5.05.2016 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Weizen
Kontroverse um Proteinweizen
Die Müller beantragen eine Ausnahme von der Swissness-Regelung. Es sei nicht genügend Hochproteinweizen in der Schweiz verfügbar. Die Getreideproduzenten unterstützen den Antrag, die privaten Sammelstellen protestieren.

Kürzlich hat der Dachverband Schweizerischer Müller (DSM) beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) einen Antrag für eine Qualitätsausnahme von der Swissness-Regelung eingereicht. Konkret: Es sollen jährlich rund 20'000 bis 30'000 Tonnen sogenannter Hochproteinweizen mit mindestens 14% Protein- und 32% Feuchtklebergehalt innerhalb des Zollkontingents importiert werden, die nicht für die Swissness-Berechnung zählen (siehe Kasten unten).

Problem TK-Ware

Ein Beispiel: Ein 100 g schweres Brötchen enthält 50 g ausländischen Hochproteinweizen, der von der Swissness-Regelung ausgenommen ist. Damit das Brötchen mit dem Schweizer Kreuz ausgelobt werden darf, müssen nur noch 80% der übrigen 50 g Rohstoffe aus der Schweiz stammen.

«Vor allem für Tiefkühl- und Blätterteigbackwaren braucht es fast 100 Prozent Hochproteinmehl, sonst bekommen die Backwaren beim Einfrieren schwarze Pünktchen», erklärt DSM-Geschäftsführer Lorenz Hirt. Für die Vermahlung von Hochproteinmehl könne aber nur knapp die Hälfte des Weizenkorns verwendet werden, der Rest falle als Koppelprodukt, sogenanntes Zweitmehl, an, das schwierig einzusetzen sei.

Weniger Billigweizen importiert

Hirt sieht durch den Antrag keine Nachteile für die Schweizer Getreideproduzenten, im Gegenteil: «Wenn wir das Importkontingent vor allem für solchen Hochproteinweizen nutzen, gelangt weniger Billigweizen in die Schweiz, der Preisdruck ausübt.»

Von diesen Argumenten liess sich auch der  Getreideproduzentenverband (SGPV) überzeugen: Er unterstützt den Antrag unter den Bedingungen, dass die Zollkontingentsmenge von 70'000 Tonnen nicht erhöht wird und die Ausnahme vorerst auf zwei Jahre befristet ist. Der Vorstand von Swiss Granum  hat den Antrag der Müller daher gutgeheissen.

«Wir können liefern»

Der Verein der privaten Getreidesammelstellen der Schweiz (VGS), der kein Stimmrecht im Swiss-Granum-Vorstand hat, stösst sich allerdings am Vorschlag. «Es muss doch auch in der Schweiz möglich sein, solchen Hochproteinweizen zu produzieren», sagte VGS-Präsidentin Corinne Mühlebach letzte Woche anlässlich der VGS-Mitgliederversammlung. Zudem hätten die Sammelstellen in NIR-Geräte investiert und könnten Partien mit über 14% Protein anbieten.

Die Mühlen seien nur nicht bereit, den Mehrpreis für solche Ware aus Schweizer Herkunft zu bezahlen. Der VGS will sich nun unter anderem dafür einsetzen, dass die Düngervorschriften für solchen Qualitätsweizen gelockert werden. Zudem brauche es eine Qualitätsabstufung in jeder Klasse, so Mühlebach.

Getreideproduzenten wollen Produktion erhöhen

SGPV-Geschäftsführer Pierre-Yves Perrin bekräftigt: «Es wäre natürlich möglich und erwünscht, dass die Schweizer Produzenten Hochproteinweizen anbauen.» Sobald in einem guten Jahr in der Schweiz genügend solche Ware verfügbar sei, werde die Menge an importiertem Hochproteinweizen sinken.

Das BLW wird den Antrag nun prüfen und dem Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung zum Entscheid unterbreiten.

Zur Swissness

Am 1. Januar 2017 tritt die Swissness-Gesetzgebung in Kraft. Diese besagt im Grundsatz, dass 80% des Gewichts der Rohstoffe  eines  verarbeiteten Produkts aus der Schweiz stammen müssen, wenn das Produkt mit dem Schweizer Kreuz ausgelobt werden will. Von dieser Grundsatzregel gibt es einige Ausnahmen. Eine davon ist die Qualitätsausnahme. Sie ermöglicht es, Naturprodukte von der Berechnung auszunehmen, wenn sie in der Schweiz in der erforderlichen Qualität nicht oder nicht in genügender Menge produziert werden können. gro

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