen Preisnachlass im Einstand, der es uns erlaubt, einen konkurrenzfähigen Verkaufspreis am Markt anzubieten. Der Einstandspreis darf auch etwas höher sein als der Preis für eine importierte Cola. Dafür sind wir bereit, etwas mehr zu bezahlen“, macht Gfeller deutlich.

Der Marketingleiter führt einen Vergleich ins Feld. Die Eigenmarke „Farmer Cola“ kostet im Laden 3,95 Fr. „Man kann also auch in der Schweiz problemlos preiswert produzieren“, hält Gfeller fest. Der im Getränk verwendete Zucker kann aber auch aus dem Ausland stammen. Dies hänge von den Verträgen des Lieferanten ab. „Die aktuelle Charge der Eigenmarke „Farmer“-Süssgetränke (Citro, Orange und Grapefruit) enthält Schweizer Zucker. Dem Farmer-Cola wird aber derzeit EU-Zucker beigemischt“, so Gfeller.

5,5 Prozent des Schweizer Zuckers kauft Coca-Cola

Wenig erbaut ist man bei Coca-Cola Schweiz über das Vorgehen der Landi Schweiz AG. „Wir sind überzeugt, dass wir als lokaler Hersteller in der Schweiz dem Einzelhandel bereits heute ein attraktives und kompetitives Gesamtpaket an Konditionen und Serviceleistungen bieten“, hält Patrick Bossart, Leiter Public&Affairs und Geschäftsleitungsmitglied von Coca-Cola Schweiz, auf Anfrage von schweizerbauer.ch fest. „Jedem Einzelhändler steht es letztlich frei, aus welchen Beweggründen auch immer, Coca-Cola anderweitig zu beziehen“, fährt er fort.

Coca-Cola Schweiz ist einer der grössten Abnehmer von Schweizer Zucker. Im vergangenen Jahr wurden rund 17‘000 Tonnen hiesiger Zucker verarbeitet. Die Produktion lag bei 304‘500 Tonnen. Rund 5,5 Prozent der Schweizer Zuckermenge kauft also das US-Unternehmen ab. Zu beachten ist, dass 2014 ein gutes Zuckerjahr war. Der Anteil lag in früheren Jahren noch höher.

Gefahr für Rübenpflanzer?

Schadet die Landi Schweiz mit ihrem Vorgehen nicht den Schweizer Rübenproduzenten? „Unser Credo ist es, prioritär Schweizer Produkte einzukaufen. Der Preis muss aber konkurrenzfähig sein. Dies war bei Coca-Cola Schweiz trotz Verhandlungen über Jahre nicht der Fall“, betont Gfeller. Bei einem nicht konkurrenzfähigen Verkaufspreis würden die Konsumenten die Getränke, bei der Konkurrenz oder direkt im Ausland beziehen, warnt er.

Wird nun auch bei anderen Getränkeunternehmen wie beispielsweise Nestlé Druck aufgesetzt? „Der Schweizer Detailhandel steht in der Pflicht, bei den Herstellern vernünftige Einstandspreise auszuhandeln“, fährt der Landi-Marketingchef fort. Er führt auch ein Beispiel an. So hat die Landi Schweiz AG auch bei Red Bull-Getränken auf den Parallelimport gesetzt. Der Poker ging auf. „Nach langen Verhandlungen und entsprechend erfolgreichem Abschluss führen wir seit 2015 wieder Red Bull aus der Schweiz“, so Gfeller. Auch Red Bull ist ein grosser Abnehmer von Schweizer Zucker.

Türe nicht verschlossen

Beide Seiten dürften aber in den kommenden Wochen das Gespräch suchen. „Selbstverständlich bleiben wir mit Landi wie mit allen unseren Kunden in Kontakt und werden weiterhin die Zusammenarbeit suchen. Wir bauen auch künftig auf den Standort Schweiz“, lässt Patrick Bossart von Coca-Cola Schweiz durchblicken. Auch Gfeller betont: „Unser Ziel ist es, wieder Coca-Cola aus der Schweiz in den Regalen anzubieten.“

Mit Denner konnte sich Coca-Cola einigen. Der Discounter stoppt den Parallelimport des Softgetränks aus Tschechien und bringt per September die Zwei-Liter-Flasche des Schweizer Cola-Abfüllbetriebs ins Regal. Diese wird gleich teuer wie das zuvor aus Tschechien importierte Getränk angeboten, nämlich zu einem Preis von 1,95 Franken.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE