23.08.2017 11:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Zuckerrüben
Knatsch beim Rübentransport
Der Preisdruck auf dem Schweizer Zuckermarkt wächst. Deshalb soll der Rübentransport günstiger werden. Die Strassentransporteure sind aber mit der neuen Branchenvereinbarung (BV) gar nicht einverstanden.

Die Interprofession Zucker, bestehend aus Vertretern der Schweizer Zucker AG (SZU) und der Pflanzer, hat sich für den Anbau 2018 auf tiefere Entschädigungen für den Rübentransport zur Fabrik oder an die Bahnhöfe geeinigt. Als Kompensation wurde der Rübengrundpreis um 2 Fr./t angehoben. Die Strassenanführer kritisieren die Form der Umlagerung.

Gewerbliche Transporteure können höhere Tarife durchsetzen

«Der höhere Rübenpreis vermag die tiefere Transportentschädigung nur bis etwa 12 km Transportdistanz zu kompensieren», erklärt Andreas Guyer, Geschäftsführer der Ostschweizerischen Vereinigung für Zuckerrübenbau. «Wer die Rüben weiter führen muss, verliert.» Die Strassenanführer fahren im Schnitt 15 km ins Werk, die Bahnanführer 8 km an die Bahnhöfe.

Guyer macht ein Beispiel: «Bisher hat der Rübentransport mit 22 t reinen Rüben ab Stammheim ZH ins Werk 160 Fr./Fahrt eingebracht. Laut BV 2018 wird diese Abgeltung auf 110 Fr./Fahrt oder 73 Fr./h reduziert.» Stossend sei, dass die Pflanzer mit der Unterzeichnung des Anbauvertrags zu dieser Entschädigung fahren müssen, während gewerbliche Transporteure höhere Tarife durchsetzen können. 

Pflanzer könnten austeigen

Die Transportgruppenleiter im Strassenanfuhrgebiet zum Werk Frauenfeld und der Vorstand des Rübenrings Seeland fordern deshalb  eine Überarbeitung der BV 2018. Die Transportentschädigungen müssten kostendeckend sein, und die Strassenanführer dürften gegenüber den Bahnanführern nicht benachteiligt werden. Sonst könne es sein, dass Pflanzer aus den wertvollsten Gebieten verstärkt aus der Produktion aussteigen. Dies würde der ganzen Branche schaden.

Höheres Rübengeld soll entschädigen

Guido Stäger, Direktor der SZU, versteht den Widerstand nur schwer. Seiner Meinung nach wird die tiefere Transportentschädigung durch das höhere Rübengeld kompensiert. Zudem seien die Rübentransporte in den letzten Jahren effizienter geworden. Die Auslastung könne noch weiter erhöht werden.

Deshalb hat die SZU das neue Übernahmemodell ab Feldrand eingeführt, bei dem die Transporte durch die SZU organisiert werden. Mittels Ausschreibung sollen die günstigsten Anbieter ermittelt werden. «Wir sollten jetzt keine Nachverhandlungen machen, sondern den neuen Ansatz in der Praxis testen», sagt Stäger. Nach einem Jahr würden die Erfahrungen gemeinsam mit den Pflanzerorganisationen in der Interprofession beurteilt. 

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