20.09.2020 14:35
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Detailhandel
Keine Zweifel-Chips für Aldi und Lidl
Zweifel-Chips beliefert laut «SonntagsBlick» die Detailhändler Aldi und Lidl nicht. Die Discounter bemühten sich seit längerer Zeit, die Traditionsmarke in ihre Sortimente zu bekommen. Sie wollen mehr Umsatz und Swissness.

Zweifel Chips ist wohl den meisten Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz ein Begriff. 1958 hat das Unternehmen begonnen, Kartoffel-Chips zu produzieren. Innert kürzester Zeit stieg Zweifel zu einem der grössten Chips- und Snack-Unternehmen der Schweiz auf. 

Rekordumsatz

Die Marke Zweifel gehört zu den vertrauenswürdigste Marken der Schweiz. Mehr als 3'000 Personen wurden in einer Studie zu insgesamt 421 Marken befragt. Den «Promarca Brand of the Year» 2020 ging an den Kräuterbonbon-Hersteller Ricola. Doch bereits auf Rang 3 folgt Zweifel.

Und die Produkte des Unternehmens mit Produktionsort Spreitenbach AG werden weiterhing stark nachgefragt. gross. 2019 erzielte das Familienunternehmen einen Rekordumsatz. Im Vergleich zum Vorjahr kletterte der Umsatz um 5,8 Prozent auf 241,0 Millionen Franken.  Bis heute ist das Schweizer Unternehmen zu 100% in Familienbesitz, mittlerweile in der dritten Generation. 

Neubau im Juni eingeweiht

Das Unternehmen setzt weiterhin auf den Standort Schweiz. Im Mai 2020 wurde der Neu- und Umbau in Spreitenbach eingeweiht. Für über 40 Millionen Franken wurden die Produktion ausgebaut und modernisiert, Büroräumlichkeiten erneuert und ein neues Besucherzentrum realisiert.

Das Unternehmen ist unangefochtener Marktführer in der Schweiz. Zweifel-Produkte gibt es bei praktisch sämtlichen Detailhändlern zu kaufen. Coop, Migros, Denner, Volg und Spar haben solche Produkte in ihren Regalen. Auch Aldi und Lidl möchten die erfolgreichen Erzeugnisse in ihr Sortiment aufnehmen. Sie versprechen sie mehr Umsatz, Kunden und Swissness. 

Bemühungen blieben erfolglos

Doch wie der «SonntagsBlick» berichtet, will Zweifel davon nichts wissen. Das Unternehmen boykottiert eine Einlistung. Die Bemühungen der beiden Discounter, Chips und Snacks in ihr Sortiment zu bringen, fruchten nicht. «Wir bemühen uns schon seit Jahren darum, unseren Kunden Zweifel-Chips anbieten zu können. Bis jetzt hat es aber leider nicht geklappt», sagt Aldi gegenüber der Zeitung.

Seit Mitte Jahr leitet Christoph Zweifel (50) Zweifel Pomy-Chips. Damit steht mit dem Sohn des Firmengründers erstmals seit 29 Jahren wieder ein Familienmitglied an der Spitze von Zweifel. Christoph Zweifel ist seit 2015 Direktor Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung des Chips-Spezialisten. Zuvor war unter anderem für Unilever und Aryzta tätig.

Auch bei Lidl bleiben die Aargauer hart. «Wir können bestätigen, dass wir grundsätzlich an den Zweifel-Chips interessiert sind, und denken, dass diese unser bestehendes Angebot gut ergänzen würden», erklärte Lidl zum «SonntagsBlick». 55 Prozent des Umsatzes erzielt der Schweizer Ableger des deutschen Discounters nach eigenen Angaben mit Schweizer Produkten.

Stimmt Umfeld nicht?

Bei Zweifel ist man grundsätzlich daran interessiert, dass die eigenen Produkte möglichst vielen Personen zugänglich sind. «Es ist uns ein grosses Anliegen, unsere Produkte überall dort verfügbar zu haben, wo unsere Konsumentinnen und Konsumenten sind, sei es im Detailhandel, an der Tankstelle, am Kiosk oder in der Gastronomie», so Zweifel. Über Interna zu Verhandlungen gebe man in der Öffentlichkeit keine Auskunft. 

Diese Zurückhaltung lässt Raum offen für Spekulationen. «Gewisse Markenhersteller legen grossen Wert darauf, in welchem Umfeld ihr Produkt zum Verkauf angeboten wird», sagt Anastasia Li-Treyer, Geschäftsführerin des Schweizerischen Markenartikelverbands Promarca, zu «SonntagsBlick». Das Verkaufen der Produkte in Kartonschachteln und zu Billigpreisen würden einige Unternehmen nicht gerne sehen, so Li-Treyer.

Üben die Grossen Druck aus?

Doch bei Denner ist die Präsentation nicht markant besser, schreibt «SonntagsBlick». Üben Coop und Migros Druck bei Zweifel aus, damit die Chips und Snacks nicht bei den Discountern verkauft werden? Die beiden Platzhirsche winken ab. «Wir nehmen keinerlei Einfluss auf die Belieferungsentscheide unserer Lieferanten», sagt ein Migros-Sprecher. Coop will sich zu geschäftlichen Angelegenheiten von Dritten nicht äussern.   

Wichtiger Partner für Bauern

Für die Schweizer Bauern ist das Traditionsunternehmen ein wichtiger Partner. Denn Zweifel setzt auf Rohstoffe aus der Schweiz. Seit 2018 werden die Chips mit Schweizer Rapsöl gebacken. Die Anbaugebiete des HOLL-Raps erstrecken sich vom Genfersee über den Jura bis zum Bodensee. Pro Jahr benötigt das Zweifel rund 2500 Tonnen Rapsöl.

Die Kartoffeln für die Chips stammen im Durchschnitt zu 95 Prozent aus der Schweiz. Die Namen der 250 Produzenten werden auf den Packungen aufgedruckt. 2018 hat Zweifel rund 20'000 Tonnen Kartoffeln verarbeitet. Das Salz für die Produkte stammt aus der Saline in Bex VD.

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